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Fahrlässigkeit kostet 900 Euro

Eine 69-jährige Frau ließ den Küchenherd an und löste dadurch einen Brand aus.Jetzt stand sie deswegen vor Gericht.

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Von Helene Krause

Mit verhärmtem Gesicht sitzt die schlanke Angeklagte mit den schneeweißen, halblangen Haaren neben ihrem Verteidiger. Jeder im Gerichtssaal sieht der Rentnerin an, wie sehr das Geschehen sie mitnimmt. Vorgeworfen wird ihr fahrlässige Brandstiftung.

Am Abend des 23. Juni 2012 erhitzte sie auf ihrem Küchenherd Öl in einer Pfanne. Anschließend verließ sie die Küche, um ihren Mann zu suchen. Der sollte eine Rehkeule in der Pfanne anbraten. Den Herd ließ sie angestellt. Es kam zum Brand. Die Wohnung wurde unbrauchbar. Es entstand ein Schaden in Höhe von 45000 Euro.

Obwohl der Verteidiger in der Verhandlung immer wieder darauf hinweist, dass die Sicherung, die den Elektroherd absicherte, defekt gewesen sei, kann er damit vor Gericht nicht punkten.

„Der Brand“, so Staatsanwalt Dr. Michael Heiner, „ging vom Küchenherd aus und nicht vom Sicherungskasten.“

„Trotzdem“, so der Verteidiger, „gab es einen technischer Defekt am Sicherungskasten. Es gab eine kleine Schmorstelle.“ Außerdem weist er daraufhin, dass es die Elektroanlage, so wie sie war, nicht mehr gibt.

Auf die Frage von Richter Hartmut Meyer-Frey, worauf der Verteidiger mit dieser Aussage hinaus will, sagt dieser: „Auf Einstellung des Verfahrens.“

Einige Zeit diskutieren Staatsanwalt, Richter und Verteidiger über die Verfahrenseinstellung und über das Strafmaß. Während der Staatsanwalt auf eine Geldstrafe von 1000 Euro plädiert, hält Richter Meyer-Frey 500 Euro für angemessen.

Verteidiger und Mandantin verlassen den Gerichtssaal zu einem Gespräch. Als sie wieder in den Saal kommen, sind beide mit der Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Auflage einverstanden.

Die Angeklagte muss in sechs Monatsraten 900 Euro an das Rote Kreuz zahlen. Erst dann wird das Verfahren gegen sie eingestellt.