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"Es wird keine Kündigungen geben"

Geschäftsführer Michael Born erklärt, wie Dynamo Dresden die 3. Liga plant, warum trotz Abstieg ein Gewinn rausspringt und wieso die Stadionmiete sinkt.

Seit vier Jahren kümmert sich Michael Born ums Finanzielle bei Dynamo und steht jetzt vor Herausforderungen.
Seit vier Jahren kümmert sich Michael Born ums Finanzielle bei Dynamo und steht jetzt vor Herausforderungen. © dpa/Robert Michael

Die Planungen für die 3. Liga laufen. Dabei ist noch nicht endgültig entschieden, ob Dynamo wirklich absteigt. Noch lässt der Verein prüfen, ob eine Klage Chancen auf Erfolg hätte. In dieser Woche soll das Gutachten des Rechtsbeistandes vorliegen. „Dann werden wir über die weitere Vorgehensweise entscheiden“, erklärt der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born im SZ-Gespräch.

Wahrscheinlich ist jedoch, dass alles so bleibt und der Verein künftig mit deutlich weniger Geld auskommen muss. Doch mit welchen Summen plant er die 3. Liga? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Wie hoch wird Dynamos Etat nach dem Abstieg sein?

Das lässt sich derzeit nicht seriös beantworten. Die Mitte März eingereichten Lizenzunterlagen für die neue Saison können eigentlich in den Papierkorb wandern. Eine Etatplanung mit Corona ist eine komplett andere als ohne Corona. Noch ist völlig unklar, ob oder wann wie viele Zuschauer in die Stadien dürfen. Das Gesundheitsamt Leipzig hat zwar ein Konzept von RB mit einer zur Hälfte gefüllten Arena durchgewunken, doch noch muss die Bundes- und Landespolitik zustimmen. „Es gibt da weiter einige offene Fragen, zum Beispiel bei den Stehplätzen. Die sind für uns sehr wichtig“, sagt Born.

Im Rudolf-Harbig-Stadion ist ein Drittel der gut 32.000 Plätze nicht bestuhlt. Dürfte in diese Bereiche niemand rein, würde die maximale Kapazität mit Mindestabständen bei 10.000 liegen. „Wir müssen ausrechnen, ab welcher Zahl es sich wirtschaftlich lohnt und ob die Hygienevorschriften durchsetzbar sind“, erklärt er.

Von der Öffnung der Stadien ist auch abhängig, ob Sponsoren die komplette Summe überweisen. In die Etatplanung fallen ebenso mögliche Transfererlöse. „Wir fahren derzeit ein bisschen auf Sicht“, beschreibt Born die Situation, „und haben eine Art Grundbudget, das im Vergleich zu den anderen Drittligisten sicher recht solide ist.“ Vergangene Saison hatte Dynamo einen Etat von rund 35 Millionen Euro.

Auf welche Gelder muss der Verein auf jeden Fall verzichten?

Die größten Einschnitte gibt es bei den Zuwendungen aus den Fernsehrechten – sie sinken von neun auf gut eine Million Euro. Das ist der Kurzzeiteffekt. In die TV-Tabelle fließt eine Fünfjahreswertung ein. Zuletzt kamen die Schwarz-Gelben auf den Plätzen 14, 12 und 18 ein. „Für eine Drittliga-Saison gibt es gar keinen Punkt. Der Abstieg wirkt sich also auf Jahre aus“, verdeutlicht Born. Auch bei den Sponsorenverträgen richtet sich die Höhe der Zuwendungen nach der Spielklasse. Der Hauptsponsor All-inkl.com bleibt. „Wir führen zudem gerade gute Gespräche über 2021 hinaus“, erklärt der Geschäftsführer.

Wird Dynamo die Zahl der Mitarbeiter reduzieren?

Nein – und das ist ein Unterschied zu den Abstiegen in der Vergangenheit. Da traf es vor allem Angestellte in der Geschäftsstelle, teilweise auch im Nachwuchszentrum. Der Verein beschäftigt derzeit rund 80 Festangestellte, darunter fallen auch Spieler und Trainer. „Wir haben schon vor geraumer Zeit geregelt, dass es keine Kündigungen geben wird. Die Aufgaben sind auch eine Klasse tiefer nicht weniger“, sagt Born. Bei Neubesetzungen von Stellen könne es jedoch sein, dass sich etwas mehr Zeit genommen wird als vorher.

