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Kamenz: Zu wenig Radstellplätze am Bahnhof?

Der Fahrradclub ADFC kritisiert die zu geringe Anzahl. Doch Verkehrsverbund und Stadt sehen derzeit keinen Handlungsbedarf.

Der ADFC bemängelt die zu geringe Anzahl der Fahrradstellplätze in Kamenz am Bahnhof. Aus Sicht des Verkehrsverbundes Oberelbe sind sie derzeit aber ausreichend.
Der ADFC bemängelt die zu geringe Anzahl der Fahrradstellplätze in Kamenz am Bahnhof. Aus Sicht des Verkehrsverbundes Oberelbe sind sie derzeit aber ausreichend. © Matthias Schumann

Kamenz. Parken und Reisen ist am Kamenzer Bahnhof mitunter ein Problem. Das gilt nicht nur für Kraftfahrer. Auch die Abstellplätze für Radler sind limitiert. Das kritisiert jetzt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen. „Der Kamenzer Bahnhof verfügt über zu wenige Fahrradabstellanlagen“, erklärt Janek Mücksch vom sächsischen ADFC-Vorstand. Dies habe eine Studie des Clubs ergeben. Obwohl mehr als 600 Fahrgäste pro Tag hier in den Zug steigen würden, verfüge der Bahnhof über lediglich 29 Fahrradbügel. Die Station habe in der Studie deshalb die Schulnote 4 erhalten. 

Damit liegt Kamenz aber immer noch über dem sächsischen Durchschnitt. Der ist mit 4,5 noch schlechter. „Für eine bessere Bewertung wären mehr und höherwertige Abstellanlagen notwendig“, so Mücksch. Wetterfeste Abstellanlagen, die auch vor Vandalismus und Diebstahl schützen, seien viel gefragt und würden von Pendlern gern genutzt. „Sie verhindern auch, dass Fahrräder wild an Geländern, Laternen oder Bäumen angeschlossen werden.“ 

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ADFC: Kamenz soll schnell handeln

Der ADFC sieht Verbesserungspotenzial in Kamenz: „Fahrradabstellanlagen kosten wenig Geld, sind sehr platzsparend und erhöhen den Einzugsradius von Bahnhöfen enorm.“ Immerhin würden rund 5.600 Menschen täglich in die Stadt kommen und etwa 3.300 Kamenzer ihren Wohnort verlassen, um zur Arbeit zu gelangen. „Die Stadtverwaltung Kamenz und der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) müssen jetzt schnell handeln und am Bahnhof nachbessern.“

Offenbar gehen die Meinungen zu dem Thema aber auseinander. Das beginnt schon in der Zählweise. So lässt der VVO in seiner Stellungnahme wissen , dass die zur Verfügung stehende Anlage in Kamenz insgesamt 62 Fahrradstellplätze biete, davon 58 überdacht. Der ADFC erklärt, dass er zwar 29 Bügel erwähnt habe, die aber in der Tat jeweils zwei Rädern Platz bieten. Damit seien die Zahlen des VVO korrekt.  Allerdings sehe man in Kamenz mehr Potenzial. 

Der Radfahrerverband spricht von 93 nötigen Plätzen, er berechnet für jeden siebenten Fahrgast einen Rad-Abstellplatz. Am besten  wäre eine große wetter- und diebstahlsichere Sammelschließanlage, wie sie in Bautzen gebaut wurde. So erhielt Bautzen die Schulnote 2,0. Mücksch argumentiert zugleich: „Das Fahrgast-Aufkommen der Bahn steigt, wenn es gute Fahrradständer gibt.“

VVO: Forderungen sind unverständlich

VVO-Pressesprecher Christian Schlemper kann momentan solche Forderungen nicht nachvollziehen. Die Anlage in Kamenz sei im langjährigen Durchschnitt nur zu 20 Prozent ausgelastet: „Das heißt, wir zählen dort selten mehr als 15 Fahrräder“, so Schlemper.  Ein paar mehr waren es am Montag bei einer Stippvisite von Sächsische.de schon, aber es gab auch noch genug Platz. „Vor diesem Hintergrund ist eine Erweiterung derzeit nicht geplant", so Schlemper. Falls die Auslastung Richtung 80 Prozent gehe, dann müsse der VVO reagieren. Das könnte zum Beispiel passieren, wenn ab Dezember 2021 die Bahn im Halbstundentakt fahre: „Dann werden wir natürlich mit der Stadt Kamenz über eine Erweiterung sprechen.“

So sieht man auch im Rathaus derzeit keine Eile, weitere Stellplätze zu schaffen. Das sei eher eine Thema, das mit dem Großprojekt zur geplanten Erweiterung des Kamenzer P+R-Platzes (Parken und Reisen) gelöst werden kann. Der neue P+R-Platz soll auf dem Gelände des Güterbahnhofs der Deutschen Bahn entstehen. Den Baustart für das Millionenprojekt prognostiziert die Stadt für 2023.

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