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Ex-Pegida-Frontfrau im Visier der Ermittler

Früher war Kathrin Oertel mal Sprecherin von Pegida. Am Wochenende lief sie beim Neonazi-Aufmarsch in Dresden mit. Ihr Plakat interessiert jetzt den Staatsschutz.

Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel lief am Samstag bei einer Neonazi-Demonstration mit. Ihr Plakat mit der Aufschrift „Alliierte Befreiung = Holocaust am Deutschen Volk“
ist nun ein Fall für den Staatsschutz.
Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel lief am Samstag bei einer Neonazi-Demonstration mit. Ihr Plakat mit der Aufschrift „Alliierte Befreiung = Holocaust am Deutschen Volk“ ist nun ein Fall für den Staatsschutz. © xcitepress

Ein den Holocaust relativierendes Plakat auf dem Neonazi-Aufmarsch am vergangenen Samstag hat den Staatsschutz der Dresdner Polizei auf den Plan gerufen. Derzeit, so Sprecher Marko Laske, werde von Polizei und Staatsanwaltschaft die strafrechtliche Relevanz des Schildes geprüft, auf dem zu lesen war: „Alliierte Befreiung = Holocaust am deutschen Volk“. 

Das Zitat könnte den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen, der mit einer Geld- oder Gefängnisstrafe geahndet werden kann. 

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Eine der Trägerinnen des Plakats war offenbar die frühere Pegida-Pressesprecherin Kathrin Oertel. Das Schild sei Beamten zunächst bei dem von Rechtsextremisten angemeldeten Trauermarsch aufgefallen. Zwei Personen, eine Frau und ein Mann, seien kontrolliert worden. Oertel, so Polizeisprecher Laske, sei bei der ersten Personalienfeststellung durch Beamte nicht mit dem Schild angetroffen worden.

Später seien dann Fotos aufgetaucht, auf denen Kathrin Oertel das Schild trage. Der Staatsschutz habe diese gesichert. Polizeisprecher Laske betont, das Prüfverfahren sei bisher noch kein Strafverfahren. Das ändere sich erst dann, wenn Staatsanwaltschaft und Polizei den Anfangsverdacht auf Volksverhetzung als bestätigt sehen. In diesem Fall werde dann gegen alle ermittelt, die das Schild trugen, auch Kathrin Oertel.

Die 42-Jährige war Anfang 2015 für einige Wochen Sprecherin von Pegida, nachdem Pegida-Führer Lutz Bachmann sich unter anderem wegen seines bekannt gewordenen Vorstrafenregisters vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. 

In dieser Funktion trat sie unter anderem in der Talkshow von Günther Jauch auf und beklagte sich etwa beim Schlagersänger Roland Kaiser öffentlich, sie sei "menschlich sehr enttäuscht". Roland Kaiser hatte zuvor deutlich Stellung gegen Pegida und Rechtsextremismus bezogen. Oertel sagte deshalb: "Wir gehen zu Ihren Konzerten und bezahlen dafür, da können wir bitte auch Neutralität uns gegenüber erwarten."

Als Äußerungen Bachmanns auftauchten, in denen er Flüchtlinge als "Viehzeug" und "Dreckspack" bezeichnete, sowie ein Hitler-Selfie, trat der Pegida-Chef  Bachmann zwar als Vorstandschef des Pegida-Vereins zurück, sollte aber an der Spitze der Organisation bleiben. Tage später platzte das Organisationsteam, als Oertel und vier weitere Mitglieder Pegida verließen. 

Kathrin Oertel machte in der Folgezeit eine Reihe von Wandlungen durch, entschuldigte sich etwa per Facebook-Video bei Migranten und Muslimen, obwohl sie Monate zuvor noch gegen die vermeintliche "Islamisierung des Abendlandes" demonstriert hatte. Später wurde sie bei Demonstrationen in Österreich gesehen, bei denen sie eine Regenbogenfahne trug - Symbol für Toleranz und Flagge der Homosexuellen-Bewegung.

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Nun also zeigt sie Plakate, die den Holocaust zumindest dahingehend relativieren dürften, als dass Oertel das Schicksal der ermordeten Juden mit der Besetzung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg gleichsetzt. 

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