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Fähre in Gefahr

Die „Stolzenfels“ muss in die Werft. Doch die Gemeinde zögert. Das hat seinen Grund. Und mögliche Konsequenzen.

© hübschmann

Von Jürgen Müller

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Wieder gibt es Sorgen mit der Fähre in Diera-Zehren. Diesmal ist es nicht die Wagenfähre, sondern das Personenschiff „Stolzenfels“, das zwischen Niederlommatzsch und Seußlitz verkehrt. Die Fähre ist nicht nur nach Ansicht von Gemeinderat Lutz Wagner (Neue Wählergemeinschaft Diera-Zehren) in Gefahr. Denn die stolze „Stolzenfels“ hätte schon vor einem halben Jahr zur Revision auf die Werft gemusst. Das ist in etwa vergleichbar mit der technischen Überprüfung beim Auto. Ohne TüV-Marke geht nichts mehr. Bei der „Stolzenfels“ wird mit Kosten der Revision von rund 70 000 Euro gerechnet. Unter anderem müssen der Motor und der Wasserkreislauf erneuert werden. Verantwortlich dafür ist der Eigentümer des Schiffes, also die Gemeinde Diera-Zehren. Doch die hat die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeiten bisher hinausgeschoben. Die Ausnahmeverlängerung läuft am 30. Juni dieses Jahres aus. War das Schiff bis dahin nicht zur Revision, muss es an Land, darf nicht mehr fahren, nicht mal zur Werft. Wagner fürchtet nun, dass der Fahrbetrieb zeitweise eingestellt werden muss. „Die Arbeiten an dem Schiff werden ein bis zwei Monate dauern. So lange wird es also keinen Fährbetrieb geben, wenn es kein Ersatzschiff gibt. Warum werden die Arbeiten jetzt nicht im Januar und Februar ausgeführt, wo weit weniger Passagiere befördert werden als in der Hochsaison im Sommer“, fragt der Gastwirt aus Niederlommatzsch. Er räumt ein, dass sein Betrieb von den Fährfahrten sehr profitiert, wie andere, beispielsweise der Elbepark Hebelei auch. „Neben dem Tierpark ist die Fähre das touristische Highlight in unserer Gemeinde“, sagt Wagner. Ein Ausfall des Fährbetriebes beispielsweise in der Spargelzeit wäre für ihn, aber auch für andere, eine Katastrophe. „Wir haben noch keine Fördermittel. Die müssen erst auf das Jahr für 2015 übertragen werden“, gibt Bürgermeisterin Carola Balk (parteilos) als Begründung an, warum das Schiff noch nicht zur Revision gebracht wurde. Doch es gibt noch einen anderen Grund. „Es kommt darauf an, ob der Vertrag für den Fährbetrieb verlängert wird“, sagt sie. Dieser Verkehrsvertrag der Gemeinde mit dem Landkreis und der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) läuft Ende des Jahres aus. Schon jetzt hat der Landkreis angekündigt, die Zuschüsse zu kürzen. Dann müsste die Gemeinde Diera-Zehren für einen Teil der Betriebskosten aufkommen, so wie es jetzt schon Coswig und Klipphausen für die dortige Fähre tun. Sie zahlen jeweils 10 000 Euro Zuschuss pro Jahr. Diera-Zehren will das aber nicht. Zwar hat sich der Gemeinderat zum Betrieb beider Fähren – also auch der Wagenfähre – bekannt, Geld bezahlen für den laufenden Betrieb will er aber nicht. Und offensichtlich will man keine 70 000 Euro für die Revision des Schiffes ausgeben, wenn noch gar nicht klar ist, ob es 2016 noch fährt.

Dass die Verträge fortgesetzt werden, ist hingegen beschlossene Sache. „Der Landkreis hat sich zu allen Fähren als wichtiges touristisches Angebot im Landkreis bekannt“, sagt Kerstin Thöns, Sprecherin der Kreisverwaltung. Wie die Verträge allerdings künftig ausgestaltet werden, müsse der Kreistag entscheiden.

Geld spart die Gemeinde übrigens nicht, wenn sie das Schiff ein Jahr später zur Revision bringt. Denn die hat dann nicht mehr eine Gültigkeit von fünf Jahren, sondern nur noch von vier.

Auf den Kosten für die Revision bleibt die Gemeinde nicht sitzen. Der ihr laut Verkehrsvertrag zustehende Zuschuss des Landkreises für den Fährbetrieb ist höher als die Kosten, die die Gemeinde an die VGM für den laufenden Betrieb weiterreichen muss. Das überschüssige Geld muss für die Revision zurückgelegt werden.

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