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Essenlieferant streitet mit dem Landkreis

Matthias Schmidt sieht nicht ein, dass er auf einemKostenberg sitzen bleibt, der durch eine komplizierte Essengeld-Abrechnung für Hartz IV-Kinderentsteht.

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Von Daniela Pfeiffer

Matthias Schmidt ist stinksauer auf den Landkreis. Hunderte Portionen Essen bringt der Chef von MS Menü Service in Hagenwerder täglich mit seinem Team auf den Tisch, zählt zu den größten Essenanbietern der Oberlausitz. Zirka 500Portionen landen täglich im Bauch von Kindern aus bedürftigen Familien. Für jedes dieser Kinder aus HartzIV-Familien gibt es einen Essengeldzuschuss aus dem Bildungspaket. Einen Euro müssen die Eltern in der Regel selbst zahlen, der Rest kommt vom Landkreis. Denn um Missbrauch zu vermeiden, geht der Zuschuss nicht direkt an die Eltern, sondern an den Landkreis. Dieser verlangt, dass jeder Fall einzeln abgerechnet wird.

„Dadurch entstehen mir jede Menge Unkosten“, sagt Schmidt. „Ich habe extra eine 8-Stunden-Kraft eingestellt, die sich darum kümmert.“ Auch das gesamte Computerprogramm hat er umstellen lassen, immerhin müsse der Rechner erkennen, wer Hartz IV-Kind ist und dort nur einen Euro einziehen. Allein das Umschreiben des Programmes habe 3000Euro gekostet. „Dazu kommt, dass in diesen 500Fällen jeweils zwei Bankbuchungen nötig sind. Für eine einzelne Buchung entstehen schon wieder zusätzliche Kosten“, sagt Matthias Schmidt.

In Meißen funktioniert es

Bis Dezember hat er das akzeptiert, denn bis dahin zahlte der Landkreis die Umlage, die Schmidt in Rechnung stellte. Jetzt nicht mehr. „Für eine gesonderte Abrechnung dieser Kosten ist kein Raum“, heißt es aus dem Amt. Das Landratsamt werde sich dafür einsetzen, das ein einfacherer Abrechnungsmodus angewendet werden kann“, so Sprecherin Marina Michel.

Schmidt hat seine Zusammenarbeit mit dem Amt eingestellt. Solange, bis er seine Unkosten in voller Höhe bezahlt bekommt. Was ihn besonders ärgert: „Da werden in den Rechnungen plötzlich Kürzungen vorgenommen, ohne vorher Bescheid zu geben. Ich habe seitdem mehrmals das Gespräch mit dem Amt gesucht, aber da ist null Entgegenkommen oder Einsicht.“ Wenn weiterhin nicht gezahlt wird, wolle er sich gerichtliche Schritte vorbehalten. Dabei weiß er, dass es anders gehen kann: „Ich habe noch eine weitere Großküche im Landkreis Meißen und dort zahlt der Landkreis die Unkosten. Auch die Kreise Elbe-Elster und Oschatz-Torgau, wo ich Essen ausliefere, zahlen.“

Den betroffenen Eltern im Kreis Görlitz hat er geschrieben, dass seine Firma die weitere Bearbeitung der Kostenübernahmeanträge ablehnt, die Familien das normale Essengeld zahlen müssen und sie sich an den Landkreis wenden sollen. Statt Protest oder Entrüstung habe er von dieser Seite großes Verständnis bekommen.