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Experiment Schulbeginn

In Radebeul wurde ein Jahr getestet. Beinahe jede Schule startet anders. Die Umländer haben Nahverkehrsprobleme.

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Von Annette Lindackers

Das Schuljahr ist fast rum. Als es begann, starteten die Lehrer und Schüler am Radebeuler Lößnitzgymnasium ein Experiment. Der Schulbeginn wurde von 7.15 Uhr 40 Minuten nach hinten verschoben.

Keine einfache Sache. Schulleiterin Angela Hartmann musste sich die notwendigen Mehrheiten der Lehrer- und Schulkonferenz holen und zum Schluss die Genehmigung der Stadt. Mit Beginn des Schuljahres 2014/15 wurden nicht nur die Unterrichtszeiten geändert, auch wurde der Blockunterricht eingeführt. Alles zum Wohle der Schüler, deren Schlafrhythmus und auch deren Gesundheit: Denn mit weniger Fächern pro Tag wird auch der Schulranzen leichter und damit der Rücken geschont. Um 7.55 Uhr beginnt jetzt der Unterricht, um 14.45 Uhr endet die siebente Stunde.

Hartmann empfindet seit der Umstellung, dass die Schüler sehr viel aufgeräumter erscheinen. Nach ihrer Wahrnehmung liegt das an dem späteren Unterrichtsbeginn. Noch immer nicht bewältigt ist allerdings die Fahrplanumstellung für die knapp zehn Prozent der Schüler aus dem Umland. Sie kommen jetzt etwas zu spät zum Unterricht und müssen nach Schulende lange auf die passende Verbindung warten. „Ich freue mich“, so die Schulleiterin, „dass das Schuljahr – was den Unterrichtsbeginn betrifft – erwartungsgemäß gut gelaufen ist. Ich möchte, dass es so bleibt.“

Schlafforscher bestätigen diese Erkenntnis aus der Schulpraxis. Bei einem zu frühen Schulbeginn sind die Schüler unausgeschlafen und können dem Unterricht nur mühsam folgen. Das Lößnitzgymnasium in Radebeul stand bis zum letzten Schuljahr ganz vorne bei den Anfangszeiten im Kreis.

Ganz so positiv sehen das nicht alle Lehrer am Lößnitzgymnasium mit der Umstellung auf 7.55 Uhr. Frank Scholz, Lehrer für Mathematik und Geografie, beobachtet, dass im Kollegium nach wie vor die Meinung zur Zeitumstellung umstritten ist. Das Feedback bei den Schülern dagegen lautet: Wir sind ausgeschlafener, freuen uns über nicht so viele Fächer pro Tag und eine leichte Schultasche.

Auch andere Schulen in Radebeul und im Landkreis experimentieren. Ihnen sind aber mit den Fahrzeiten des öffentlichen Nahverkehrs häufig Grenzen gesetzt.

Die Oberschule Radebeul-Mitte verfolgte die andere Richtung: Als dort der Unterrichtsbeginn von 7.30 auf 7.20 Uhr vorverlegt wurde, stieg die Rate der Zuspätkommenden so stark an, erinnert sich Schulleiter Roland Bösel, „dass wir nach einer Umfrage auf den bewährten Anfang um 7.30 Uhr zurückgestellt haben.“ Der Schultag endet um 14.05 Uhr. Bösel hält an diesem Modell fest. Er findet es wichtig, dass seine Schüler nicht so spät nach Hause kommen.

Vor drei Jahren stellte die Oberschule Kötzschenbroda den Schulbeginn von 7.30 auf 8 Uhr um. „Ich bin total froh über den neuen Start um 8 Uhr“, sagt Schulleiterin Antje Ambos, „und erlebe, dass die Schüler dies schätzen und sich 7.30 Uhr als Schulbeginn gar nicht mehr vorstellen können“. Ihr sei bewusst, dass die Schulanfangszeiten besser zu den inneren Rhythmen der Schüler passen, auch wenn die Schule am Nachmittag um 15.30 Uhr erst zu Ende ist.

Problem: Stundenplan und Buszeit

Die Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf beginnt mit dem Unterricht um 7.40 und endet spätestens um 14.20 Uhr. Schulleiter Jörg Töpfer würde gern später mit dem Unterricht anfangen. Da ein Großteil der Schüler auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist, muss sich der Stundenplan nach den Fahrzeiten der Busse und Bahnen richten.

In der Oberschule in Kötitz fängt die Schule seit einigen Jahren um 7.40 Uhr an. Bei etwas mehr als 300 Schülern gibt es darunter etwa 50 Eleven, die auf Bus, Bahn und Fähre angewiesen sind, sodass diese Uhrzeit für alle am besten zu ermöglichen ist. Oberschuldirektor Harald Borrmann, ist davon überzeugt, für die Bedürfnisse und Möglichkeiten seiner Schüler den Mittelweg gefunden zu haben. Auch wenn es noch Zukunftsmusik sei, denkt Borrmann daran, das Ranzengewicht durch Tablet-PC drastisch zu reduzieren. Wenn spätestens um 15.10 Uhr, nach der achten Stunde, der Unterricht endet, haben die Schüler nach seiner Auffassung genügend Zeit für Hausaufgaben und Freizeit.

Unterrichtsbeginn ist an der Leonhard-Frank-Oberschule in Coswig um 7.30 Uhr und -ende spätestens um 15.10 Uhr nach der achten Stunde. „So wie es läuft, funktioniert es gut“, sagt Schulleiterin Heide Albrecht. „Wir haben keinerlei Rückmeldungen zum Thema Schulanfang.“

Am Gymnasium in Coswig beginnt der Unterricht um 7.40 Uhr. Dies ist auch hier die beste Anfangszeit für alle Schüler aus dem Umland, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, beschreibt es Schulleiterin Britt Göldner.

Nach wie vor um 7.15 Uhr fängt die Oberschule in Weinböhla an und endet mit der achten Stunde um 14.45 Uhr oder sogar der neunten Stunde um 15.20 Uhr. Den Bedarf nach einer Zeitumstellung sieht Schulleiter Harald Schmoz nicht, auch deshalb, weil die Bus- und Bahnanbindungen für diese Schulzeiten hervorragend klappen.