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Weißwasser

Experten überprüfen Geopark

Nire Kagaya aus Japan und Richard Watson erkunden bis Mittwoch den Park. Von ihnen hängt ab, ob er das Siegel als Unesco-Geopark behält.

Dieses Schild vor dem Gasthaus Zur Linde weist auf das Eiszeitdorf Krauschwitz im Geopark Muskauer Faltenbogen hin.
Dieses Schild vor dem Gasthaus Zur Linde weist auf das Eiszeitdorf Krauschwitz im Geopark Muskauer Faltenbogen hin. © Foto: Sabine Larbig

Von Sabine Larbig

Bad Muskau. Groß ist die Anspannung. Geschäftsstelle, Trägervereine, Partner und Freunde des deutsch-polnischen Unesco Global Geoparks Muskauer Faltenbogen / Łuk Mużakowa – so der offizielle Name – tun zwar alles zur Parkentwicklung. 

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Doch von der Einschätzung der Besucher aus Japan und Irland hängt ab, ob es die richtigen Entscheidungen, Ziele und Projekte waren, die den Titel „Unesco-Geopark“ verdienen und ob alle damit verbundenen Aufgaben erfüllt werden. Immerhin sind Unesco-Geoparks Gebiete mit geologischen Stätten und Landschaften von internationaler geowissenschaftlicher Bedeutung. Sie fördern die Identifikation mit der Region, Tourismus und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, machen Herausforderungen des globalen Wandels in der Region zum Thema sowie das Kultur- und Naturerbe. Umgesetzt werden diese Aufgaben durch ganzheitliche Konzepte, die Bildung, Schutz und nachhaltige Entwicklung für Bewohner und Besucher erlebbar machen.

Im Muskauer Faltenbogen gibt es bereits viele Beispiele dafür. Sie reichen von Informationsstellen über Rad- und Wandertouren mit geprüften Geoparkführern, Aussichtspunkten wie in der polnischen Grube Babina, Bildungseinrichtungen und -angebote bis hin zu Broschüren für Erwachsene und Kinder sowie Informationstafeln im Faltenbogengebiet.

Eine Gemeinde, die mitten im Faltenbogen liegt und sich daher als Eiszeitdorf vermarktet, ist Krauschwitz. Hier gibt es den Geopfad Drachenberge, einen Freizeitpark mit Kletterfelsen auf dem einstigen Stadiongelände sowie eine geschichtliche Informationstour durch den Ort. Schließlich verdankt Krauschwitz seine Existenz dem Muskauer Faltenbogen und dessen Bodenschätzen, die durch die letzte Eiszeit entstanden und auf deren Grundlage sich Erzabbau, Hüttenwesen, Glasindustrie oder Töpferhandwerk entwickelten, die zu regionaler Wirtschaft beitrugen und noch heute beitragen. Selbst die Waldeisenbahn Muskau basiert auf den Schätzen des Faltenbogens, durch die ihre Züge fahren und den Park für Besucher erlebbar machen. All diese Beispiele sorgen dafür, dass der seit 2015 prädikatisierte Unesco-Geopark inzwischen jährlich rund 10 000 Touristen in die Region lockt, die sonst nicht kämen.

Seit 2018 mit einem Masterplan

In Krauschwitz freut man sich über diese Entwicklung und setzt in den Besuch der Experten große Hoffnung. Denn Bürgermeister Mönch geht, wie Amtskollegen und Geopark-Akteure in Bad Muskau, Weißwasser, Łęknica oder Klein Kölzig davon aus, dass der Muskauer Faltenbogen sein Prädikat behält. Auch weil es seit 2018 einen Masterplan für den Park gibt. 100 Seiten ist das Druckwerk stark – zuzüglich 60 Anlagen. Der Plan beschreibt, wohin für den Geopark Muskauer Faltenbogen die Reise bis 2028 geht. Mehrere Handlungsfelder sind dafür ausgewiesen und mit Kosten untersetzt. Beispielsweise in der Pflege und Bewahrung des Geotops, „damit die Menschen die Natur verstehen, aber auch Erholung finden“, wie es Nancy Sauer von der Geschäftsstelle des Geoparks bei der Präsentation des Masterplans formulierte. Weitere Schwerpunkte sind der Ausbau eines touristischen Radwegenetzes zur Förderung des Geotourismus, die Förderung nachhaltiger Bildung oder die Gründung eines Netzwerks für regionale Erzeuger mit Schaffung einer eigenen Dachmarke. Über alledem steht die bessere Vernetzung zu Polen. Umgesetzt werden sollen die Vorhaben mit 44 Objekten, für die 39 Millionen Euro bis 2028 ausgegeben werden sollen. Zu ihnen zählen die Errichtung eines Besucherzentrums im Kavalierhaus im Muskauer Park, wofür noch dieses Jahr ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben wird, sowie die Schaffung eines Informationspunktes im Bahnhof Weißwasser. Hinzu kommen Maßnahmen zur besseren Außendarstellung des Geoparks, beispielsweise durch Informationstafeln und Hinweisschilder.

