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Unfallflucht ist keine Bagatelle

Weil er den Schaden am anderen Auto falsch einschätzte, stand gestern ein Freitaler vor Gericht.

Von Yvonne Popp

Johannes W. versuchte eisern die Haltung zu wahren, als er auf der Anklagebank des Dippoldiswalder Amtsgerichtes Platz nahm. So ganz konnte er seine Unsicherheit aber nicht verbergen. Immerhin wurde ihm unerlaubtes Entfernen vom Unfallort zur Last gelegt, kurz: Unfallflucht.

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Im mündlichen Hauptverfahren gestern stellte die Staatsanwaltschaft die Sachlage wie folgt dar: Im Oktober vergangenen Jahres fuhr Johannes W. rückwärts mit seinem Pkw aus einer Einfahrt in Freital und kollidierte dabei mit einem Auto, welches auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgestellt war. Obwohl er den Schaden am anderen Auto bemerkt haben musste, soll sich der Rentner unerlaubt vom Unfallort entfernt haben. Der Schaden am parkenden Auto war mit 3 660 Euro beträchtlich.

Dem hatte der Anwalt des Beklagten wenig entgegenzusetzen. Lediglich dem Vorwurf des unerlaubten Entfernens vom Unfallort widersprach er vehement. Sein Mandant sei unmittelbar nach der Kollision aus seinem Wagen gestiegen und hätte sich ein Bild vom entstandenen Schaden am gegnerischen Pkw gemacht. Daraufhin habe sein Mandant bei mehreren Anwohnern der Straße geklingelt, um festzustellen, wer der Eigentümer des geparkten Autos ist. Nachdem niemand eine Auskunft darüber geben konnte, habe sich Johannes W. entschlossen, einen Zettel mit seinen Kontaktdaten am beschädigten Auto zu hinterlassen. Da es am Unfalltag regnete, verpackte er diesen Zettel sogar.

Erst danach, so führte der Verteidiger weiter aus, habe sich sein Mandant vom Unfallort entfern, um eine Kulturveranstaltung zu besuchen. Hinterher sei er aber zum Ort des Geschehens zurückgekehrt und habe die Polizei gerufen. Ebenso habe er umgehend seine Haftpflichtversicherung informiert. Von einer Unfallflucht in diesem Sinne könne also keine Rede sein. Der Verteidiger verwies zudem auf die geringe Rente sowie das große ehrenamtliche Engagement seines Mandanten. Er beantragte, eine zuvor verhängte Strafe von fünfzig Tagessätzen auf vierzig Tagessätze á 20 Euro zu reduzieren.

Der Vorsitzende Richter blieb dennoch hart. Er senkte zwar das Strafmaß von fünfzig auf vierzig Tagessätze. Jedoch wurde die Höhe eines Tagessatzes auf 37 Euro statt der beantragten 20 Euro festgelegt.

Begründet wurde das Urteil wie folgt: Johannes W. hätte erkennen müssen, dass der Schaden am gegnerischen Auto über der Bagatellgrenze von 1 300 Euro lag. Er hätte die Polizei unmittelbar verständigen müssen. Die einzige geladene Zeugin konnte schon kurz nach Eröffnung des Verfahrens das Amtsgericht wieder verlassen. Ihre Aussage wurde nicht mehr benötigt, denn der Beklagte hatte seine Tat zu Beginn sofort zugegeben und sich entschuldigt. Johannes W. akzeptierte das Urteil. Seinen Führerschein kann er behalten.