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Experten für den Untergrund

Das Possendorfer Ingenieurbüro für Wasser und Boden expandiert seit 25 Jahren. Nun wird es eng.

© E. Kamprath

Von Verena Schulenburg

Possendorf. Der Erfolg beginnt manchmal mit einer Tasche voller Ideen. So war es bei Wolfram Kritzner. Nun kann der Freitaler auf sein 25-jähriges Firmenbestehen zurückblicken. Eine wechselvolle Zeit liegt hinter dem 58-Jährigen. „Wir sind an unseren Aufgaben gewachsen“, sagt er. Ein Vierteljahrhundert ist es her, als Wolfram Kritzner mit einem Geschäftspartner in den Räumen der alten Schule in Possendorf sein Unternehmen gründete: das Ingenieurbüro für Wasser und Boden. Der Zwei-Mann-Betrieb erarbeitete Studien und Gutachten zu Grundwasserschutz und -überwachung. Schnell wurde klar: Der Platz wird knapp. Drei Jahre später zog die Firma in einen Altbau auf dem Turnerweg, wo noch heute das Herz des Ingenieurbüros schlägt. 1999 kaufte das Unternehmen das Haus von der Gemeinde Bannewitz und erweiterte es sieben Jahre später um eine zweite Etage. Der Wachstumskurs der Firma hatte vor allem einen Grund: Das Wasser allein blieb nicht lange das einzige Element der Ingenieure, die sich auf Düker – so nennen sich unterirdische Wasserquerungen – spezialisiert hatten. Vom Wasser ging es zu Gas, Fernwärme und sogar Strom. „Man braucht Mut, Neues zu wagen“, sagt Wolfram Kritzner.

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Eine Einstellung, die belohnt wurde. Die Firma schaffte es, neue Geschäftszweige zu bestreiten und sich selbst weiterzuentwickeln. Seit 2001 haben sich die Ingenieure beispielsweise auch mit der Sprache des Bergbaus vertraut gemacht. Die neue Anlage zur Grubenwasserbehandlung von Vattenfall in der Lausitz gehört mit einem Volumen von 15 Millionen Euro zu den größten Projekten der Firma. Auch strategische Betrachtungen führt der Betrieb durch. Nicht nur das Wasserversorgungssystem der Stadt Dresden, das kürzlich aufgrund des städtischen Wachstums überarbeitet werden musste, fußt auf dem Wissen der Possendorfer. Auch die Neuordnung der Dresdner Fernwärmeversorgung liegt in den Händen der Firma. Für rund 300 Auftraggeber arbeitet das Unternehmen bereits, das deutschlandweit agiert.

Mit den Themenfeldern und der Auftragslage wuchs auch der Betrieb. 45 Mitarbeiter zählt die Firma aktuell. Bei dem Firmensitz in Possendorf ist es längst nicht geblieben. Seit zehn Jahren hat das Ingenieurbüro für Wasser und Boden einen Standort in Stendal, seit 2012 einen weiteren Sitz in Cottbus. Seit diesem Jahr arbeiten Kollegen in einer neuen Niederlassung in Leipzig. Es habe schon alles eine gewisse Dimension angenommen, seit den Anfängen der Firma, resümiert Kritzner. „Ein Selbstläufer war es aber nicht“, sagt der Geschäftsführer. Welche Formel führt denn zum Erfolg? Der Chef lacht: „Tja, wenn es die gäbe …“ Kreativität, sagt er, sei vor allem wichtig. Um dauerhaft erfolgreich zu sein, müsse überlegt werden, was genau Auftraggeber brauchen. Es müsse erörtert werden, was die Aufgabe der Zukunft ist. Dazu brauche man auch ein tolles Team. „Das haben wir“, sagt Kritzner sichtlich stolz. Damit sich auch die Mitarbeiter wohlfühlen, sorgt der Chef für reichlich Ausgleich. Massage am Arbeitsplatz, gemeinsame Ausflüge und diverse Sportgruppen wie Laufen oder Volleyball tragen zur Teambildung bei und sorgen für gute Stimmung im verantwortungsvollen Job. „Spaß muss sein“, sagt Kritzner, dessen Unternehmen sich zudem schon seit Jahren in kulturellen und sozialen Projekten engagiert und auch sportliche Talente fördert.

Nicht nur fürs Wohlfühlklima sorgt der Chef, auch für die Zukunft seiner Firma. Wolfram Kritzner hat seine Nachfolge vor Kurzem geregelt. Neben Dirk Zönnchen, der ebenfalls als Geschäftsführer wirkt, sind nun auch Kritzners Söhne Georg und Martin in die Chefetage eingestiegen. Überzeugungsarbeit musste der Senior-Chef dafür nicht leisten. Für die Mitarbeiter ist es eine klare Botschaft: Es geht weiter. „Wir sind kein Auslaufmodell“, sagt Kritzner.

Die Aussichten für das Ingenieurbüro erscheinen rosig, allerdings weniger die Kapazitäten. Der Standort in Possendorf platzt sprichwörtlich aus allen Nähten. Die Bauüberwacher sitzen schon jetzt in einem Container auf dem Hof. Ein Zustand, den der Chef alsbald ändern will. „Wir sind mit der Gemeinde im Gespräch und suchen nach einer Lösung“, sagt Kritzner. Eigentlich lasse das 600 Quadratmeter große Grundstück kaum eine Erweiterung zu. Aber den Sitz für den Hauptstandort zu wechseln, sei auch nicht in seinem Sinn. Bevor dieses Problem gelöst ist, wird erst einmal gefeiert. Diese Woche Freitag lädt die Firmenspitze alle Kollegen und über hundert geladene Gäste anlässlich des 25-jährigen Firmenbestehens ins Kurländer Palais nach Dresden ein. Ein extra Dankeschön gibt es für die 45 Mitarbeiter obendrauf: Ende September geht es für ein paar Tage nach Mallorca.