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Fällt das Tempo 30 am Waldschlösschen?

Was Kraftfahrer schon sechs Jahre ärgert, lohnt sich für die Stadt. Doch noch ist offen, ob die Blitzer bleiben. 

Die Waldschlößchenbrücke wird gut genutzt. Über elf Millionen Autos und mehr als eine Million Radfahrer rollen im Jahr darüber.
Die Waldschlößchenbrücke wird gut genutzt. Über elf Millionen Autos und mehr als eine Million Radfahrer rollen im Jahr darüber. © René Meinig

Vor sechs Jahren wurde die Waldschlößchenbrücke feierlich übergeben. Am 24. und 25. August 2013 testeten 190 000 Besucher die neue Elbquerung, bevor sie einen Tag später freigegeben wurde. Seitdem wird sie immer besser genutzt. Fuhren nach der Eröffnung rund 24 000 Autos täglich darüber, waren es jetzt laut jüngster Statistik selbst während der Sommerferien im vergangenen Monat noch 36.000.

Allerdings gilt im Sommerhalbjahr ein nächtliches Tempo-30-Limit, das von Blitzern überwacht wird. Damit soll vor allem die seltene Fledermausart Kleine Hufeisennase geschützt werden. Denn Fachleute gehen davon aus, dass die Fledermäuse das Dresdner Elbtal als Transferroute zwischen den Kolonien in Meißen und Pillnitz nutzen. Eine Idee der Stadt war das nicht. Vor dem Baubeginn der Brücke war dies vom Oberverwaltungsgericht Bautzen festgelegt worden. Fledermäuse fliegen zwar unter Brücken hindurch. Sollte sich im Fall der Fälle jedoch einmal ein Tier verirren, könnte es bei 30 km/h aufgrund seiner extrem kurzen Reaktionszeit ausweichen.

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Allerdings ist auch das Tempolimit auf dem Prüfstand, da das Bundesverwaltungsgericht im Juli 2016 die Baugenehmigung für die Brücke gekippt hatte. Deshalb muss die Umweltverträglichkeit nach der strengen EU-Richtlinie für Flora-Fauna-Habitate geprüft werden. Das ist die Chance für eine Änderung der Beschränkung. Das Kieler Institut für Landschaftsökologie hat jetzt die nötigen Prüfungen abgeschlossen und Ende Juli der Stadt vorgelegt, erklärt Straßenbauamtschef Robert Franke.

 „Diese Unterlagen werden jetzt von uns geprüft“, sagt er. Bis Anfang nächsten Jahres soll die Baugenehmigung, die sogenannte Planfeststellung, bei der Landesdirektion beantragt werden. „Wir gehen von circa 1,5 Jahren Verfahrensdauer aus“, erläutert Franke. Dann wird festgelegt, welche zusätzlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für den Brückenbau noch nötig sind. Festlegungen, ob das Tempolimit kippt oder nicht, wird es Franke zufolge auch erst mit dem Ende dieses Planfeststellungsverfahrens geben.

Die Einträglichen

© Sven Ellger

Die zum Schutz der Fledermäuse aufgestellten Blitzer zahlen sich für die Stadt aus. Seit der Brückeneröffnung zahlten zu schnelle Kraftfahrer schon über 3,6 Millionen Euro Verwarnungs- und Bußgelder, teilt das Ordnungsamt mit. Geblitzt wurden über 110 000 Temposünder. Das schnellste Auto fuhr im Oktober 2018 nach Abzug der Toleranz 117 Stundenkilometer, 87 km/h schneller als erlaubt. Es fuhr nachts aus dem Neustädter Tunnel in Richtung Altstadt. (SZ/phi)

Die Störanfälligen

© Norbert Neumann

Extra für die Waldschlößchenbrücke wurden LED-Lichtleisten konstruiert, die in den Geländerinnenseiten eingebaut sind. Das war ein Teil des Kompromissvorschlages, um den Unesco-Welterbetitel zu retten, der später aberkannt wurde. Doch die Technik ist sehr störanfällig. Von den 1 322 Lichtleisten sind seit der Eröffnung bis Mitte dieses Jahres 426 ausgefallen. Sie wurden ausgetauscht. Die neu montierten Lichtleisten sind bisher nicht ausgefallen, so Franke. (SZ/phi)

Die Ärgerlichen

© René Meinig

Bereits seit der Eröffnung rollen Kraftfahrer über welligen Gussasphalt. Bis zu vier Millimeter sind zulässig. An einigen Stellen ragen die Spitzen jedoch acht bis zwölf Millimeter empor. Deshalb wurden der Baufirma rund 10 000 Euro von der Rechnung abgezogen. Die Stadt hat prüfen lassen, ob die Wellen aus dem sehr dichten und haltbaren Gussasphalt herausgewalzt werden. Das ist aber kaum der Fall. Also rollen Autos auch künftig über die Brückenwellen. (SZ/phi)

Die Nachwachsenden

© René Meinig

Links und rechts der Waldschlößchenbrücke stehen 350 Meter lange Strauchreihen, die Fledermäuse während der Flugsaison sicher unter dem Bauwerk hindurchleiten sollen. Die Purpurweiden- und Schneeballsträucher sind seit der Pflanzung sehr gut gewachsen. Deshalb rückten Anfang dieses Jahres Stadtmitarbeiter an, um die Hälfte der Hecken zurückzuschneiden. Ist dieser Teil nachgewachsen, kommt in drei Jahren die andere Heckenhälfte dran. (SZ/phi)

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