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Exotische Spinnen im Gewürzstreuer

Herrnhut. Ehrenamtliche Naturschutzhelfer des Landkreises berieten zu aktuellen Entwicklungen des Artenschutzes.

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Von Andreas Herrmann

Artenschutz ist grenzenlos. Dies war Fazit der inzwischen bereits 16. Zittauer Naturschutzhelfertagung, die die Naturschutzbehörde des Landkreises in Zusammenarbeit mit der Akademie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt am vorigen Sonnabend im Tagungszentrum der Evangelischen Brüder-Unität in Herrnhut veranstaltete. Gekommen waren über 50 ehrenamtliche Naturschützer, die sich ein Bild über aktuelle Entwicklungen des Artenschutzes machten und dabei zahlreiche Erfahrungen austauschten.

Erschütternde Bilder

Interessante Einblicke in die Problematik von Tierschmuggel und Transport von exotischen Tieren gab Rene Hagen vom Zollfahndungsamt Dresden. Er zeigte teilweise erschütternde Bilder von beim Einfangen gequälter oder beim Transport zu Tode gekommener Lebewesen: exotische Vögel mit zugeklebten Schnäbeln in Chipsdosen, giftige Schlangen in doppelten Kofferböden, Spinnen in Gewürzstreuern oder Affen, die während des Transports in engen Behältnissen grausam erstickten.

Prestigesucht der Sammler

Wegen der Prestigesucht einiger Sammler werden diese und andere Tiere aus ihren natürlichen Lebensräumen in südlichen Ländern entfernt. Dabei werden mit illegal und entgegen dem Washingtoner Artenschutzabkommen gehandelten exotischen Tieren, aber auch Pflanzen wie Orchideen oder Kakteen, hohe Profite bis zu 3 000 Prozent erzielt. Besonders Tschechien, so der Zollfahnder, entwickle sich zum Transitland für illegal eingeführte Reptilien, die von dort aus europaweit versandt würden.

Was Schmuggler bevorzugen

Für den Landkreis Löbau-Zittau gibt es laut Rene Hagen aber mit Ausnahme einiger Schildkröten kaum Erkenntnisse zum Tierschmuggel an den hiesigen Grenzübergängen. Die Schmuggler bevorzugten vor allem hoch frequentierte Übergänge wie Ludwigsdorf bei Görlitz, so der Zollobersekretär.

Wanderer Isegrim

Obwohl es im Landkreis keine Wolfspopulation gibt, fand auch dieses Thema bei den Naturschutzhelfern großes Interesse, denn immer wieder wandert Isegrim auf der Suche nach Nahrung aus seiner westpolnischen Heimat zu uns. Und die Entfernung zu diesen Gebieten ist nicht allzu groß. Kleinere Wolfsrudel mit jeweils etwa zehn Tieren existieren bekanntlich in der Muskauer und der Neustädter Heide. In den dortigen gering besiedelten Gebieten der ehemaligen Truppenübungsplätze hat der graue Geselle ein neues Zuhause gefunden, erläuterte Gisbert Hiller vom „Kontaktbüro Wölfe“. Es hat sich die wissenschaftlich-praktische Begleitung der Wiederansiedlung des Wolfes zur Aufgabe gemacht und dabei nicht nur Freunde gefunden.