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Ex-Freund erst nach einer Reihe von Übergriffen verurteilt

Der SZ-Gerichtsreport

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Von Alexander Schneider

Sie waren nur ein halbes Jahr zusammen, die Dresdner Studentin (23) und Daniel K. (24), ein gelernter Kaufmännischer Assistent. Danach begann für die Frau ein fürchterlicher Albtraum.

Monate nach der Trennung stand der Ex-Freund überraschend an der Wohnheimtür der 23-Jährigen. Als ihr neuer Partner öffnete, stürzte sich K. auf ihn und prügelte los. Das war im August 2007. Abends wollten die Studentin und ihr neuer Freund den Schläger zur Rede stellen, besuchten ihn. Sie stritten, plötzlich zog K. die Frau in seine Wohnung. Erst 20 Minuten später gab er auf, als die Polizei kam.

Ab November hat K. seine Ex verfolgt. Morgens im Wohnheim, mittags im Bus, abends bei Partys. Er lauerte auch Kommilitonen der Verflossenen auf, schrieb ihnen und dem Freund irre Briefe – etwa: „Ich möchte sterben und sie (die 23-Jährige, Anm. d. Red.) wird mit mir gehen“. Gipfel war eine versuchte Entführung im Dezember 2007: K. verfolgte die Studentin, zerrte sie am Zelleschen Weg von der Straße. Als sie um Hilfe schrie, sprühte er ihr Reizgas ins Gesicht. Zeugen riefen die Polizei – und die Beamten finden eine Wäscheleine, Klebeband und Taschenmesser bei dem Täter. Was er damit vor hatte?

Es ist unklar. Unklar auch, warum der Mann selbst nach dieser Tat kein Fall für die U-Haft oder eine Klinik war, wie es eine Kripobeamtin vorgeschlagen hatte. Erst im Februar landete Daniel K. nach weiteren Nachstellungen in U-Haft. Seit der Entlassung im Mai ist K. in psychiatrischer Behandlung.

Gestern stand K. nicht etwa vor einem Schöffengericht sondern einem Einzelrichter am Amtsgericht Dresden. Der verurteilte den geständigen Angeklagten in nicht öffentlicher Sitzung wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Bedrohung, Nachstellung, Widerstand gegen Polizisten und dergleichen mehr zu einem Jahr Haft auf Bewährung.