merken
PLUS Radebeul

„Es sollten sogar mehr Dampfer ins Elbland fahren“

In Dresden gibt es Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit der Weinstraßenlinie. Der Radebeuler Gerald Helmert hat über Jahre Fakten zu dieser Linie gesammelt.

Der Dampfer der Dresdner Flotte, der zumeist auf der Weinstraßenlinie ins Elbland fährt, heißt zwar „Diesbar“, aber bis dorthin fährt er nicht.
Der Dampfer der Dresdner Flotte, der zumeist auf der Weinstraßenlinie ins Elbland fährt, heißt zwar „Diesbar“, aber bis dorthin fährt er nicht. © Archiv: Arvid Müller

Zusammengestellt von Peter Redlich

Elbland. In Dresden wurde darüber diskutiert, die Dampferlinie Richtung Radebeul und Meißen einzustellen. Die Auslastung wäre zu gering. Zuletzt gab es zwar ein vorsichtiges Dementi, aber völlig vom Tisch scheint es nicht zu sein. Der Radebeuler SZ-Leser Gerald Helmert hat Fakten und Argumente gesammelt, warum die Linie nicht nur nicht eingestellt, sondern erweitert werden sollte.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Helmert, der nahe der Radebeuler Dampferanlegestelle zu Hause ist, hat als Tischlermeister die Schautafel dort mit installiert und die Bepflanzung an der Treppe angelegt. Gerald Helmert: „Die jetzt laufende Insolvenz der Gesellschaft ist bedauerlich und nicht mehr zu ändern. Bringt aber auch die Möglichkeit, Gutes zu erkennen, alte Fehler jedoch zu vermeiden.“

Warum ist die Zahl der Passagiere auf der Weinstraßenlinie so niedrig?

„Die Zahl der Passagiere zählt zu den niedrigsten unter den Fahrtlinien“ ist in soweit sicherlich richtig, da nur ein Schiff fährt. Jedoch ist bei vernünftigem Wetter stets reger Betrieb am Anleger in Radebeul, wo durchschnittlich zwischen 20 bis 40 Erwachsene zusteigen. Schwankungen bei Gruppenfahrten oder extrem schlechten Wetter nicht berücksichtigt.

Leider gehört aber auch dazu, dass die Weinstraßenlinie wohl die unzuverlässigste Linie der Flotte ist. Schiffsausfall aus verschiedensten Gründen verärgert nun mal jeden Fahrgast, noch schlechter ist es dann, wenn es keine Information vor Ort gibt.

Inzwischen sind die Motorschiffe Typ-3 nicht mehr im Bestand der Flotte, jedoch waren diese ebenfalls in den vergangenen Jahren sehr häufig auf der Linie eingesetzt, kamen oft bereits ausverkauft an, und es konnten keine oder nur wenige Fahrgäste zusteigen. Auch war zu beobachten, dass oft Fahrgäste vom Anleger weggingen, wenn ein solches Schiff in Sicht kam. Zahlen zu den „Nichtfahrgästen“ gibt es nicht, dies ist jedoch eine erhebliche Größenordnung in den letzten Jahren gewesen.

Weiterfahrt in Richtung Seußlitz fördert die touristische Erschließung

Die „Überlegung Richtung Seußlitz“. Hier ist kein wirklicher Grund erkennbar, warum die Linie in Meißen endet. War in Seußlitz lange Zeit nach dem Hochwasser kein Anlegen möglich, da hier die landseitige Anlage schwere Schäden genommen hatte, ist inzwischen dies behoben und ordentlich hergerichtet. Wie viel Geld geflossen ist? Auch hier waren in den letzten Jahren deutlich mehr Fahrgäste an Bord, sicherlich auch ein Verdienst des rührigen Fahrscheinverkäufers in Meißen.

Im Sinne der besseren touristischen Erschließung ist entlang der Fahrtstrecke eine solche Kundenbetreuung auch in heutiger Zeit wichtig, schließlich ist das Verkaufen eines Billetts nur eine kleine Aufgabe. Fragen zu Anbindungen an andere Verkehrsträger, Hinweise zu Sehenswürdigkeiten, Öffnungszeiten und so manche andere Info gehen leider verloren.

Absolut unverständlich bleibt jedoch, dass nachdem der Anleger in Diesbar ebenfalls neu hergerichtet wurde, diese Station nicht mehr bedient wurde. Die Laufsteglänge soll da wohl ein Aufhänger sein. Können da nicht das Wasserstraßenamt und die Flotte eine Lösung bringen?