Mehr als 200 Akteure haben an der Erarbeitung des Masterplans mitgewirkt: Vertreter von Kommunen, Vereinen und Verbänden, touristische Dienstleister, Geoparkführer aus Deutschland und Polen und auch viele Privatleute haben ihre Ideen eingebracht. Noch gibt es viel zu tun, um den Park bekannter zu machen und stärker ins Bewusstsein regionaler Einwohner sowie Handwerker, Erzeuger, touristischer Anbieter und Gastronomen zu rücken.

Letztlich ist die Geopark-Entwicklung ein stetiger Prozess, dessen Basis der Masterplan darstellt und gleichzeitig Grundlage für die Verlängerung des Unesco-Titels ist, der wiederum den Förderstatus und die Finanzierung der Vorhaben sichert. Profitiert vom Förderstatus hat Krauschwitz bereits mehrfach in den letzten Jahren. Aktuell kann die Gemeinde damit Info-Schilder in Deutsch, Polnisch und Englisch ergänzen. „Konkret betrifft es die Schilder am Drachenberg und am Stadion“, weiß Bürgermeister Rüdiger Mönch. Schilder mit dem Hinweis auf den Unesco-Geopark stehen inzwischen auch anderswo. Mit Unterstützung des Freistaates wurden diese unter anderem in Weißkeißel errichtet.

In zwei Tagen weiß man wohl mehr

All dies sind Beispiele, wie sehr sich die Region um den Unesco-Titel bemüht, dessen Erhalt nun vom Urteil der beiden Experten abhängt. Re-Evaluation nennt sich der Prozess im Fachjargon, bei dem die Überprüfung der Erfüllung der Aufgaben entsprechend den Unesco-Richtlinien erfolgt. Die offizielle Re-Evaluierung hat gestern begonnen und endet in zwei Tagen. In dieser Zeit werden die Kontrolleure Nire Kagaya und Richard Watson nicht nur Unterlagen und Berichte sichten und Gespräche mit Verantwortlichen und Akteuren führen, sondern auch ausgedehnte Touren durch das Faltenbogengebiet in Sachsen, Brandenburg und Polen unternehmen und dabei auch mit der Waldeisenbahn Muskau fahren, um sich persönlich Eindrücke und einen Überblick über das Erreichte und Geplante verschaffen zu können.

Dass im Vergleich zu 2015, als zuletzt das Prädikatssiegel überprüft wurde, bereits vieles verbessert wurde, wird den Kontrolleuren jedoch nicht verborgen bleiben. Die Hoffnung, dass der Titel für weitere fünf Jahre Bestand hat, ist berechtigt.

Der Aufbau des Geoparks begann 1998 als Projekt der Internationalen Bauausstellung Fürst Pückler. Im Jahre 2006 wurde der Muskauer Faltenbogen als Nationaler Geopark Deutschlands und 2009 als Nationaler Geopark Polens zertifiziert. 2011 folgte die Aufnahme als deutsch-polnischer Geopark in das Europäische Geopark Netzwerk (EGN) und die Anerkennung als Globaler Geopark im Jahr 2015 dann durch die Unesco.

Ausführliche Informationen zu Geopark, Ausflugszielen und Angeboten unter
www.muskauer-faltenbogen.de