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Es steht ein Prinz im Walde

Sein Ururgroßvater riet den Sachsen, doch ihren „Dreck alleene“ zu machen. Heute hat der junge Wettiner-Prinz Daniel (28) wieder viel am Hut mit dem Freistaat. Im Januar kommt er nach Tharandt zum Studium. Er will Forstwirt werden. Die SZ sprach mit ihm über seine Zukunftspläne.

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Herr von Sachsen – ist diese Anrede eigentlich korrekt?

Das ist zwar unförmlich aber für den Alltag in Ordnung. Die meisten sagen allerdings Prinz Daniel.

...und offiziell?

...seine Königliche Hoheit.

Wohnen Sie eigentlich in einem Schloss?

Nein. Ich wohne zwar in Moritzburg, aber nicht im Schloss. Abgesehen davon, dass es enteignet ist, würde ich dort auch nicht wohnen wollen. Ich habe mir eine Wohnung nahe beim Schloss gemietet.

Sie sind erst im Dezember 2002 nach Sachsen gekommen. Womit haben Sie sich denn so in den letzten Jahren beschäftigt?

Eine Zeit lang habe ich Betriebswirtschaft in Aachen studiert. Nach dem Vordiplom habe ich aber aufgehört und dann verstärkt für unsere Familie gearbeitet. Jetzt mache ich gerade mein Praktikum in der Wettinischen Forstverwaltung in Berbisdorf bei Moritzburg. Das ist ein Betrieb meines Vaters.

Sie wollen in Tharandt studieren. Warum gerade Forstwissenschaft an dieser Lehranstalt?

Zum einen natürlich, weil wir als Wettiner wieder in Sachsen heimisch werden möchten. Zum anderen wollen wir so viel wie möglich Alteigentum an Wald zurückerwerben. Ich selbst hatte eigentlich schon immer eine Vorliebe für Holz, hab’ schon als Kind Holzfiguren gebaut. Bei meinem ersten Studium habe ich nicht auf meine innere Stimme gehört, sondern darauf, was die Außenwelt von mir erwartete. Aber Studium und Beruf müssen Freude machen. Ich kann nicht überzeugt arbeiten, wenn ich nicht an das glaube, was ich mache.

Sie haben sich wahrscheinlich schon mal in Tharandt umgeschaut. Welchen Eindruck hatten Sie von der Stadt?

Gemütlich. Bis auf die großen Lkws, die da immer durchbrettern. Die passen überhaupt nicht ins Bild. Ansonsten wirkt die Stadt noch relativ östlich, hat ein ganz anderes Flair als Dresden oder Moritzburg. Aber die Landschaft hat mir sehr gut gefallen, besonders die Burgruine.

Es gibt ja sicher auch bei Ihren zukünftigen Kommilitonen ein gewisses Cliché des Adligen – viel Geld, teure Autos, immer Party und so weiter. Trifft das auf Sie zu?

Nein, nicht wirklich. Vielleicht bin ich kein normaler Student, aber ich werde mir Mühe geben. Dafür sind meine gesellschaftlichen Verpflichtungen ziemlich zahlreich. Ich muss Pressetermine wahrnehmen, Kontakte pflegen, die Kultur kennen lernen und so weiter. Die Erwartungen von außen sind schon relativ hoch.

Glauben Sie, dass Ihre adlige Abkunft die Beziehungen zu Ihren Mitstudenten irgendwie beeinflussen wird?

Glaube ich nicht. Jedenfalls nicht von meiner Seite. Sicher, wie man gesehen wird, so wird man auch behandelt. Aber ich werde mich gewiss nicht in ein besonderes Licht rücken. Ich versuche sowieso, möglichst unauffällig zu sein, das hat aus meiner Sicht nur Vorteile. Wer sich in den Mittelpunkt stellt, hat oft Neider oder wird kritisiert. Ich möchte durch meine Person überzeugen und nicht durch eine Vorstellung über meine Person.

Dennoch wird ja in adligen Kreisen immer etwas mehr auf die Etikette geachtet. Inwieweit wollen Sie das auch in Tharandt tun?

Also an der Universität überhaupt nicht. Ich möchte mein Studentendasein etwas trennen von meinem Leben als Mitglied des Hauses Wettin.

Heißt dass, man darf Sie dann unter Studenten duzen?

Selbstverständlich, da gibt es gar keine Frage. Hier im Praktikum duze ich mich ja auch mit den Mitarbeitern.

Welche Pläne haben Sie für Ihr Studium?

Ich möchte auf jeden Fall zügig fertig werden. Dafür werde ich wohl meine Verpflichtungen etwas einschränken müssen. Auf das Studium freue ich mich aber. Es scheint nicht so anonym zu sein, wie in Aachen, wo es ungeheuer viele Studenten gab. Diese Übersichtlichkeit gefällt mir sehr sehr gut. Ich kenne auch schon einige von den Professoren.

Tharandt klagt immer darüber, dass sich die Studenten nach Vorlesungsschluss aus dem Staub machen. Wie wird das mit Ihnen sein?

Das muss der Alltag zeigen. Erstmal habe ich vor zu pendeln. Mein Wohnsitz ist ja in Moritzburg, und ich bin dort sehr zufrieden. Außerdem werde ich wohl weiter im Forstbetrieb mitarbeiten müssen. Mal sehen. Wenn die Fahrerei zu viel wird, nehme ich mir vielleicht noch ein Zimmerchen in Tharandt.

Was machen Sie in ihrer Freizeit, falls sie welche haben?

Die ist tatsächlich knapp. Seit meiner Ankunft hier arbeite ich an der Etablierung unseres Hauses, kümmere mich viel um die Öffentlichkeitsarbeit. Ansonsten interessiere ich mich sehr für Kultur und Kunst, bin zum Beispiel Mitglied im Freundeskreis des Kupferstichkabinetts und des Studienkreises für sächsische Geschichte. Zurzeit bereite ich gerade eine Ausstellung auf Schloss Moritzburg vor. Für die Jägerei habe ich auch viel übrig. Da versuche ich jetzt, einen Jagdclub aufzubauen. Außerdem habe ich eine Schwäche für die neuen Medien und für alles, was mit Computern und Internet zu tun hat. Während der letzten eineinhalb Jahre habe ich am Internetauftritt des Hauses Wettin gearbeitet.

Nun war ja vierzig Jahre lang von den Wettinern hierzulande nichts zu hören. Spüren Sie jetzt Berührungsängste?

Die Ängste und der Groll sind das Problem der älteren Generation, auch in unserer Familie. Die Biografien der Menschen hier respektiere ich und für ihre Unsicherheit habe ich vollstes Verständnis. Wir Jungen können die Geschichte als Vergangenes begreifen und die Tradition unter modernen Vorzeichen verarbeiten. Sachsen hat ein großes Erbe, auf das wir alle gemeinsam stolz sein können. Außerdem bietet der Osten Deutschlands meiner Ansicht nach viel mehr Möglichkeiten für Neues als der Westteil, wo alles schon so eingefahren ist.

Gespräch: Jörg Stock