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Extra Weißbrot für gute Freunde

Görlitz. Zehn junge Rumänen, die ungarisch sprechen, arbeiten mit deutschen Schülern an einer Ausstellung.

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Von Susan Ehrlich

When do you go to sleep every night?“, fragt Elisa-Sophie die beiden Jungs Mihai und Zsolt. Ein fröhliches Grinsen bekommt sie zurück und die beiden Wörter „very late“. Aber obwohl die Nächte offenbar kurz sind, wirken die jungen Leute ausgeschlafen. Morgens treffen sich alle im Jugendhaus „Wartburg“, um an ihrem Projekt weiterzuarbeiten: einer Ausstellung über den letzten bedeutenden ungarischen König Mathias Corvenius. Mihai Gyöngyösi, Zsolt Barna, Georgina Cracium und Zoltan Czina gehören zu einer Gruppe von zehn Rumänen im Alter zwischen 13 und 25 Jahren, die seit einer Woche zu Gast beim Görlitzer esta e. V. sind. Zusammen mit Elisa-Sophie, Laura, Robin, Tobias und weiteren Schülern vom Augustum-Annen-Gymnasium verbringen sie ihre Zeit in Görlitz und Umgebung. Mittelpunkt des Treffens ist die Vorbereitung der Corvenius-Ausstellung, die derzeit in der Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt zu sehen ist.

Die Verständigung ist nicht ganz einfach. Die jungen Rumänen gehören zur ungarischen Minderheit in ihrem Land und sprechen ungarisch. So hilft oft nur Englisch weiter, wenn man miteinander ins Gespräch kommen will. Denn nicht immer sind die drei Übersetzer greifbar. „Aber das klappt schon“, sagt Elisa-Sophie. Am Ende und mit Händen und Füßen komme schon raus, was rauskommen soll. Lockeres Geplänkel zwischen den Jugendlichen ist der Beweis. In mehreren Gruppen erarbeiten sie die Ausstellung.

Legenden und Fakten

Über Corvenius, der im 15. Jahrhundert lebte und regierte, gibt es viele Legenden, aber auch Fakten zu sammeln. So beschäftigen sich einige der jungen Leute mit der Biografie des Ungarn-Königs, tragen andere Märchen und Sagen zusammen, gehen wieder andere auf die Zeit der Renaissance ein und widmet sich eine Gruppe der Geografie, die sich mit Corvenius verbinden lässt. „Es geht darum, den doch eher unbekannten Herrscher in Görlitz vorzustellen“, sagt esta-Mitarbeiterin Catherine Langer; noch dazu, wo Corvenius sogar im Sommertheaterstück von der Pulververschwörung eine Rolle spielte.

Marina Preußner geht es um ganz andere Dinge. Sie ist die Köchin in der „Wartburg“ und tut ihr Bestes, um die Gäste zufrieden zu stellen. „Sie hat jetzt jeden Tag extra jemanden losgeschickt, um Weißbrot zu kaufen“, verraten die esta-Leute. Misch- oder dunkles Brot ist in Rumänien fremd. Auch an manch andere uns geläufige Speisen müssen sich die Jugendlichen gewöhnen. Beschwerden über das Essen habe sie jedoch nicht gehört, sagt die Köchin und hält an ihrem Speiseplan mit Gerichten wie Brühnudeln, Hefeklößen oder Krautrouladen fest. Bereits seit mehreren Jahren bestehen Kontakte des esta e. V. nach Rumänien. Begegnungen fanden vor allem in Oradea gleich hinter der ungarischen Grenze und in Klausenburg (Siebenbürgen) statt. Das Treffen jetzt sei aber etwas ganz Besonderes.

Noch drei Tage sind die jungen Gäste mit ihren Betreuern in Görlitz. Fast alle sind in Privatquartieren untergebracht und haben schon viel gesehen: die Stadt, den Oybin mit seiner Burgruine im Zittauer Gebirge, Dresden und das Görlitzer Ratsarchiv, wo Original-Urkunden aus der Corvenius-Zeit gezeigt wurden. Auch sportlich ging es heiß her. Und um noch mehr vom jeweils anderen zu erfahren, gehören ein ungarischer und ein deutscher Abend zum Programm.