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Experten vermuten Wolf zwischen Hartha und Mügeln

Mehrere Risse und Beobachtungen sprechen dafür. Das Landesamt für Umwelt sucht weitere Hinweise.

Der Tod von drei Damhirschen im Gehege Obergoseln wurde wie andere Fälle von Experten als Wolfsriss bestätigt.
Der Tod von drei Damhirschen im Gehege Obergoseln wurde wie andere Fälle von Experten als Wolfsriss bestätigt. © privat

Region Döbeln. Die Fälle scheinen sich zu häufen. Mit Stand vom 6. April sind bei der Fachstelle Wolf 42 gemeldete Schadensfälle an Nutztieren im Freistaat Sachsen eingegangen. 17 davon sind mit dem Vermerk „Wolf hinreichend sicher“ gekennzeichnet.

Darunter fallen Vorkommnisse in Obergoseln, wo Mitte März drei Hirsche gerissen wurden, Hartha (Damwild) und Mügeln (Schafe). Auch in Diedenhain bei Hartha vermuteten die Anwohner Ende Februar nach dem Riss von drei Schafen, dass der Wolf dafür verantwortlich zu machen ist. Diese Vermutung hatte sich jedoch nicht bestätigt. Nach Auffassung der Begutachter von der Fachstelle Wolf sei das Raubtier als Verursacher auszuschließen.

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Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie (Lfulg) hat nun eine Warnung herausgegeben. „In der Region zwischen Hartha im Landkreis Mittelsachsen und Mügeln im Landkreis Nordsachsen mehren sich die Hinweise darauf, dass sich dort aktuell ein Wolf aufhält. Auch wenn die Qualität der bisher bekannten Foto- und Videoaufnahmen noch keinen eindeutigen Beleg für einen Wolf liefern kann, so sprechen die Ergebnisse der in den letzten Wochen durchgeführten Begutachtung tot aufgefundener Nutztiere in der Region deutlich dafür“, heißt es in der Pressemitteilung des Landesamtes. Die geschulten Rissbegutachter hätten anhand der vorgefundenen Merkmale mehrfach mit hoher Sicherheit den Wolf als Verursacher festgestellt.

Die Bevölkerung wird dabei zur Mitarbeit aufgefordert. „Die Fachstelle Wolf wird die Situation weiter beobachten und erhofft sich, anhand weiterer Hin- und Nachweise in den nächsten Wochen mehr Klarheit darüber zu bekommen. Hinweise aus der Bevölkerung sind dabei eine wertvolle Unterstützung“, sagte Lflug-Pressesprecherin Karin Bernhardt. Wer einen Wolf oder ein wolfsähnliches Tier in der Region sichtet, solle das bitte bei der Fachstelle Wolf melden. 

Das ist per E-Mail über [email protected] oder per Telefon 035242 6318201 möglich.

Da in ganz Sachsen mit der Anwesenheit von Wölfen gerechnet werden muss, rät die Fachstelle Wolf insbesondere Haltern von Schafen, Ziegen und Gatterwild auf einen wirksamen Herdenschutz zu achten sowie die Schutzmaßnahmen regelmäßig auf Schwachstellen zu überprüfen. Stromführende Zäune mit einer Höhe von 90 bis 120 Zentimetern bieten einen wirksamen Schutz. Ein schmerzhafter Stromschlag schreckt den Wolf in der Regel ab. Festzäune hingegen bieten keinen sicheren Schutz. „Das hat sich insbesondere bei den Fällen um Hartha und Mügeln gezeigt, wo Zäune zum Teil trotz intensiver Ausbesserung überwunden wurden, wahrscheinlich durch Untergraben“, so Bernhardt. 

Tierhalter sollten deshalb besonders darauf achten, dass die Umzäunungen keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten. Ebenso müssen alle Seiten der Koppeln geschlossen sein. Offene Gräben oder Gewässer sind auszukoppeln. Sprunghilfen, wie zum Beispiel Holzstapel in geringem Abstand zur Zäunung, sind ein Tabu. Wo es möglich ist, sollte die Koppel nicht zu klein sein und ein ausgewogenes Längen-Breiten-Verhältnis aufweisen. So haben die Tiere selbst bei einem versuchten Übergriff genügend Platz zum Ausweichen und brechen in der Regel nicht aus.

Präventive Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe werden in Sachsen über die Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ gefördert. Der Fördersatz liegt bei 100 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Anspruch darauf haben Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern. 

Mehr Information dazu gibt es im Internet unter www.wolf.sachsen.de/schutz-von-nutztieren-4181.html.

Bei Fragen zu Herdenschutzmaßnahmen oder zur Präventionsförderung können sich Tierhalter auch direkt an den Herdenschutzbeauftragten Ulrich Klausnitzer wenden (Telefon 0151/50551465, E-Mail: [email protected]

Für die Meldung von Nutztierrissen, toten, verletzten oder auffälligen Wölfen in Sachsen gibt es eine kostenlose Hotline: 0800 555 0 666.

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