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Ex-Minister Rößler schielt nach Berlin

Der CDU-Politiker entfacht erst eine Ost-West-Debatte und legt sich jetzt auch mitParteifreund de Maizière beim Kampf um ein Bundestagsmandat an.

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Von Gunnar Saft

Matthias Rößler braucht sich zurzeit nicht zu beklagen. Der frühere sächsische Kunst- und Wissenschaftsminister, der heute für die CDU im Landtag sitzt, ist seit Tagen in vielen Medien präsent. So hat Rößler eine landesweite Diskussion entfacht, als er in einem Zeitungsbeitrag – scheinbar nebenbei und ohne Absicht – eine provokante Frage stellte: Sollte Sachsen künftig nicht von einem Sachsen regiert werden?

Gespaltene Gemütslage

Die harmlos formulierte Frage des 52-Jährigen empfinden etliche Parteifreunde jedoch als ausgesprochenen Giftpfeil. Dieser dürfte dann weniger auf den ersten sächsischen Nachwende-Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf zielen, als auf dessen Nachfolger Georg Milbradt (beide CDU), der 1991 aus Westfalen nach Sachsen kam und Rößler bei der Kabinettsneubildung 2004 außen vor ließ.

Aber noch viel mehr dürfte Rößler mit seinem jüngsten Vorstoß in die Zukunft zielen. Denn unabhängig davon, ob Milbradt 2009 für die sächsische CDU noch einmal als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf ziehen darf, stehen die potenziellen Nachfolger längst fest.

Neben Kultusminister Steffen Flath, der aus dem Erzgebirge stammt und damit den Status eines heimatverbundenen Ur-Sachsens abonniert hat, ist das auch Thomas de Maizière. Der 53-Jährige wurde in Bonn geboren und macht seit 1990 im Osten eindrucksvoll Karriere. Zunächst Staatssekretär in Mecklenburg-Vorpommern schaffte er es später auf mehrere sächsische Ministerposten. Seit 2005 ist der Jurist, dessen Familie nach wie vor in Dresden lebt, Chef des Bundeskanzleramtes in Berlin.

Doch nicht nur die Gemütslage der Öffentlichkeit ist gespalten. Auch in der sächsischen CDU werden Biografien weiterhin nach Ost- und West-Schwerpunkten unterschieden. Spürbar wurde das zuletzt im September, als Milbradt mit Hermann Winkler und Horst Metz zwei Ostdeutsche aus der Regierung entließ. Ihren Nachfolgern Michael Sagurna und Roland Wöller wird in Partei und Landtagsfraktion jedenfalls kaum angerechnet, dass sie seit Jahren im Freistaat leben. Die Frage, Sachse oder nicht, könnte somit tatsächlich einmal die Gretchenfrage werden.

Ein Umstand, auf den Rößler offenbar auch bei seiner politischen Karriereplanung baut. So überrascht er jetzt erneut. Unverhohlen zeigt er Ambitionen auf ein Bundestagsmandat. „Ja, ich halte mir diese Option offen“, bestätigt Rößler auf SZ-Anfrage. Im Fall der Fälle tritt er auch nicht irgendwo an, sondern in dem neuen Wahlkreis, der künftig die Region Meißen-Riesa-Großenhain umfasst. Dort ist Rößler seit Jahren CDU-Kreisvorsitzender. Ein unschätzbarer Heimvorteil, den ein anderer möglicher Bewerber nicht hat: Und der heißt ausgerechnet Thomas de Maizière.

Gefährdeter Masterplan

In der Tat gibt es in Teilen der Sachsen-CDU, die sich bei der Milbradt-Nachfolge bereits festgelegt haben, seit Monaten intensive Planspiele. Danach soll eigentlich de Maizière 2009 in dem Wahlkreis antreten. So könnte er sich nicht nur ein wichtiges Mandat, sondern auch eine eigene politische Heimatregion sichern. Die Voraussetzung für spätere höhere Weihen im Freistaat. Das weiß natürlich auch der bekannt ehrgeizige Matthias Rößler, und so ist die Ankündigung einer möglichen Kandidatur Drohung und Angebot in einem. Bis zum Wahljahr bleibt nun Zeit, um hinter den Kulissen zu verhandeln. Am Ende könnte sich das für alle Beteiligten lohnen – ob nun Sachse oder nicht.