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Facebook-Liebling darf kein Weihnachtsbaum sein

Bischofswerdaer wünschten sich die Tanne von Eveline Drechsel aus Burkau auf den Altmarkt. Es kam anders.

© Thorsten Eckert

Von Carolin Menz

Ein wenig enttäuscht ist die Burkauerin Eveline Drechsel schon. Sie hätte sich sehr gefreut, wenn ihr prächtiger Baum auf dem Bischofswerdaer Altmarkt geleuchtet hätte und mit großen Augen bewundert worden wäre. Wenn er anderen eine Freude gemacht hätte in der Weihnachtszeit, die sie selbst so liebt. Und letztlich wäre es für sie eine Erleichterung gewesen, wenn Mitarbeiter des Bischofswerdaer Bauhofs ihn abgesägt und abtransportiert hätten – so wie sie es immer tun mit den Bäumen, die gespendet werden. Denn Eveline Drechsels Baum ist nicht nur prächtig. Er ist auch mächtig. Und so leider auch eine Nummer zu groß für den Schiebocker Altmarkt. Deshalb durfte er kein Weihnachtsbaum sein – obwohl ihn die Bischofswerdaer bei der Abstimmung auf der städtischen Facebookseite auf den zweiten Platz wählten. Nach der Absage des Erstplatzierten – laut Facebook-Kommentar litten dessen Besitzer wohl unter Trennungsängsten – sollte der Burkauer der für Schiebock sein. Doch es blieb beim theoretischen guten Willen. Praktisch hätte er niemals in die Hülse auf dem Altmarkt gepasst.

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Ob ein Baum als Weihnachtsbaum überhaupt geeignet ist, entscheidet meist das routinierte Bauchgefühl von Bischofswerdas Bauhofleiter Sven Ganze. Doch diesmal sah er sofort: Das wird nix. „Der Stamm ist im Durchmesser gut 70 Zentimeter“, sagt er. Er hätte ihn um die Hälfte verjüngen müssen, damit er samt stabilisierenden Keilen in die Hülse passt. Der dünnere Stamm der übrig geblieben wäre, hätte unmöglich die gesamte grüne Pracht halten können – die Standsicherheit wäre gefährdet gewesen. Sven Ganze muss unbedingt ausschließen, dass der Weihnachtsbaum zum Sicherheitsrisiko wird, umfällt oder gar Menschen verletzt.

Eveline Drechsel versteht das – natürlich. Doch das von ihr beschlossene Ende der Tanne wäre ein würdiges als festlich geschmückter Weihnachtsbaum gewesen. Und auch für sie ein schöner Abschied von diesem liebgewonnenen Baum, den sie gemeinsam mit ihrem bereits verstorbenen Mann kurz nach dem Einzug in das Haus vor genau 30 Jahren pflanzte. Er wuchs und wuchs und begleitete Familie Drechsel. „Irgendwann haben wir verpasst, ihn zu fällen“, sagt sie.

Nun also gibt sie ihrem Nadelriesen noch etwas Zeit. Doch Eveline Drechsel ist wild entschlossen, die Tanne fällen zu lassen. Bischofswerdas Bauhofleiter Sven Ganze hat seine Hilfe angeboten – auch wegen der Querelen um die diesjährige Weihnachtstanne, wie er sagt. Für ihn wäre es ein Leichtes, er hat Routine: Er würde die Baumspitze an den Kran hängen, den Stamm durchsägen und die Tanne auf den Transporter legen. Wie immer. Eveline Drechsel überlegt sich das – nach Weihnachten. Erst einmal genießt sie die Adventszeit. Mit einem Bäumchen im Wohnzimmer, das ein paar Nummern kleiner ist.