Profitiert Dynamo wirtschaftlich von dem sportlichen Misserfolg?

Auf jeden Fall, selbst wenn das zunächst unlogisch erscheint. Der Verein sparte sich zuletzt die Nichtabstiegs- sowie viele Sieg- und Punktprämien. Und er bekommt auf jeden Fall eine siebenstellige Summe aus Rettungsschirmen. 600.000 Euro fließen aus einem Solidaritätsfonds, in den alle Zweitligisten einzahlen und der an die Absteiger ausgezahlt wird. „500.000 Euro kommen aus einem Nachwuchs-Fördertopf“, erklärt der 52-Jährige.

Vergangene Woche verabschiedete die Bundesregierung zudem ein Hilfspaket für Mannschaftssportarten – auch für Fußball-Drittligisten. Im Zeitraum von April bis Dezember dieses Jahres sollen 80 Prozent der eingebüßten Zuschauereinnahmen erstattet werden, maximal 800.000 Euro. „Ich kenne die Bedingungen noch nicht, deshalb kann ich nicht sagen, ob das auch auf uns zutrifft. Das werden wir natürlich prüfen“, so Born. 

In der vergangenen Saison hatten die vier Champions-League-Teilnehmer Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen auch einen Teil ihrer TV-Erlöse gespendet, davon bekam jeder Drittligist 300.000 Euro. „Ich habe nicht gehört, dass dies noch mal geplant ist“, meint der Geschäftsführer.

Die garantierten 1,1 Millionen Euro aus Solidaritätsfonds und Nachwuchstopf werden der gerade abgelaufenen Saison zugeschrieben, die Dynamo auch deshalb mit „einem finanziell positiven Ergebnis“ abschließen wird, so Born. Die Zuwendungen müssen also versteuert werden. „Es wäre aus bilanzieller Sicht besser gewesen, wenn wir sie erst 2020/21 bekommen würden.“ Dann droht ein Minusgeschäft.

Wie viele Dauerkarten-Besitzer wollten jetzt ihr Geld zurück?

Stichtag für die Rückgabeforderungen aufgrund der Geisterspiele war der 30. Juni. „Bisher haben wir 400.000 Euro zurückgezahlt, mehr als 375.000 Euro wurden uns gespendet“, sagt Born, der dieses Verhältnis unter „sehr erfreulich“ einordnet. Man dürfe nicht vergessen, dass viele Fans selbst finanziell unter den Folgen der Pandemie zu leiden hätten.

Wie haben die Sponsoren auf die Geisterspiele reagiert?

In den Verträgen sind nicht nur Summen fixiert, sondern auch bestimmte Leistungen wie VIP-Betreuung bei den Spielen oder Werbespots auf den Stadion-Videowänden. Bei Geisterspielen war dies nicht möglich, die Firmen hätten somit einen Teil ihrer Zuwendungen einbehalten können. 92 Prozent haben auf Kompensationen verzichtet, so Born. „Von allen 15 Vereinen der 1. und 2. Liga, die Sportfive betreut, ist das die höchste Quote. Das hat uns sehr geholfen, schließlich ging es da um einen siebenstelligen Betrag.“

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Wie verändert sich die Stadionmiete in der 3. Liga?

Seit Jahren kämpft der Verein gegen die aus seiner Sicht zu hohe Miete und um eine gerechtere Lösung. Nach dem Abstieg sinken die Beträge auf jeden Fall, um wie viel genau, lässt sich ebenfalls nicht sagen, da sie abhängig vom Umsatz sind. Mehr Zuschauer sorgen auch für mehr Umsatz. „Die Grundmiete sinkt von 40.000 auf 25.000 Euro pro Spiel“, erklärt Born.

Wie viel Geld muss Dynamo für den Wiederaufstieg investieren?

Das Festgeldkonto soll auf jeden Fall nicht leer geräumt werden. Das ist mit gut zehn Millionen Euro so prall gefüllt wie noch nie seit 1990. „Wir werden jetzt – gerade auch wegen Corona – Eigenkapital einsetzen müssen, um wieder in die 2. Liga zu kommen“, erklärt Born. Es geht also ans Ersparte. „Wir gehen aber nicht All In. Es wäre unseriös, das, was wir uns über Jahre aufgebaut haben, auf einmal auszugeben.“ Doch der Verein sei in der Lage zu reagieren.

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