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„Es soll ja keine Abzocke sein“

Polizeihauptmeister Jens Volkmann staunt. „Nanu, sie sind ja schon auf den Winter umgerüstet.“ Der angesprochene Taxifahrer zuckt kurz zusammen, holt dann bereitwillig Fahrzeugpapiere und Führerschein hervor.

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Von Thomas Riemer

Polizeihauptmeister Jens Volkmann staunt. „Nanu, sie sind ja schon auf den Winter umgerüstet.“ Der angesprochene Taxifahrer zuckt kurz zusammen, holt dann bereitwillig Fahrzeugpapiere und Führerschein hervor. Jeden Tag bringt er Schüler in die Großenhainer Förderschule am Remonteplatz.

Gestern in aller Herrgottsfrühe hatte sich dort Jens Volkmann mit seinem Kollegen Herbert Liepelt postiert. Dabei sollte es vor allem um die Sicherheit jener Taxis und Kleinbusse gehen, die den täglichen Schülertransport zur Förderschule erledigen. Eberhard Melchior zum Beispiel lenkt täglich zwei Mal seinen Ford-Kleinbus zum Remonteplatz. Er ist Fahrer im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes. Diesmal bringt gemeinsam mit Betreuerin Kathrin Dörsel er vier Kinder zur Schule. „Es ist schon wichtig, das so etwas gemacht wird. Gerade, weil es ja zuletzt immer wieder Busunfälle gab“, so Melchior. Kathrin Dörsel ergänzt, dass „immer erst dann etwas gemacht wird, wenn etwas passiert ist“. Fahrer Melchior steht indes Herbert Liepelt Rede und Antwort. Als es um Warndreieck und Abschleppseil geht, muss er suchen. „Das Auto ist noch ziemlich neu, und das Zeug ist in jedem Fahrzeug woanders“, sagt er. Dann die Erleichterung, als die Utensilien endlich gefunden sind. Jens Volkmann ist inzwischen zum Parkplatz gelaufen, hat dort eine richtige „Rostlaube“ entdeckt, aus der kurz zuvor Vater und Sohn ausgestiegen sind. Paradox: Rein technisch gesehen, ist an dem Fahrzeug nichts auszusetzen. „Den nächsten Abgastest aber schafft es bestimmt nicht“, sagt Volkmann schmunzelnd. Eine Verwarnung erwartet den Fahrer trotzdem. Denn dem Polizisten ist nicht entgangen, dass das Kind nicht ordnungsgemäß mit Kindersitz und angegurtet transportiert wurde.

In Großenhain starteten gestern landkreisweiten Kontrollen. Für die ganze Polizeidirektion waren Radebeul und Meißen die Auftaktstationen. Zum Glück, ohne dass größere technische Mängel gefunden wurden. Ab heute sind nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Busse dran.

In der Kreisstadt ist nach einer halben Stunde Schluss mit der Kontrolle. „Große Fische“ haben die Kontrolleure nicht gefunden, und auch Verwarngelder bleiben aus. „Es soll ja keine Abzocke sein“, sagt Jürgen Fischer vom Verkehrsamt im Landratsamt, das gleich um die Ecke sein Domizil hat. Man weiß auch um die prekäre Situation gerade auf dem Großenhainer Remonteplatz. Denn um in die Schule zu gelangen, müssen die Schüler mangels Fußweg ein Stück auf der Straße laufen. Und die ist gerade zwischen 7 und 8 Uhr stark frequentiert. „Das ist Sache der Stadt“, sagt Jürgen Fischer, und er wirkt dabei eher ratlos. „Es wäre schön, wenn auch aus anderer Richtung mal ein Fingerzeig käme“, entgegnet der Hausmeister der Förderschule.