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EU-Kennzeichen für Nutztiere

Landwirtschaft. Rinder, Schweine oder Schafe werden registriert. DieEuropäische Union sorgt dafür.

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Von Wulf Stibenz

Viele Autofahrer haben schon die blau abgesetzten EU-Nummernschilder. Nun erhalten auch Nutztiere neue EU-Kennzeichen. Viele Ämter sind damit betraut. Für den Schutz vor Tierseuchen sind die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter (LÜVA) der Landkreise zuständig. „Ab Mitte dieses Jahres kontrollieren wir nach EU-Recht“, sagt Doktor Ulrich Hickmann, Chef der LÜVA in Kamenz. Mit eigens erstellten Risikoanalysen überprüfen die Experten in der Region sämtliche Bestände von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen.

Kein Tier darf ihnen entkommen. „Denn nur das verhindert im Ernstfall die Ausbreitung von Seuchen“, so Hickmann. Dafür müssen die Experten der LÜVA wissen, was hier für essbares und milchgebendes Vieh lebt. Deshalb also die EU-Kennzeichen für Nutztiere, die in Wahrheit Ohrmarken mit vielstelligen Nummern sind. Für Rinder funktioniert das Prinzip seit sieben Jahren, später waren Schweine dran. Neu ist, dass nun auch Schafe und Ziegen akribisch registriert werden. Nötig macht dies eine EU-Verordnung: Denn Fördergelder für Landwirte werden seit Januar nur noch nach Acker- und Weidegröße vergeben, nicht mehr nach dem Zucht- oder Ernteertrag. Überproduktion wird so verhindert.

Trotzdem sind die exakte Zahl und der Standort aller Nutztiere wichtig. „Wer gegen die Pflicht zur Kennzeichnung verstößt, dem geht es unter Umständen an den Geldbeutel“, sagt Hickmann. Zwischen drei und 20 Prozent der Fördergelder müssen Landwirte zurückgeben, wenn ihr Hof den Kontrolleuren negativ auffällt. „Ans Eingemachte geht es, wenn die Kennzeichnung und Bestandsmeldung absichtlich falsch war“, warnt Hickmann. Tierseuchenschutz ist kein Spaß.

Die Kontrollen laufen unspektakulär und routiniert ab. Per Zufallsprinzip werden Landwirte und ihre Tiere überprüft, Mängel erfasst und ihre Beseitigung kontrolliert. „Wir schützen durch diese Arbeit Mensch und Tier“, sagt der Experte. Er rate allen Landwirten, sich über die neuen Bestimmungen nach EU-Recht zu informieren.

Die neuen Kennzeichen für Nutztiere gibt es beim Landeskontrollverband (LKV) Lichtenwalde. Aber dort spricht der Landwirt besser von „Ohrmarken“, „Betriebsnummern“ oder „Bestandsregistrierung“. Der laienhafte Begriff „EU-Nummernschild“ könnte zu Irritationen führen.