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Fahrradunfreundliche Neustadt

Auf Radfahrer warten in der Neustadt viele Ärgernisse. Fehlende Stellplätze sind nur der Anfang einer langen Liste.

© Jörn Haufe

Von Ulrike Kirsten

In der Dresdner Neustadt gibt es immer mehr Radfahrer. Doch die Bedingungen für sie sind schlecht. Das weiß Konrad Krause. Der Geschäftsführer des Allgemeinen Fahrradclubs (ADFC) Sachsen kennt die Ecken, über die sich Radler am häufigsten ärgern. Bei einem Rundgang mit der SZ zeigt er, wo es oft zu Konflikten kommt und welche Strecken Radfahrer nicht gerne nutzen.

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Zugeparkter Radweg: Radler müssen auf der Hansastraße oft im Zickzack um die Autos herumfahren.
Zugeparkter Radweg: Radler müssen auf der Hansastraße oft im Zickzack um die Autos herumfahren. © Jörn Haufe
Not macht erfinderisch: Konrad Krause vom ADFC zeigt eines der Räder, die täglich an den Bäumen vorm Neustädter Bahnhof geparkt werden. Denn hier fehlen Fahrradbügel. Fotos: Jörn Haufe (3)
Not macht erfinderisch: Konrad Krause vom ADFC zeigt eines der Räder, die täglich an den Bäumen vorm Neustädter Bahnhof geparkt werden. Denn hier fehlen Fahrradbügel. Fotos: Jörn Haufe (3) © Jörn Haufe

Die Stellplätze: Fehlende Fahrradständer am Neustädter Bahnhof

Das größte Problem gibt es am Neustädter Bahnhof. Pendler suchen dort stundenlang nach freien Fahrradbügeln. Immer wieder stellen sie ihre Räder an den Eschen am Bahnhofsvorplatz ab – sehr zum Leidwesen der Bäume. Der ADFC will sich deshalb bei OB Helma Orosz (CDU) für zusätzliche Stellmöglichkeiten stark machen. Die Stadt soll kurzfristig je 100 Fahrradbügel auf der Vorder- und Rückseite des Bahnhofs aufbauen, so die Forderung. Dafür hat der Verein über 500 Unterschriften gesammelt. „Viele Leute versuchen gar nicht erst, mit dem Rad zum Bahnhof Neustadt zu fahren“, kritisiert Krause. Stellplätze fehlen auch vor der Schauburg und am Konsum in der Alaunstraße. „Es wäre ganz einfach, hier mehr Bügel aufzustellen. Aber man müsste einen Parkplatz wegnehmen, das will die Stadt nicht“, sagt er.

Die Radwege: Großpflaster

erschwert das Fahren

Holprig geht es am Bischofsplatz zu. Das Großpflaster macht Radfahrern dort das Leben schwer. „Viele weichen deshalb auf den Gehweg aus. Ich verstehe den Ärger der Fußgänger, wenn für sie kaum noch Platz auf dem Bürgersteig ist, weil dort ständig Radler fahren“, sagt Krause. Ähnlich schlecht ist der Zustand der Königsbrücker Straße. „Wegen der Schlaglöcher fahren die meisten Radfahrer dort auf dem Fußweg, der dafür nicht vorgesehen ist.“

Die Markierungen: Auf den Straßen fehlen Radstreifen

Vielerorts fehlen in der Neustadt Markierungen, die Radwege optisch von der Fahrbahn trennen. Auch auf zweigeteilten Fuß- und Radwegen sucht man die Markierungen oft vergeblich – ob auf der Königsbrücker Straße oder am Bischofsplatz. „Die Stadt hat vor Jahren beschlossen, dass das ein dringender Punkt ist, um den Radverkehr in Dresden zu verbessern. Die Verwaltung ist hier aber noch nicht weiter vorangekommen“, erklärt Krause. „Radfahrer wissen so oft nicht, wo sie eigentlich langfahren können, ob auf dem Fußweg oder auf der Fahrbahn.“ Gibt es optisch abgetrennte Radwege, sind diese auch nicht immer problemlos zu nutzen. Ein Beispiel: die Hansastraße. „Hier parken die Autofahrer oft direkt auf dem Radweg. Das ist für Radfahrer ärgerlich“, sagt er.

Die Ampelschaltung: Kurze Phasen erhöhen das Unfallrisiko

Gefährlich beurteilt Krause auch die Ampelschaltungen in der Neustadt, besonders an der Hansastraße und am Schlesischen Platz. Dort sind sie für Radfahrer viel zu kurz bemessen. „Die Autos haben viel länger grün. Radler orientieren sich daran und fahren noch schnell, obwohl für sie schon längst rot ist“, sagt Krause. „Das erhöht selbstverständlich die Unfallgefahr.“

Die Konsequenz: Immer wieder

Unfälle am Neustädter Bahnhof

Am häufigsten kommt es zu Unfällen, wo es Radwege gibt, zum Beispiel in der Antonstraße. An Einmündungen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es zwischen Auto- und Radfahrern kracht – vor allem, wenn Autofahrer von der Antonstraße nach links in Nebenstraßen wie die Erna-Berger-Straße abbiegen wollen.

Die Ursachen: Autofahrer vergessen den Schulterblick, Radfahrer sind nicht verkehrssicher unterwegs. „Wer ohne Licht fährt, gefährdet sich selbst“, sagt Krause. Noch eine weitere Stelle hat er ausfindig gemacht, die gefährlich ist. Wollen Autofahrer aus dem Dammweg nach rechts auf die Antonstraße abbiegen, bremsen sie nur kurz ab. „Der Kurvenradius ist sehr groß. Autofahrer bekommen so schnell eine Art Autobahngefühl und glauben irrtümlich, wegen der Straßenbreite alles einsehen zu können.“