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Experten entschärfen Bombe in Bannewitz

250Anwohner mussten gestern ihr Heim verlassen. Der Räumdienst entdeckte eine 150-Kilo-Sprengbombe und allerhand Munition.

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Von Verena Weiß

Die Frau in der hellen Jacke hat die Hände zusammengefaltet, vor ihr steht eine Tasse heißer Kaffee. Schon seit ein paar Stunden sitzt sie im Bannewitzer Gerätehaus und wartet. „Die haben alles abgeriegelt“, sagt die Rentnerin und guckt aus dem Fenster, „hoffentlich geht es gut.“ – Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Sprengstoffexperten umkreisen die Nöthnitzer Straße. Ein derartiges Aufgebot hat es in Bannewitz noch nie gegeben. Der Grund ist eine amerikanische Fliegerbombe, die der Kampfmittelbeseitigungsdienst bei seinen Untersuchungen zum Bau der neuen S191 geortet hat.

Die Nachricht kam am Abend zuvor, nicht nur für die Rentnerin völlig überraschend: „In der fünften Stunde klingelte die Feuerwehr an meiner Tür“, erzählt sie, „sie müssen morgen evakuieren.“ Betroffen sind 250 Anwohner entlang der Eutschützer Höhe. Keiner darf sich im Umkreis von 500 Metern der Bombe nähern, bis die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes grünes Licht geben.

Eine unruhige Nacht liegt hinter der Bannewitzerin. Sie hat gesehen, wie im Jahr 1945 die Bomben über Dresden fielen. Nun werden die alten Erinnerungen wieder wach. „Ein ungutes Gefühl ist es auf jeden Fall“, sagt sie.

Ein bescheidener Held

Plötzlich die erlösende Meldung: „Der Zünder ist raus“, ruft ein Polizist zu seinen Kollegen rüber, „alles okay.“ Aufbruchstimmung, Motoren brummen, der Trupp setzt sich in Bewegung und fährt zum Fundort. Dort wartet Joachim Kniesche, Sprengmeister und der Held des Tages. Der hüllt sich in Bescheidenheit: „Das Entschärfen war nicht das Schwierigste“, sagt er und begutachtet die 150Kilogramm schwere Sprengbombe vor seinen Füßen. Den Zünder hält er in der Hand. „Ein ganz normaler Aufschlagzünder“, sagt Kniesche. Sorgen bereitet hat ihm etwas anderes: „Das kleine Zeug dort drüben ist empfindlicher“, sagt er und zeigt auf den Haufen, direkt neben dem zwei Meter tiefen Erdloch. Granaten, Stabbrandbomben, Panzerfäuste, Magazine und Patronen liegen im Gras – alles in dem Bombentrichter. Ein Fund, auf den Joachim Kniesche lange gewartet hat. Schon seit Monaten hat der Truppführer die Untersuchungen um Bannewitz im Blick. Bis jetzt holten die Experten nur Schrott aus der Erde. Vorsicht ist trotzdem bei jedem Spatenstich geboten. „Wir müssen immer von einer Gefahr ausgehen“, sagt Joachim Kniesche.

Ob er hier tatsächlich fündig wird und was den 57-Jährigen in diesem Fall unter der Erde erwarten würde, wusste er auch diesmal nicht. Zumindest nicht, als die Sonde ausschlug. Die reagiert nämlich grundsätzlich auf Eisen.

Explosion wäre fatal

Diesmal haben die Experten einen Volltreffer gelandet. Zusammen mit seinem Kollegen Kai Petrich hat Joachim Kniesche die Sprengbombe entschärft. „Passieren kann nichts mehr“, versichert er, wenn sie explodiert wäre, aber schon: „Das hätte ein ordentliches Loch in den Boden gerissen“, sagt Kniesche, winkt ab und schmunzelt: „Aber wir haben es mal wieder geschafft.“

Zeit zum Staunen bleibt nicht. Noch am selben Tag wird die Bombe samt Munition ins Lager nach Zeithain gefahren, zerlegt und entsorgt. Für Joachim Kniesche und seine Kollegen kein Grund zum Ausruhen. Die Suche geht weiter. Ob der Experte noch einmal in Bannewitz fündig wird, weiß er nicht. „Mal sehen“, sagt er und lächelt zufrieden: „Dafür sind wir ja hier.“