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"Es war schon ein bissel komisch"

Die Meißner Motorsportler veranstalteten Deutschlands erstes Geisterrennen unter Corona-Bedingungen. Daraus entstand danach eine spontane Idee.

Geisterrennen im Speedway in Meißen: Vor leeren Tribünen gewann Lokalmatador Ronny Weis (vorn) vor seinem Teamkollegen Richard Geyer. Wegen Corona mussten Zuschauer daheim bleiben.
Geisterrennen im Speedway in Meißen: Vor leeren Tribünen gewann Lokalmatador Ronny Weis (vorn) vor seinem Teamkollegen Richard Geyer. Wegen Corona mussten Zuschauer daheim bleiben. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das Motorengedröhn war weithin zu vernehmen, sagen Passanten. Auch Staubwolken sollen vereinzelt zu sehen gewesen sein. Was sich indes hinter den Traversen der Zschendorfer Speedwaybahn am Sonnabend abgespielt hat, entzog sich der Öffentlichkeit weitgehend. Denn: Das Meißner Stelldichein der Speedwaypiloten fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Lediglich die Fahrer, ihre Techniker und Betreuer sowie Dutzende Fotojournalisten säumten das Oval. Alles unter strengsten Hygiene- und Abstandsregeln - so wie es Corona nun einmal derzeit fordert.

"Es war schon ein bissel komisch", beschreibt Ronny Weis das Gefühl aus Sicht der Rennfahrer. Nach vielen Wochen absoluter Zwangspause fuhr der Lokalmatador vom Motorsportclub Meißen zwar endlich wieder einmal ein "richtiges" Rennen und gewann am Ende auch in der Königsklasse vor Teamkollege Richard Geyer. 

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Doch das Flair des Geisterrennens war eben anders als normal. Die einzuhaltende Abstandsregel machte es erforderlich, dass das Fahrerlager diesmal sehr weitläufig gestaltet wurde. Ungewohnt die Fahrervorstellung, "bei der der Schiedsrichter beinahe schreien musste", um alle zu erreichen, so Ronny Weis. Weil die Umkleidemöglichkeiten nicht genutzt werden durften, musste man sich im Auto umziehen. Und, und, und. Und das im Ziel kein Zuschauer jubelte - "das ist gewöhnungsbedürftig", so Ronny Weis.

Doch viel wichtiger sei das Gefühl gewesen: "Es geht wieder los." Die Grundidee war ja, insbesondere den Fahrern in den Kinderklassen endlich wieder Rennen zu ermöglichen. "Die waren heiß ohne Ende", hat Ronny Weis ausgemacht. Viele hätten sich seit dem letzten Rennen im Oktober 2019 nicht mehr gesehen. Umso größer war die Wiedersehensfreude am Sonnabend in Meißen.

Innerhalb eines Monats haben die Meißner Motorsportler das Event buchstäblich aus dem Boden gestampft. "Es war sehr viel Arbeit - von den Behördengängen bis hin zur Herrichtung der Bahn", sagt Ronny Weis. Doch der MC sei ein gut eingespieltes Team, sämtliche Mitglieder und viele Helfer brachten sich ein. Dafür gab es von den Teilnehmern viel Lob - und eine spontane Idee. 

Weil in Bayern noch immer jeglicher Motorsport undenkbar ist, fragten die dortigen Speedway-Fahrer bei den Meißnern am Sonnabend nach, ob denn vielleicht ein Training in dieser Woche in Zaschendorf denkbar ist. Die Meißner stimmten zu, besorgten für einige Auswärtige sogar noch Unterbringungsmöglichkeiten auf dem Campingplatz in Oberau. Andere kommen am Mittwoch extra nochmals in die Domstadt. Kurzfristig wird ein zweitägiges Trainingslager organisiert.

Schon geht der Blick von Ronny Weis in die Zukunft. Denn das Meißner Team startet in dieser Saison in der Tschechischen Liga. Zwar sind auch diese Rennen erst einmal nach hinten verschoben worden. Doch in Tschechien dürfen nach jetziger Lage ab 1. Juli wieder Sportwettkämpfe im Freien mit maximal 500 Zuschauern stattfinden. Auf eine ähnliche Regelung hofft Ronny Weis für das in Meißen geplante Liga-Rennen. Einen Termin dafür gibt es allerdings noch nicht, denkbar ist Ende Juli oder Anfang August. Ein solch hochkarätiges Event ohne Publikum schließt Ronny Weis allerdings aus. Ein weiteres "Geisterrennen" wie das am Sonnabend allerdings nicht. "Für die Kinder würden wir das nochmal machen", sagt er. Und hofft, dass das in dieser Form nicht nötig ist.

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