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„Es sollte bessere Gesetze geben“

Was denken Informatiker über die Ausspähaffären? Technisch möglich, moralisch nicht nett, findet Professor Klaus ten Hagen.

Herr ten Hagen, was empfinden Sie als Informatiker, wenn Sie hören, dass man das Handy der Bundeskanzlerin „ausspäht“? Ist das denn so einfach?

Also ganz einfach geht das nicht. Ich wüsste auf Anhieb nicht, wie man das macht. Aber aus rein technischer Sicht sage ich: Möglich ist alles. Es ist nur aufwendig und teuer, doch gerade Geheimdienste können sich das leisten. Das Handy von Frau Merkel auszuspionieren, ist aber einfach nicht nett. Es gibt bestimmt eine Vereinbarung zwischen Amerikanern und Deutschen, sich nicht gegenseitig abzuhören. Dass dagegen verstoßen wird, hat mich schon überrascht. Das tut man nicht unter Freunden.

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Das SHK-Handwerk ist seine Passion
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Lukas Kurz ist vor allem von der modernen Technik und den handwerklichen Herausforderungen in seinem Beruf fasziniert.

Was haben Sie selber für ein Handy?

Ein ganz normales. Ich habe nicht einmal ein Smartphone. Aber nicht, damit es nicht überwacht wird, sondern weil ich es nicht brauche. Telefon und Laptop reichen mir.

Und haben Sie manchmal Angst, dass jemand Ihre Daten ausspionieren könnte?

Na ja, ein Mobiltelefon zu überwachen ist ziemlich kompliziert. Die sind sehr sicher im Vergleich zu alten Festnetztelefonen, wo man nur was anzuklemmen braucht, um mitzuhören. Aber grundsätzlich sollte man schon sensibel sein im Umgang mit seinen Daten. Jeder Einzelne muss zusehen, dass er nicht zu viel hinterlässt. Also ich poste nicht mein ganzes Leben auf Facebook. Und ich zahle auch immer noch lieber mit Bargeld als mit Karte.

Sind Sie da ganz konsequent, nutzen Sie auch noch Papierüberweisungsträger und heben am Schalter Geld ab?

Nein, wir wollen alle was von der Effizienz haben, die uns die heutigen technischen Möglichkeiten bietet. Ich nutze durchaus Online-Banking und Karten, aber eben nicht für jede Kleinigkeit.

Bewundern Sie es manchmal insgeheim, wenn jemand wichtige Dinge hackt, zum Beispiel auch die Seite von Sachsen-Anhalt?

Ach, für solche Sachen gibt es genügend veröffentlichte Anleitungen, die man auch bei Google findet. So schwierig ist das nicht. Für mich sind solche Einbrüche in eine Seite eher ein Zeichen dafür, dass dort nicht genug auf die Sicherheit geachtet wurde.

Ist es denn möglich, sich so zu schützen, dass alle Wege sicher sind?

Gerade der Datenaustausch mit Banken zum Beispiel ist speziell geschützt. Die Verbindungen zwischen Browser und Server, E-Mails und Telefonverbindungen sind verschlüsselt, daher kann man sie nicht einfach mitlesen. Und Netzwerke, die privaten genau wie die großen Firmennetzwerke, fordern Zugangspasswörter. Das wird auch alles immer sicherer. Aber wie gesagt, mit einigem Aufwand lässt sich vieles knacken. Für einen richtigen Schutz müssen einfach geeignete Gesetze her.

Aber würden die sich umsetzen lassen?

Ich sehe es so: Früher wurden Nachrichten durch einen Boten überbracht, heute benutzen wir die Post. Ein Briefkuvert zu öffnen, ist sehr einfach. Aber durch das Verbot, die Post anderer zu lesen, kann man guten Gewissens einen Brief verschicken. Für die elektronische Kommunikation sollte es analoge Gesetze geben. Denn wenn wir kein Vertrauen in die Technik haben, können wir nicht so mobil sein.

Wäre es denn technisch so leicht möglich, Hacker zu finden?

Möglich schon, aber nicht leicht. Einen Posträuber zu finden ist auch eine Herausforderung.

Gespräch: Ines Eifler