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Fähre bleibt auf dem Trockenen

Mitte Juni sollte das Schiff wieder die Elbe zwischen Niederlommatzsch und Seußlitz überqueren. Doch es gibt neue Probleme.

Die Fähre "Stolzenfels" sitzt noch immer auf dem Trockenen und wird derzeit repariert.
Die Fähre "Stolzenfels" sitzt noch immer auf dem Trockenen und wird derzeit repariert. © Claudia Hübschmann

Diera-Zehren/Diesbar-Seußlitz. Auf diesen Termin haben Wanderer, Radtouristen, nicht zuletzt aber auch Gastwirte und Mitarbeiter des Elbetierparks Hebelei sehnsüchtig gewartet. Mitte Juni solle die Personenfähre "Stolzenfels" wieder zwischen Niederlommatzsch und Seußlitz verkehren. Doch das Schiff befindet sich immer noch auf einer Werft in Meißen zur alle fünf Jahre vorgeschriebenen Landrevision.  Am 5. März war das sogenannte Fährzeugnis ausgelaufen. Eine Verlängerung der Frist um sechs Monate, welche die Gemeinde Diera-Zehren als Eigentümer des Fährschiffes beantragt hatte, wurde von der Schiffuntersuchungskommission in Magdeburg abgelehnt.

Untersuchungstermin Ende August

Seit Wochen nun liegt das Schiff in Meißen auf Trockendock. Es hätte fertig sein können, doch es gibt neue, nicht vorhersehbare Probleme. Der Turbolader des Motors ist defekt. Bisher ist es nicht gelungen, das Ersatzteil aufzutreiben. Bereits vor drei Wochen wurde es bestellt. Wann das Teil geliefert wird, kann derzeit nicht gesagt werden. "So ein Ersatzteil gibt es nicht im Laden. Im Grunde ist jeder Schiffsmotor ein Unikat", sagt Herms Gruber von der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM), welche die Fähren im Landkreis Meißen  betreibt.

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Und es gibt weitere Probleme. Das Schiff muss gestrichen werden, insgesamt sind fünf Anstriche nötig. Bisher gibt es erst einen. "Wegen der zwar warmen, aber feuchten Witterung trocknet die Farbe sehr langsam", so Herms Gruber. Doch selbst wenn das Ersatzteil geliefert und eingebaut und alle fünf Anstriche getrocknet sind, gibt es nicht gleich ein neues Fährzeugnis für die "Stolzenfels". Der Grund: Auch die Schiffsuntersuchungskommission hat wegen Corona nicht gearbeitet, weil es da ja Kundenkontakte gegeben hätte. "Uns wurde mitgeteilt, dass der früheste Termin für die Untersuchung der 20. August ist", so Gruber. Auch eine andere Hoffnung hat sich zerschlagen. Das Bundesministerium hatte nämlich entschieden, dass wegen Corona die Bundesschiffsuntersuchungskommission das Fährzeugnis auch ohne Untersuchung verlängern kann. Der Haken an der Sache: Das gilt nur für Schiffe, deren Zeugnis nach dem 15. März auslief. Für die "Stolzenfels" sind das neun Tage zu wenig. Deren Zeugnis galt nur bis zum 6. März. 

Die VGM hat nun einen Kompromiss ausgehandelt. Wenn das Schiff fertig ist, bekommt es ein vorläufiges Fährzeugnis. Damit könnte es bis zu Untersuchung am August erst einmal wieder eingesetzt werden. Doch wann das soweit ist, steht in den Sternen. Herms Gruber kann und will sich nicht auf einen neuen Starttermin festlegen. Ursprünglich war geplant, dass das Schiff zu Himmelfahrt wieder einsatzbereit ist. 

"Noch nie solchen Stress gehat"

Eine Alternative gäbe es theoretisch. Das Fährschiff "Kötitz'", das der Stadt Coswig gehört, könnte vorübergehend nach Niederlommatzsch geholt und eingesetzt werden. Praktisch weigert sich Coswig aber. Das kleine Fährschiff "Einheit", das früher aus Riesa ausgeliehen wurde, ist inzwischen außer Dienst gestellt und verkauft worden.

Gleichzeitig mit der Fähre wurden auch die Pontons aus dem Wasser geholt und aufgearbeitet. Auch diese sind noch nicht ganz fertig, müssen noch einmal gestrichen werden. Aber selbst wenn alles fertig ist, gibt es ein weiteres Problem. Es müssen ein spezieller Tieflader aus Dresden und ein Kran angefordert werden. Dieser sehr niedrige Tieflader ist nötig, damit die Fähre unter Ampeln und Brücken hindurch transportiert werden kann. Herms Gruber ist ob der Probleme genervt: "Einen solchen Stress wegen der Fähre hatten wir noch nie", sagt er.

In der jetzigen Situation zeigt sich schmerzlich, wie sehr die Wagenfähre zwischen Zehren und Kleinzadel fehlt. Deren Betrieb wurde aus Kostengründen vor Jahren eingestellt. Jetzt wäre sie eine Alternative gewesen. Doch deren Fährzeugnis ist schon lange ausgelaufen. Um sie und die Pontons wieder fahrtauglich zu machen und ein neues Fährzeugnis zu erlangen, wären mehr als 400.000 Euro notwendig.  

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