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Explosion in der Neugersdorfer Volksbank

Ein Unbekannter hat nachts in der Bank einen Sprengkörper gezündet. Dabei ließ er sich sogar filmen.

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© SZ Thomas Eichler

Von Romy Kühr

Ist es ein Dummer-Jungen-Streich gewesen oder ein ernst zu nehmender Angriff? Das versucht die Polizei derzeit zu einem unglaublichen Vorfall herauszufinden, der sich am vergangenen Wochenende in der Volksbank in Neugersdorf zugetragen hat. Ein Unbekannter hat dort einen Sprengsatz gezündet, wie jetzt bekannt wurde. Am 2. Mai gegen 1 Uhr nachts betrat ein Unbekannter die Hauptstelle der Volksbank Löbau-Zittau an der Hauptstraße in Neugersdorf. Er legte einen Sprengkörper in die Mitte des Vorraumes, in dem sich auch die Ein- und Auszahlautomaten befinden, zündete ihn an und flüchtete aus dem Gebäude. Das alles ist auf einem Überwachungsvideo gut zu sehen, wie Volksbankvorstand Wolfgang Zürn schildert.

Mitten in der Nacht blieb das aber zunächst unbemerkt. Erst in den frühen Morgenstunden am Sonnabend bemerkte eine Kundin, dass hier etwas nicht stimmte und informierte die Polizei. Sie hatte im Vorraum der Bank den Rauchgeruch wahrgenommen, bestätigt die Polizeidirektion Görlitz auf Nachfrage der SZ.

Die Volksbank hat aber noch mehr Schäden zu verzeichnen. Es handelte sich um einen großen Feuerwerkskörper. Und zwar um einen, der in alle Richtungen sprühte, erklärt Wolfgang Zürn. Deshalb sei der Schaden nach der Explosion recht groß, schildert er. Die Decke des Vorraumes hat jetzt ein Loch. Fliesen und Bankautomaten waren völlig verdreckt und mussten speziell gereinigt, die Automaten zudem komplett überholt werden. Jetzt sind sie aber wieder in Betrieb. Die Funken durchdrangen sogar die Abtrennung zum Schalterraum, die außerhalb der Öffnungszeiten geschlossen ist, und richteten dort Schaden an. „Ein Teppich im Beraterraum ist angebrannt“, so Zürn. Möglicherweise muss auch das Glas der Tür noch ersetzt werden. Beziffern kann Wolfgang Zürn den Schaden daher noch nicht. Besonders ärgerlich ist der Vorfall, weil die Bank erst vor Kurzem den Eingangsbereich und den Vorraum renoviert hatte. Auch eine neue Eingangstür ist eingesetzt worden. Erst vor gerade einmal zwei Wochen seien die Bauarbeiten abgeschlossen worden, so Bankchef Wolfgang Zürn. Angesichts des Ausmaßes sagt er: „Das ist wirklich kein Spaß mehr.“ Dennoch glaubt er an einen Dummen-Jungen-Streich. „Einen ziemlich kriminellen allerdings“, wie er sagt.

Dafür spricht auch die Tatsache, dass sich der Täter nicht sehr clever anstellte. So trug er bei seinem Angriff mit dem Feuerwerkskörper eine sehr auffällig schwarz-weiß-karierte Jacke. Außerdem hatte der vermutlich eher junge Mann eine dunkle Jeans und helle Schuhe an. Das Gesicht ist jedoch mit einem schwarzen Schal vermummt. Was der Täter wollte, bleibt bisher unklar. An den Geldautomaten jedenfalls hat er sich nicht zu schaffen gemacht und auch nichts gestohlen.

Zusätzlich zu den Ermittlungen der Kriminalpolizei hat die Volksbank sich jetzt selbst auf Zeugensuche gemacht. Auf ihrer Facebook-Seite bittet sie um Hinweise und lobt sogar eine Belohnung von 500 Euro aus für Hinweise, die zum Täter führen. Wird er gefunden, könnte ihm unter anderem auch ein Arbeitseinsatz als Strafe drohen. „Gern würden wir den Täter bei uns zum Beseitigen der Schäden begrüßen“, schreibt die Volksbank auf ihrer Facebook-Seite. Von Rechts wegen wird Sachbeschädigung mit Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren geahndet.

Die Polizei wollte gestern noch keine Angaben dazu machen, ob es bereits eine heiße Spur gibt. Nach SZ-Informationen gibt es aber schon erste Hinweise. Es sollen sich Zeugen gemeldet haben, die den Täter anhand der auffälligen Kleidung erkannt haben wollen.