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Etappenziel für OB Zenker

Für Thomas Zenker wird es ernst. Die Bürger haben ihn gewählt. Jetzt muss er sich als Stadtoberhaupt beweisen.

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© Matthias Weber

Von Thomas Mielke

Die Nacht ist kurz gewesen. Der frisch gewählte neue Zittauer Oberbürgermeister ist erschöpft neben dem ständig klingelnden Handy auf dem Sofa eingeschlafen und früh wieder vom Telefon geweckt worden. Unzählige Menschen haben Thomas Zenker (ZKM) Sonntagabend und Montag gratuliert. Dazu gehört auch Landrat Bernd Lange (CDU). „Zur Bewältigung der vor ihm liegenden Aufgaben wünsche ich ihm an erster Stelle Gesundheit“, so Lange gestern. „Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit. Zudem hoffe ich, dass Thomas Zenker dem Kreistag trotz der Fülle seiner neuen Aufgabe erhalten bleibt.“ Ganz besonders hat Zenker gefreut, dass unter den Anrufern sieben Bürgermeister aus Zittauer Umlandgemeinden waren. Damit war gleich der für ihn so wichtige Kontakt zu den Nachbarn hergestellt.

Das angeknackste Verhältnis zwischen Zittau und den Umlandgemeinden ist einer der Punkte gewesen, warum sich Zenker 2013 auf den Weg gemacht hat, etwas zu verändern, zu bewegen, zu verbessern. Mit Theater-Chef Caspar Sawade, O-See-Challenge-Chef Klaus Schwager, Kai Grebasch, Verantwortlicher für das Stadtmarketing und Rathaussprecher, sowie Christian Zimmer, Chef der Schkola, hat er Weihnachten 2013 die Wählervereinigung „Zittau kann mehr“ auf die Beine gestellt. Sie wollten nicht mehr nur meckern, sondern selbst gestalten und Verantwortung tragen, hatte Sawade damals gesagt. Mit vielen Unterstützern – dem Großteil aus Zenkers persönlichen Netzwerken – und einer wachsenden Schar Mitstreitern im Rücken hat es ZKM in Rekordzeit in den Kreistag und den Stadtrat sowie weitere Entscheidungsgremien geschafft. Zwar stand vor 18 Monaten nicht fest, ob Zenker wirklich um die Nachfolge Arnd Voigts (Freie Bürger) kämpfen würde. Ins Auge gefasst war das Vorhaben „Zenker für Zittau“ aber schon damals.

Nun ist der 40-Jährige am Ziel – am Etappenziel. Bis zum wirklichen Ziel ist es noch weit. Zwar haben Zenker und ZKM inzwischen so viel Macht angehäuft, dass sie mitgestalten und -entscheiden können. Mit Zenkers Wahl zum OB ist aber ein neues Niveau erreicht. „Die Herausforderungen beginnen ab sofort“, sagte Zenker gestern.

Dabei waren und sind sie von anderen abhängig. ZKM und Zenker als OB haben – wie schon Noch-OB Voigt – keine Mehrheit im Stadtrat. Mit einer Blockadehaltung des gegnerischen Wahlkampflagers, wie die Gerüchteküche unter anderem auf den einschlägigen Internet-Plattformen wissen wollte, müssen sie nicht rechnen. „So etwas geht gar nicht“, sagte Andreas Johne (CDU), Chef der stärksten Fraktion im Rat. „Wir sitzen doch dort, um etwas für die Stadt zu tun.“ Zenker will bald mit allen Fraktionen sprechen. Auch mit dem noch amtierenden OB wird er Termine vereinbaren, um die Übergabe und Einarbeitung zu organisieren. Voigt hatte ihm das noch am Wahlabend auch von sich aus angeboten.

Auf dem Rathaus-Chefsessel sehen wollen Zenker vor allem die Städter. Wie im ersten Durchgang haben sich die Wähler in den Ortsteilen für den Mitbewerber Thomas Krusekopf ausgesprochen. Das liegt zum Teil vielleicht an den eher städtisch geprägten Zielen, die Zenker als vordringliche Aufgaben im Wahlkampf benannt hat: Den Kontakt zu den Städten im Nachbarland ausbauen, Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Stadtentwicklung stärken, Studenten nach dem Abschluss in Zittau halten. Die niedrige Wahlbeteiligung haben offenbar weder er noch seine Kontrahenten zu verantworten. In Bautzen, Großenhain und Zwickau sind am Sonntag ebenfalls deutlich unter 50 Prozent der Wähler an die Urnen gegangen.

Am Sonnabend, dem 1. August wird Zenker sein neues Amt offiziell antreten. Am Montag darauf zieht er in das OB-Zimmer ein. Sein bisheriger Arbeitgeber, die Hillersche Villa, war schon vor der offiziellen Kandidatur in seine Pläne eingeweiht und lässt ihn ziehen. Zenker wird selbst an der Ausschreibung für seinen Nachfolger mitwirken. Vielleicht bleibt zwischen neuer und alter Arbeit auch noch Zeit für eine Woche Urlaub. „Meine Familie hätte es sich verdient“, sagte Zenker – nach fast 18 Monaten ununterbrochenen Wahlkampfs.