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Essen als Politik

Martina Hanke will für die Partei der Veganer in den Landtag. Aufmerksamkeit geht vor Erfolg.

Martina Hanke engagiert sich seit Jahren in vielen Ehrenämtern. Nun will die Freitalerin in den Landtag.
Martina Hanke engagiert sich seit Jahren in vielen Ehrenämtern. Nun will die Freitalerin in den Landtag. © SZ/Gunnar Klehm

Dass ihr Unterfangen aussichtslos ist, weiß Martina Hanke. Doch für sie ist der Weg das Ziel. 

„Wenn ich mit meiner Kandidatur dafür sorge, dass alle über das Thema reden und darüber nachdenken – das ist doch schon was“, sagt die 61-jährige Freitalerin, die als Mitarbeiterin eines Verlags arbeitet. Ihr Thema ist das Tierwohl. Dazu ist sie vor drei Jahren in die Partei für Veränderung, Veganer und Vegetarier – kurz V-Partei³ – eingetreten, für die sie nun als Direktkandidatin im Wahlkreis 48 (Freital) zur Landtagswahl am 1. September antritt.

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Seit fünf Jahren ist sie selbst Veganerin, isst also keine tierischen Produkte. Dass das Essen inzwischen politisch ist, weiß man nicht erst seit der Diskussion um den Veggieday. Damals hatte die Grünen-Ex-Ministerin Renate Künast einen fleischlosen Tag pro Woche in Kantinen gefordert. „Die Grünen sehen wir als Verbündete, beispielsweise in Sachen Massentierhaltung. Sie sind aber nicht konsequent genug“, sagt Hanke.

Ihre Überzeugung ist, dass man selbst aktiv werden muss, wenn man etwas verändern will. Das ist eine ihrer Erfahrungen in einem entbehrungsreichen Leben, in dem sie sich seit Langem in Selbsthilfegruppen für seltene Krankheiten engagiert. Ihr Sohn leidet an einer solchen, der Fridreich’schen Ataxie, und sitzt seit zehn Jahren im Rollstuhl. Zudem hat sie einen Straßenhund aus Rumänien aufgenommen und engagiert sich bei der Hundehilfe Ukraine. „Tiere haben eine Seele und empfinden Gefühle“, sagt sie. Das hatte dann auch zu ihrem Entschluss geführt, von einem Tag auf den anderen vegan zu essen. Das sei keine Art Diät, sondern das mache sie rein aus ethischen Gründen. Das Angebot an Lebensmitteln sei inzwischen so groß, dass niemand eine Mangelernährung fürchten müsse. Gesundheitlich geht es ihr seitdem nicht besser oder schlechter. „Nur seelisch lebe ich jetzt beruhigter“, sagt sie.

Tierschutz liegt im Trend

Um als Kandidatin antreten zu dürfen, musste Hanke zuvor mindestens 100 Unterschriften von Unterstützern aus dem Wahlkreis sammeln. Das ist ihr fristgerecht gelungen. Seit Anfang des Jahres war sie dafür in Freital und Tharandt auf Achse. Da war sie übrigens besser, als die Partei. „Wir haben es nicht geschafft, sachsenweit die nötigen 1 000 Unterschriften zu sammeln“, erklärt Paul Richter. Der Bad Schandauer ist Mitglied im Landesvorstand der Partei. Zur Bundestagswahl 2017 holte die Partei in Sachsen über 4 000 Stimmen, was etwa 0,2 Prozent entsprach. Dass vielen Menschen das Tierwohl am Herzen liegt, habe Hanke zu Folge die Europawahl im Mai gezeigt, wo gleich mehrere Parteien den Tierschutz im Namen führten und zusammen auf 2,5 Prozent in Sachsen kamen. Die Chance auf einen Achtungserfolg für sich und ihr Anliegen sieht Martina Hanke auf jeden Fall.

Zur Landtagswahl hat jeder zwei Stimmen. Mit der ersten wird der Direktkandidat gewählt, der den Wahlkreis im Landtag vertreten soll. Wer im Wahlkreis die meisten Stimmen hat, zieht direkt ins Parlament ein. Mit der zweiten Stimme wird die Partei gewählt. Das Ergebnis der Zweitstimmen entscheidet über die prozentuale Zusammensetzung des Landtags.

Ob diese Wahl für Martina Hanke persönlich irgendetwas ändert, hält sie für zweitrangig. „Wir kämpfen nicht für uns, sondern für alle Lebewesen“, sagt sie.

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