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Riesa

Deshalb bleibt das Fährunglück rätselhaft

Im Fall der von einem Schubverband gerammten Fähre von Belgern ermittelt jetzt die Riesaer Wasserschutzpolizei.

Da war sie noch ganz: die Gierseilfähre von Belgern aus der Luftperspektive. Am Sonntag hatte ein Schiff die Fähre gerammt.
Da war sie noch ganz: die Gierseilfähre von Belgern aus der Luftperspektive. Am Sonntag hatte ein Schiff die Fähre gerammt. © wikimedia.org, Nutzer Zeppelubil/Th. Haft/Torgau,

Belgern/Riesa. Nach dem Zusammenstoß eines tschechischen Schubverbands mit der Elbfähre in Belgern laufen die Ermittlungen durch die Wasserschutzpolizei Riesa. Nach Auskunft eines Polizeisprechers war der talwärts – also flussabwärts – fahrende Schubverband vorn links mit der Gierseilfähre zusammengestoßen, die sich gerade auf einer Überfahrt befand. „Mehrere Personen und zwei Fahrzeuge waren mit der Fähre unterwegs, verletzt wurde aber niemand“, so Sprecher Sebastian Diebel.

Allerdings wurde die Fähre so stark beschädigt, dass das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Torgau die Weiterfahrt vorläufig untersagt hat. Die Fähre liegt seitdem an der rechten Elbseite fest. Die Höhe des Schadens ist noch offen. Während er bei der Fähre erheblich sein dürfte, sei der Schubverband mit minimalen Schäden davon gekommen: Da gehe es wohl nur um einen Kratzer. Nun ermittelt die Wasserschutzpolizei zur Unglücksursache in alle Richtungen.

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Grundlage ist dabei die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung. Dort heißt es in Paragraf 6.23, dass eine Fähre eine Wasserstraße nur dann überqueren darf, wenn sie sich vergewissert hat, dass der übrige Verkehr eine gefahrlose Überfahrt zulässt und ein anderes Fahrzeug nicht gezwungen wird, unvermittelt Kurs oder Geschwindigkeit zu ändern. Demnach hätte die Fähre erst den Schubverband durchlassen müssen. 

Allerdings gibt es auch noch Paragraf 17.22: Danach muss ein Schiff, das sich einer Seilfähre nähert, rechtzeitig vorher ein Signal „Achtung“ geben. Das entspricht einem Warnton von vier Sekunden Länge. Darauf dürfe man nur verzichten, wenn Schiffs- wie Fährführer sich zuvor per Funk abgesprochen haben. Und drittens gilt die Regel, dass ein Schiff erst dann an einer Seilfähre vorbei fahren darf, wenn die an ihrem ständigen Liegeplatz stillliegt.

Ein aus einem wartenden Auto offenbar zufällig zum Unfallzeitpunkt aufgenommenes Video zeigt, dass die Fähre mitten auf der Elbe ist, als sie gerammt wird. Bislang lässt sich laut Polizei nicht sagen, welcher Schiffsführer wie viel Schuld an dem Vorfall trägt. 

„Wenn die Ermittlungen in Riesa abgeschlossen sind, geht die Akte an die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Magdeburg“, sagt Sebastian Diebel. Als zuständige Bußgeldbehörde entscheide diese Institution über ein Bußgeld – und könne – wenn nötig – auch ein Schiffsführerpatent entziehen.

Immerhin: Alkohol war bei dem Unfall nicht im Spiel. Beide Schiffsführer hatten nach dem Zwischenfall am Sonntag pusten müssen – mit negativem Ergebnis. Ein Tempoverstoß liegt auch nicht vor: Im sächsischen Teil der Elbe gilt lediglich im Dresdner Stadtgebiet ein Tempolimit. Am Montag soll ein Sachverständiger den Schaden auf der Fähre begutachten.

Wie die Polizei mitteilt, war nach dem Unfall Hydrauliköl auf das Deck der Fähre ausgelaufen. Dieses konnte durch die Feuerwehr Belgern gebunden und gesichert werden. Die Wasserschutzpolizei konnte nicht feststellen, ob dabei auch Öl in die Elbe gelangte.

Ein Unfall dieser Art scheint jedenfalls eine absolute Seltenheit zu sein: Bei den drei flussaufwärts anschließenden Fähren in Strehla, Riesa und Niederlommatzsch kann sich niemand an einen ähnlichen Vorfall erinnern. Und auch der sächsischen Wasserschutzpolizei sind keine ähnlichen Zusammenstöße in den vergangenen Jahren bekannt.

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Ein tragisches Unglück mit einer Gierseilfähre hatte es allerdings 2016 in Rathen gegeben: Dort hatte sich ein Stehpaddler an dem quer über den Fluss verlaufenden Seil der Fähre verfangen, war von der Strömung unter Wasser gedrückt worden und ertrunken.

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