 Hier ist Geldverschwendung und Fahrgastverärgerung in „bester Qualität“ zu finden. Durch die derzeit nur kurze Liegezeit in Meißen von einer Stunde ist für Besucher der Stadt keine Dampferrückfahrt möglich, somit fehlen diese Fahrgäste auf der Nachmittagsfahrt zurück nach Dresden.

Zu wenige Passagiere, weil die Vermarktung fehlte

Nur „40 Passagiere zusammengezählt auf Hin- und Rückfahrt“ - diese Zahl ist sicherlich fast an jedem Tag ganz locker geschafft, allein durch den Zustieg in Radebeul bzw. wenn das Schiff aus Dresden kommt. Extremes Schlechtwetter gibt es leider auch, da kann es mal weniger sein. Aber die Auslastung ist höher und sicher wirtschaftlich in Ordnung. Nicht ohne Grund wurden Versuche unternommen, ein zweites Angebot anzubieten.

Aus meiner Sicht waren es durchaus gute Ansätze, vor allem die Fahrt Nachmittag ab Dresden nach Meißen und zurück. Aber auch das Gegenschiff früh ab Meißen bis Pillnitz und zurück nach Meißen hatte seine berechtigte Chance. Wenngleich in der Tat hier die Auslastung geringer war, aber es war eine Chance.

Es ergaben sich bessere Verbindungen, Anschlüsse und Rückfahrmöglichkeiten gerade für Tagesausflügler. Es fehlte hier ganz besonders eine gute Vermarktung des Produktes, die geschilderte Unzuverlässigkeit durch Schiffsausfall war extrem, und die Zeit sich wirklich einzulaufen (mindestens drei Jahre) war nicht gegeben.

Anzumerken ist der Wegfall vieler Bustouristen, welche noch vor Jahren gerade auf der Weinstraße zu einer guten Auslastung beigetragen haben. Die örtlichen Tourismusverantwortlichen, das Bereitstellen von Parkplätzen, etwa für Busse in Radebeul, aber auch das „Miteinander“ der verschiedenen Träger, Anbieter, Firmen ist neu zu überdenken.

Das Extra-Angebot der Pendelfahrt zu den Festen als Flottenwerbung

Noch nicht erwähnt, aber ebenfalls wichtig sind Feste. Es gab zu den jährlichen Weinfesten in Meißen und Radebeul ein extra Angebot eines Pendelschiffes. Hier gilt noch mehr, dass dies auch eine echte Werbung für die Flotte ist, kommen doch Besucher aus dem ganzen Land. Warum wird dieser Werbeeffekt nicht beibehalten?

Als positives Beispiel gilt das Whisky-Festival, wo ebenso ein Sonderdampfer im Angebot ist. Hier ist die private Initiative des Veranstalters ausdrücklich hervorzuheben. Lokale Veranstaltungen sind entlang der Elbe auf jeden Fall ein ganz wichtiger Werbe-und Verkaufsträger.

Das Fazit: Was alles für das Beleben der Weinstraßenlinie getan werden kann

Meine Zusammenfassung ist deshalb folgende: Die Weinstraßenlinie ist mit Sicherheit nicht unwirtschaftlich, sollte zumindest bis Seußlitz bedient werden, eine Vor-Ort-Betreuung der Fahrgäste an den Anlegern ist angebracht. Ein zuverlässiges Angebot, worauf sich jeder verlassen kann, sollte Grundvoraussetzung sein, im Falle eines Ausfalles einer Fahrt ist eine Information nötig.

Es sollte von allen Anliegergemeinden deutlich Bezug zur Flotte genommen werden, in Werbung, und auch in Fahrgastbindung jeglicher Art. Vielleicht helfen auch Schiffspatenschaften, Kostenübernahme für Anleger und angepasste Gesetzesreglungen für die Elbeschifffahrt, welche nicht mit dem Rhein in Verbindung stehen.

Überlegungen zu einem erweiterten Angebot von eventuellen Anlegern - etwa am Schloss Übigau - sollten durch den Freistaat mitgetragen werden, eine sinnvolle Ergänzung eines zweiten Schiffes in der Hauptsaison ist durchaus möglich.

Weiterführende Artikel

Heimatmaler hilft Dampferflotte

Heimatmaler hilft Dampferflotte

Der Weinböhlaer Hans Obenaus spendet ein Bild, um den Erhalt der Dresdner Schiffe zu unterstützen. Das Aquarell soll jetzt versteigert werden.

Es sollten zwingend alle Anliegergemeinden, die Flotte selber, aber auch der Freistaat gemeinsam dieses wertvolle touristische Kleinod mittragen, bewerben und für einen Erhalt Sorge tragen.

www.saechsische-dampfschiffahrt.de

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul