merken
PLUS

„Es war einfach mal ein Versuch“

Bundestrainer Joachim Löw verteidigt das 2:2 im Test gegen Kamerun und verspricht für die WM eine viel bessere Leistung.

© dpa

Herr Löw, Sie haben Shkodran Mustafi, Marcel Schmelzer und Kevin Volland aus dem Kader für die WM gestrichen. Stattdessen sind die Neulinge Matthias Ginter, Christoph Kramer und Erik Durm dabei. Was hat den Ausschlag für Ihre Entscheidung gegeben?

Wir haben die richtige Mischung aus vielen jungen und hochbegabten Fußballern und Spielern mit viel Turniererfahrung, die wissen, worauf es ankommt. Unser Kader ist ausgewogen, jede Position ist doppelt besetzt. Unsere Spieler haben Charakter, die Mannschaft hat Charakter. Mit diesem Kader fliegen wir selbstbewusst nach Brasilien, wir haben dort große Ziele.

Anzeige
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!

Kondition, Koordination und Konzentration: die unvergessliche Weihnachtsfeier mit der Sie und Ihre Kollegen ins Schwarze treffen.

Wie haben die Aussortierten reagiert?

Natürlich sind Shkodran, Marcel und Kevin nun sehr enttäuscht. Ich verstehe das, auch sie hatten berechtigte Hoffnungen, in Brasilien dabei zu sein. Alle drei sind Spieler, die in ihren Karrieren noch die Möglichkeit haben, einige große Turniere zu spielen.

Wie beurteilen Sie mit etwas Abstand das 2:2 gegen Kamerun?

Das war ein sehr, sehr guter Test für uns. Kamerun war körperlich sehr präsent, sehr zweikampfstark. Woran wir arbeiten müssen, ist die Chancenverwertung. Außerdem haben wir im Laufe des Spiels zu viele Bälle verloren.

Neben Philipp Lahm, Manuel Neuer und Bastian Schweinsteiger kam auch Miroslav Klose nicht zum Einsatz. Lag es bei ihm auch an der Fitness?

Er ist nach dem intensiven Programm in den vergangenen Tagen und den Zusatzeinheiten in ein körperliches Loch gefallen. Von daher war mir das Risiko zu groß. Er hat gesagt, er brauche noch ein paar Trainingseinheiten, um richtig fit zu werden.

Auch Sami Khedira schien noch nicht wirklich wettkampffest. Welchen Eindruck hatten Sie?

Dass ihm zum jetzigen Zeitpunkt die Frische und Leichtigkeit fehlen, ist klar. Er wird die letzten zwei Wochen intensiv nutzen, dann wird er um einiges besser sein.

Ist Mesut Özil nach seiner schwachen Leistung ebenfalls ein Sorgenkind?

Mesut hatte nicht seinen besten Tag, keine Frage. Ihm sind Fehler unterlaufen, die er normalerweise nicht macht. Man hat gemerkt, dass die Spritzigkeit bei ihm nicht ganz vorhanden ist. Aber auch das werden wir hinbekommen.

Jerome Boateng als rechter Verteidiger, Per Mertesacker und Mats Hummels in der zentralen Abwehr – ist das schon die WM-Lösung?

Es war einfach mal ein Versuch und ein Test. Jerome Boateng haben wir auch in der Vergangenheit schon mal auf der rechten Außenverteidigerposition gehabt. Alle drei Innenverteidiger waren in dieser Saison und auch in Südtirol in guter Verfassung. Ob es die endgültige Lösung sein wird, muss man sehen. Es kommt ja auch Philipp Lahm dazu.

Sie haben Lahm schon mehrmals für die linke Seite ausgeschlossen, warum eigentlich?

Dass ich Philipp Lahm für links ausschließe, ist definitiv. Es kann nicht sein, dass er alle zwei Jahre bei einem Turnier von einem Tag auf den anderen von der einen Seite auf die andere wechselt. Er spielt entweder im defensiven Mittelfeld oder rechts.

Ist die falsche Neun nach dem erneut gescheiterten Experiment mit Mittelfeldspieler Mario Götze als Stürmer noch ein Thema für die WM?

Mario kann das auf jeden Fall spielen. Das hat er bei uns und bei den Bayern gezeigt. Für mich ist das nach wie vor eine Variante, die durchaus denkbar ist.

Die Stimmung scheint nach dem Remis gegen Kamerun etwas getrübt. Sind Sie jetzt weniger optimistisch?

Nein. Ich weiß, dass es nach der Saison und der Vorbereitung, in der wir umfangreich gearbeitet haben, logisch ist, dass bei den Spielern in manchen Bereichen die körperliche Frische fehlt und die Beine ein bisschen schwer sind. Ich weiß, dass wir schon manche Dinge besser machen können. Aber ich bin absolut überzeugt und optimistisch, dass wir in zwei Wochen in einer besseren Verfassung sind.

Notiert von sid, dpa.