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Fahren bald Elektrozüge durchs Müglitztal?

Der Verkehrsverbund Oberelbe möchte die Dieseltriebwagen ersetzen. Doch das ist nicht einfach.

Der Talent 3 Batteriezug der Firma Bombardier soll die Dieseltriebwagen vom Typ Desiro ablösen. Zurzeit befindet sich der neue Fahrzeugtyp noch in der Test- und Zulassungsphase.
Der Talent 3 Batteriezug der Firma Bombardier soll die Dieseltriebwagen vom Typ Desiro ablösen. Zurzeit befindet sich der neue Fahrzeugtyp noch in der Test- und Zulassungsphase. © Foto: PR

Noch fahren die Pendler in Dieseltriebwagen auf den Bahnstrecken zwischen Altenberg, Glashütte, Kamenz, Neustadt, Königsbrück und Dresden. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) möchte das ändern. In Zukunft sollen diese Fahrzeuge gegen elektrobetriebene Fahrzeuge ausgewechselt werden. Erste Ideen dazu veröffentliche der VVO im Sommer 2018. Die Sächsische Zeitung hat nachgefragt und erklärt, was aus diesen Ideen geworden ist und wann sie realisiert werden.

Welche Fahrzeuge sollten auf den Strecken zum Einsatz kommen?

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Die Dieseltriebwagen des Typs Desiro könnten – so erste Überlegungen – durch den Batterietriebzug Talent 3 ersetzt werden. Dieser Fahrzeugtyp des Eisenbahnfahrzeugherstellers Bombardier kann unter Oberleitung als Elektrotriebzug und auf oberleitungsfreien Strecken im Batteriebetrieb fahren. „Ist der Zug auf einer elektrifizierten Strecke unterwegs, lädt er über den Stromabnehmer auf dem Dach die Akkus auf“, beschreibt Stefan von Mach das Prinzip. Er arbeitet für Bombardier federführend an diesem neuen Fahrzeugtyp. „Wenn der Zug dann ohne Oberleitung weiterfahren muss, nutzt er die gespeicherte Energie für den Antrieb.“

Gibt es diese Batterietriebzüge bereits und wo sind sie unterwegs?

Ja. Den Talent 3 Batteriezug von Bombardier Transportation gibt es bereits. Er befindet sich aktuell in der Test- und Zulassungsphase. „Wir rechnen damit, dass er im ersten Halbjahr 2020 die Zulassung erhält. Anschließend wird die Erprobung im Passagierbetrieb im Raum Ulm erfolgen“, sagt Unternehmenssprecher Jörn Bischoff.

Wäre es nicht einfacher, die Strecken zu elektrifizieren?

Nein. Die Kosten für eine Elektrifizierung sind sehr hoch, sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper. In der Regel müssten pro Kilometer Bahnstrecke rund eine Million Euro ausgegeben werden. Beim VVO hofft man, dass irgendwann die gut ausgelastete Strecke Dresden – Kamenz elektrifiziert wird. Das soll im Rahmen des Ausbaus der Strecke Dresden – Görlitz passieren, sagt Schlemper. Auf den hofft nicht nur der VVO, sondern auch der benachbarte Verkehrsverbund Zvon.

Wie schneiden E-Fahrzeuge im Vergleich zu Dieseltriebwagen ab?

Der Einsatz von batteriebetriebenen Fahrzeugen hat laut Schienenfahrzeughersteller Bombardier mehrere Vorteile. Die Gesamtbetriebskosten eines Batteriezuges liegen demnach deutlich unter denen von konventionellen Dieselzügen. Durch den Einsatz von Batterietriebwagen reduziert sich auch der Kohlendioxid-, Stickstoffoxid- und Partikelausstoß. Zudem sind Batteriezüge leiser als Dieselantrieben.

Wann sollten die neuen Fahrzeuge im jetzigen Dieselnetz fahren?

Angedacht war, dass die Züge neuen Typs ab 2024 auf den Nebenstrecken rund um Dresden fahren. Auf dieses Szenario hatte sich der VVO eingestellt, falls eine Machbarkeitsstudie dies möglich erscheinen ließ. Die Studie wurde 2018 in Auftrag gegeben. Forscher der Technische Universität Berlin sollten mit Experten von Bombardier ausloten, was getan werden muss, um Fahrzeuge mit einem batterieelektrischen Antrieb auf den Strecken fahrenzulassen. „Da der Streckenabschnitt Heidenau – Dresden-Klotzsche bereits elektrifiziert ist, kann der Einsatz solcher Fahrzeuge sinnvoll sein“, erläuterte Burkhard Ehlen, Geschäftsführer des VVO zum Auftakt der Studie. „Zudem strebt der Freistaat Sachsen in der Zukunft einen weiteren Ausbau der Elektrifizierung an“, ergänzte er. Mit der Machbarkeitsstudie sollten die Wirtschaftlichkeit der neuen Technologie und die mögliche Umsetzung aufgezeigt werden. Seit diesem Sommer liegt die Studie vor. „Unsere Fachleute werten sie aus“, sagt Schlemper. Erste Ergebnisse werden in den nächsten Wochen veröffentlicht.

Warum muss der VVO seinen Plan verschieben?

Der VVO vergibt das Dieselnetzes für je zehn Jahre. Bis 2024 hatte sich die Städtebahn Sachsen den Zuschlag gesichert. Nachdem das Unternehmen in diesem Sommer in wirtschaftliche Schwierigkeiten kam, musste sich der VVO nach einem Unternehmen umsehen, das kurzfristig einspringen kann. Vor einer Woche erhielt das Unternehmen Transdev den Auftrag, die Städtebahn kurzfristig abzulösen. Das geschah als sogenannte Notvergabe. Diese gilt aber nur für zwei Jahre, erläutert Schlemper. Das heißt, 2021 muss es einen Betreiber geben, der die reguläre Ausschreibung gewonnen hat. Diese muss 2020 veröffentlicht werden. „Die Zeit ist zu knapp, um den Auftrag mit Batteriezug auszuschreiben“, sagt Schlemper. Von dieser Art Zug wird es auch zu wenige geben.

Wann könnten die Dieseltriebwagen abgelöst werden?

2031 könnte es so weit sein. Bis dahin soll der nächste Betreibervertrag laufen. Ob es im Vorfeld eine weitere Studie geben muss, weil die Technik voranschreitet, glaubt Schlemper nicht. Dem VVO bleibt mehr Zeit, den Wechsel vorzubereiten.

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