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Radebeul

„Es wird oft drum herum geredet“

In Radebeul wollen Jugendliche Politikern auf den Zahn fühlen. Schlechter Internetempfang ist nur eines von vielen Themen, das die jungen Leute bewegt.

Paul Zapf, Saskia Dürr, Svenja Dürr und Monique Walter engagieren sich in ihrer Freizeit beim Jugendforum. Am Freitag veranstalten sie eine große Wahlparty im Weißen Haus, bei der junge Leute ihre Fragen an Kandidaten für die Landtagswahl stellen können.
Paul Zapf, Saskia Dürr, Svenja Dürr und Monique Walter engagieren sich in ihrer Freizeit beim Jugendforum. Am Freitag veranstalten sie eine große Wahlparty im Weißen Haus, bei der junge Leute ihre Fragen an Kandidaten für die Landtagswahl stellen können. ©  Norbert Millauer

Radebeul. Der 1. September wird für Saskia Dürr ein besonderer Tag. Dann darf sie zum ersten Mal ihre Stimme bei einer Wahl abgeben. Während mancheiner, jung wie alt, wenig Interesse für die anstehende Landtagswahl zeigt, noch andere überhaupt nicht wählen gehen, fiebert die 18-Jährige dem Termin entgegen. „Für mich war es tragisch, noch nicht eher wählen zu dürfen“, sagt sie. 

„Am liebsten hätte ich schon mit 12 meine Stimme abgegeben.“ Paul Zapf, 14 Jahre alt, ist anderer Meinung. Wahlrecht ab 18 Jahren geht für ihn in Ordnung. Denn viele Jugendliche in seinem Alter, die Klassenkameraden zum Beispiel, interessierten sich noch nicht für Politik, sagt er. Dann sei es auch schwer, richtig einzuschätzen, wen man wählen soll.

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Bei Paul und Saskia ist das anders. Beide engagieren sich im Jugendforum im Landkreis Meißen. In diesem Zusammenschluss planen junge Leute Projekte für andere Jugendliche. Gerade organisiert das Jugendforum eine U18-Wahlparty, die am Freitag im Weißen Haus in Radebeul stattfindet. Dazu haben sie Kandidaten von CDU, FDP, Grünen, AfD, Linken und SPD eingeladen. 

Jugendliche aus dem ganzen Landkreis können kommen und die Politiker kennenlernen. Ein Runterspulen von Wahlprogrammen soll das aber nicht werden. Die Leute vom Jugendforum haben den Abend gut geplant. Da müssen die Politiker auch mal erzählen, welchen Traumberuf sie eigentlich mit 15 hatten und gegen die Jugendlichen im Eierlauf und im Allgemeinwissenstest antreten. Anschließend findet eine Diskussionsrunde statt, zu den Themen, die die Jugendlichen bewegen.

Davon gibt es genug. Zum Beispiel die Tatsache, dass vielerorts noch immer flächendeckendes Internet fehlt. „Das versteht kein Jugendlicher“, sagt Paul Zapf. „Es gibt auch hier im Landkreis noch so viele Ecken, wo man keinen Empfang hat“, pflichtet ihm Monique Walter, 24, bei. Von Politikern bekomme man aber sehr oft Standardantworten á la „Ja, das ist in Bearbeitung“ und „Wir machen das auf jeden Fall“. „Es wird zu oft drum herum geredet“, sagen die Jugendlichen.

Andererseits könne man auch nicht behaupten, dass sich Politiker gar nicht kümmern, findet Saskia Dürr. Es gebe auch viele junge Leute, die sich nicht interessierten und nicht über Politik reden wollten. Umso mehr hoffen sie und die anderen vom Jugendforum, dass möglichst viele am Freitag zur Wahlparty ins Weiße Haus kommen. 

„Das ist eine gute Chance, um Berührungsängste abzubauen und die Politiker kennenzulernen“, sagt Saskia Dürr. Wer von weiter weg kommt, kann kostenlos mit dem Shuttlebus fahren, außerdem gibt es für jeden Besucher ein freies Essen vom Grill und ein Gratisgetränk.

Unterstützt und begleitet wird das Jugendforum vom Kreisjugendring Meißen. „Unsere Jugendlichen sind nicht doof und nicht uninteressiert“, sagt Koordinatorin Petra Seipolt. Oft seien sie von der Fülle der Themen, die auf einen einprasseln aber überwältigt. „Das geht einem als Erwachsenen ja auch nicht anders.“ 

Die jungen Leute im Jugendforum arbeiteten mit einer erstaunlichen Energie und Zuverlässigkeit. 14 000 Euro stehen Ihnen im Jahr zur Verfügung, die sie an andere Jugendprojekte im Landkreis verteilen können. Gefördert wird das Projekt vom Bundesprogramm „Demokratie Leben“. Schön wäre, wenn sich noch mehr Jugendliche im Forum engagieren möchten, sagt Seipolt. 

Die Jugendlichen selbst wünschen sich auch eine bessere politische Bildung in der Schule. „Man wird zu wenig herangeführt“, findet Paul Zapf. „Das Thema Wahlen hatten wir im Unterricht mit 14. Da interessiert es aber noch keinen, wenn man eh erst vier Jahre später wählen darf“, sagt Saskia Dürr.

U18-Wahlparty am Freitag

Von 17 bis 22 Uhr im Weißen Haus, Kötzschenbrodaer Straße 60, Radebeul

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