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Corona: Schulschwimmen fällt ins Wasser

Schwimmunterricht an Grundschulen findet nicht mehr statt. Das bedauern viele. Wird der Ausfall nachgeholt?

Das Schulschwimmen an den Grundschulen fällt aufgrund von Corona ins Wasser.
Das Schulschwimmen an den Grundschulen fällt aufgrund von Corona ins Wasser. © Archivfoto: Lutz Weidler

Auf dem Lehrplan der zweiten Klassen der Grundschulen in Sachsen steht eigentlich Schwimmunterricht. Aber in Corona-Zeiten gelten andere Regeln. Das bestätigt Lutz Reinhold, Leiter der Lessinggrundschule in Pirna. Seit der Schulschließung im März findet kein Schulschwimmen statt. "Seit dem 18. Mai werden alle Schüler wieder unterrichtet, aber nur in den Kernfächern", sagt der Schulleiter. 

Der Großteil der Zweitklässler an seinem Institut erhält dennoch das Schwimmzeugnis, das gemeinsam mit dem eigentlichen Zeugnis am Schuljahresende ausgegeben wird. Falls jetzt ein Kind diese Befähigungsbescheinigung nicht bekäme, seien auch die Eltern gefragt, meint Reinhold.  

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Das sieht seine Kollegin Isolde Dlabola ähnlich. Sie ist Leiterin der Grundschule Rosenstraße in Sebnitz. Schwimm- und Sportunterricht findet nicht statt. "Das kann auch in der dritten Klasse nicht nachgeholt werden, wegen der personellen Ressourcen", erklärt Dlabola. Sie persönlich ist der Meinung, dass die Eltern jetzt in der Verantwortung stünden, um bei Bedarf das Erlernen des Schwimmens ihrer Kinder abzusichern.

Ganz entspannt zurücklehnen kann sich hingegen Silke Nitschel, Leiterin der Grundschule Ludwig Richter in Freital. Die zwei zweiten Klassen an ihrem Institut haben bereits im ersten Halbjahr in Doppelstunden den Schwimmunterricht komplett absolviert. "Wir haben Glück gehabt. Und ich bin sehr froh, dass alle unsere 54 Zweitklässler ihr Schwimmzeugnis erhalten", betont Nitschel. 

Unterdessen bestätigt das sächsische Kultusministerium, dass aufgrund der Corona-Schutzverordnungen der Schwimmunterricht an den Grundschulen ausfällt. Die Behörde scheint sich der Brisanz bewusst zu sein.  "Wir arbeiten gerade an Lösungen, den versäumten Schwimmunterricht in der 3. Klasse oder spätestens bis zum Ende der Grundschulzeit nachzuholen. Dabei müssen wir natürlich auch das weitere Pandemiegeschehen im Blick behalten und die damit einhergehenden Regelungen zu den notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen", erklärt Pressesprecher Dirk Reelfs. Einen Schwimmnachweis erhalten die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen, die am Schwimmunterricht teilgenommen haben. "Es erfolgt die Ist-Stand-Erfassung zum 18. März 2020", präzisiert Reelfs.

Eltern in der Verantwortung

Persönlich betroffen ist die Kreiselternsprecherin Franziska Feldmann aus Pirna. Ihr Kind besucht derzeit die zweite Klasse. "Ich finde es sehr schade, dass die Kinder keinem Schwimmunterricht nachgehen können. Jedoch hat die Gesundheit der Kinder, des Personals und der Bevölkerung oberste Priorität. Von daher ist die Entscheidung nachvollziehbar", argumentiert Feldmann. 

In Übereinstimmung mit den bereits zitierten Schulleitern sieht sie daher die Eltern in der Pflicht, ihre Kinder beim Erlernen des Schwimmens zu fördern, entweder durch Schwimmkurse oder selbst in Familie.  Allerdings gebe  es dabei einen Haken, wie sie freimütig bekennt. "Ich selber habe festgestellt, dass es nicht einfach ist, einen Platz im Schwimmkurs zu erhalten. Auch der Preis ist nicht unerheblich. Vielleicht könnten die Kommunen eine finanzielle Unterstützung geben", regt sie an.

Für Feldmann wäre es eine gute  Alternative, wenn der Schwimmunterricht im kommenden Schuljahr nachgeholt würde. Allerdings stelle sich dabei die Frage nach der Umsetzung. In diesem Zusammenhang weist sie darauf hin, dass der Lehrplan für die dritten Klassen ohnehin relativ voll sein wird.  "Schwimmen im Allgemeinen finde ich wichtig. Wir hören und sehen viel zu oft Berichte von Ertrunkenen im See oder Meer. Von daher ist es unabdingbar, dass die Kinder schwimmen können und lernen, ihre Kräfte beim Schwimmen einzuteilen", fasst die Elternsprecherin ihre Grundeinstellung zu dem Thema zusammen. 

Noch freie Plätze im Schwimmkurs

Dieser Ansicht ist auch Aron Sachse, Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) Obere Elbe in Pirna. Er bedauert den Ausfall des Schulschwimmens in Sachsen. "Das Unterrichtsfach in der zweiten Klasse ist wichtig. Unser Bundesverband hat festgestellt, dass wir uns immer mehr zum Nichtschwimmerland entwickeln. Eine gefährliche Tendenz", sagt Sachse. Dass die DLRG vor Ort den jetzt ausfallenden Schwimmunterricht mit mehr Schwimmkursen auffangen könne, sieht er jedoch nicht. "Wir bieten derzeit zwei Schwimmkurse in Pirna an, die voll belegt sind. Mehr würde personell gar nicht gehen", betont der DLRG-Vorsitzende.

Besser sieht es im Albert-Schwarz-Bad in Heidenau aus. Während der Sommerferien werden dort mehrere Schwimmkurse angeboten. "Wir verzeichnen in den vergangenen Tagen eine höhere Nachfrage, was vielleicht ja mit dem Ausfall des Schulschwimmens zusammenhängt. Es gibt aber noch freie Plätze ", sagt Badmitarbeiter Tim Kadner. Auch die Volkshochschule (VHS) Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bietet Schwimmlernkurse für Kinder ab sechs Jahren an. Jedoch starten diese Kurse regulär erst nach den Sommerferien im Geibeltbad in Pirna, informiert VHS-Geschäftsführer Andree Klapper.  

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