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Es wird Verlierer geben

Wird Mittelherwigsdorf zum Vorreiter bei den Windparks im Landkreis? Noch halten sich Befürworter und Gegner in etwa die Waage.

Die vier derzeitigen Windkraftanlagen auf dem Schanzberg in Oberseifersdorf. Die drei neuen sollen drei Mal so hoch sein.
Die vier derzeitigen Windkraftanlagen auf dem Schanzberg in Oberseifersdorf. Die drei neuen sollen drei Mal so hoch sein. © Matthias Weber/photoweber.de

Klärungsbedarf gab und gibt es reichlich in Mittelherwigsdorf. Gemeinderat und Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein) wollen alles dafür tun, damit das Thema Windpark nicht die Gemeinde spaltet. "Es wird Verlierer und Gewinner geben", ist sich der Bürgermeister bewusst. Es ist das erste Mal in seiner achtjährigen Amtszeit gewesen, dass er im Vorfeld einer Gemeinderatssitzung von allen Fraktionen zu deren Beratungen eingeladen wurde, berichtete Markus Hallmann noch auf der Gemeinderatssitzung Ende Juni. 

Über eineinhalb Stunden wurde dort allein um einen Grundsatzbeschluss zum Ausweisen eines Windvorranggebietes am Schanzberg im Ortsteil Oberseifersdorf diskutiert. "Es wird am Ende die schwerste Entscheidung in meiner Amtszeit", sagt Markus Hallmann. Gefallen ist sie aber noch nicht. Das passiert erst im September.

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Die Visualisierung zeigt, wie sich die Landschaft verändert

So sieht der Blick heute von der Kreuzung Hartweg/Hinterer Weg auf den Windpark am Schanzberg in Oberseifersdorf aus. 
So sieht der Blick heute von der Kreuzung Hartweg/Hinterer Weg auf den Windpark am Schanzberg in Oberseifersdorf aus.  © Gemeinde
So würde er von dort aus mit den höheren Anlagen aussehen.
So würde er von dort aus mit den höheren Anlagen aussehen. © Visualisierung: IBK Dresden
So sieht der Blick heute von der Verbindungsstraße Mittelherwigsdorf nach Oberseifersdorf auf den Windpark am Schanzberg in Oberseifersdorf aus.
So sieht der Blick heute von der Verbindungsstraße Mittelherwigsdorf nach Oberseifersdorf auf den Windpark am Schanzberg in Oberseifersdorf aus. © Gemeinde
So würde er von dort mit den 200 Meter hohen Windkraftanlagen aussehen.
So würde er von dort mit den 200 Meter hohen Windkraftanlagen aussehen. © Visualisierung: IBK Dresden

Das Energie-Unternehmen Boreas möchte anstatt der vier seit den 1990er Jahren  bestehenden Windkraftanlagen am Schanzberg drei neue, aber wesentlich höhere Windräder errichten. Statt bisher 60 Meter wären die dann 200 Meter hoch. Stimmen die Gemeinderäte dem zu, wird eine 23 Hektar große Fläche als Windvorranggebiet im Regionalplan ausgewiesen. Die Fläche hätte dann in etwa die Größe der derzeitigen Fläche. Bisher hatten die Windräder hier nur Bestandsschutz und müssten - Stand jetzt - wenn sie nicht mehr rentabel sind, abgebaut werden. 

Seit April wurde das Thema nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr heiß im Gemeinderat diskutiert. Boreas hat seine Hausaufgaben gemacht und das noch im Mai unterbreitete finanzielle Angebot an die Gemeinde inzwischen stark aufgebessert. Das Bürgermeister Markus Hallmann derart viel zugunsten der Gemeinde aushandeln konnte, verblüffte gleich mehrere Gemeinderäte.

Über 825.000 Euro muss man erst mal ablehnen

Bei einer Zustimmung für die größeren Windräder ist Boreas jetzt bereit, der Gemeinde für Projekte von Vereinen, der Kinder- und Jugendarbeit oder zur Sicherheit der Bürger jährlich 10.000 Euro pro Windenergieanlage zu spenden. Das wären bei einer üblichen Mindestlaufzeit von 20 Jahren 600.000 Euro.

Außerdem würde vertraglich vereinbart werden, dass Boreas an die Gemeinde ab Inbetriebnahme pro Windrad einmalig 10.000 Euro und zudem jährlich 3.500 Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren zahlt. Das wären nochmals 135.000 Euro für Mittelherwigsdorf. 

Das Energieunternehmen bietet weiter an, 90.000 Euro für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu zahlen. Rechnen könnte die Gemeinde auch mit Gewerbesteuereinnahmen sowie der Pacht für ein kommunales Grundstück.

Und weil lediglich die Einwohner im Ortsteil Oberseifersdorf von den Nachteilen betroffen wären, soll es für sie einen extra Bonus geben. Ein Strompreis von 19,90 Cent pro Kilowattstunde liegt unter den sonst üblichen Preisen anderer Stromanbieter.  

Boreas ist ein sächsisches Unternehmen mit 30-jähriger Windkrafterfahrung. Speziell für den Standort am Schanzberg gibt es ein regionales Betreiber-Modell. Der Windpark gehört je zur Hälfte Oberseifersdorfer Unternehmern und Boreas. Die Ansprechpartner sind also vor Ort und in Dresden. 

Die Nachteile sind nicht zu übersehen

Die Gemeinderäte sind sich aber auch der Nachteile von den geplanten 200 Meter hohen Windenergieanlagen bewusst und deshalb gespaltener Meinung. Stimmen sie zu, wird die Fläche für mindestens 20 weitere Jahre als Windparkfläche ausgewiesen. Ein paar 100 Meter entfernt steht im Ort bereits ein noch größerer Windpark hinter der Miku Agrarprodukte GmbH, den die Firma Enercon betreibt. Deren Repoweringpläne sehen vor, die bestehenden acht Anlagen durch drei neue und größere zu ersetzen. Die sind dann mit 230 Meter Gesamthöhe etwa doppelt so hoch, als die bisherigen. Und weil dieser Windpark bereits ein Windvorranggebiet ist, kann die Gemeinde hier nichts dagegen tun.

Die von Boreas geplanten neuen 200 Meter hohen Anlagen erfüllen zwar alle  gesetzlichen Vorgaben, werden aber das Landschaftsbild noch mehr beeinflussen. Der Bürgermeister ließ deshalb die Gemeinderäte darüber abstimmen, vor ihrer Entscheidung im September alle wahlberechtigten Bürger der Gemeinde zu befragen. Selbst diese Entscheidung fiel mit neun Ja- und sechs Nein-Stimmen knapp aus. 

Bis zum 31. August 2020 können und sollen sich die Mittelherwigsdorfer nun schriftlich oder über einen QR-Code zur Ausweisung eines Windvorranggebietes auf dem Schanzberg in Oberseifersdorf mit einem einfachen Ja oder Nein äußern. Kurzfristig wurde dafür im Amtsblatt jetzt ein Vordruck zum Ausschneiden veröffentlicht.  

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