merken
PLUS

Radebeul

Fahrschein als Gutschein?

Der Coswiger Stadtrat Alexander Stolle will Gastronomie und Handel und öffentlichen Nahverkehr gemeinsam stärken.

Stadtrat Alexander Stolle schlägt vor, mit einem Gutscheinsystem Nahverkehr und lokale Wirtschaft zu beleben.
Stadtrat Alexander Stolle schlägt vor, mit einem Gutscheinsystem Nahverkehr und lokale Wirtschaft zu beleben. © Arvid Müller

Coswig. Fehlende oder überfüllte Parkplätze verhinderten oft spontane kleine Einkäufe sowie gastronomische kurze Erlebnisse. Davon ist Alexander Stolle, der für die Coswiger Bürgerliste im Stadtrat ist, überzeugt und deshalb schlägt er vor, Tagestickets für Bus- und Bahn als Einkaufscoupon anbieten lassen. 

"Das Einkaufen ist vielfach in die digitale Welt abgewandert, wir müssen mehr dafür tun, dass es wieder in der Stadt zurückkommt. Wir müssen auf die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs zugehen, damit sie ihr Geld in der Gemeinde oder der Stadt ausgeben, in der sie wohnen."

JABS – Euer Zukunftsportal
JABS – Euer Zukunftsportal

Auf JABS erfahrt ihr alles, was für eure Zukunft wichtig wird und wie ihr euch am Besten darauf vorbereitet.

Und wie soll das mit den Coupons funktionieren? Auf der Rückseite des Fahrscheins müsste aufgedruckt sein, dass der Vorweiser einen kleinen Betrag gutgeschrieben bekommt, ob er nun beim Bäcker oder bei einem Einzelhändler einkaufen geht oder eine Gaststätte besucht.

 Je nach Einkaufswert müsste er zwischen 50 Cent und einem Euro weniger als den jeweils vollen Preis bezahlen. Wer in der Gaststätte für 30 Euro isst, müsste demnach einen Euro gutgeschrieben bekommen, wer zwei Bier trinkt, 50 Cent. 

"Das ist ein Vorschlag zur Diskussion. Hier ist  unternehmerische Kreativität im Landkreis Meißen gefragt", erklärt Alexander Stolle. Er weist am Bahnhof Coswig auf die Werbetafel an einer Bushaltestelle der Verkehrsgesellschaft Meißen, auf der könnte ein entsprechender Hinweis hinzugesetzt werden. 

"Abgesehen von dem zu erwartenden positiven Einfluss auf die Umwelt ist auch mit einer Erhöhung der Fahrgastzahlen auf innerstädtischen Kurzstrecken sowie mit einer Stimulierung der spontanen Konsumbereitschaft zu rechnen."

Als positives Beispiel für ein Nachlasssystem nennt Alexander Stolle das Unternehmen Sanifair an den deutschen Autobahn-Raststätten und dessen Ausgabe eines Wert-Bons bei der Benutzung der WCs. 

Einen Teil der Kosten für die Toilettenbenutzung würden die Kunden dann in der Raststätte beim Einkauf zurückerstattet bekommen.  Alexander Stolle schlägt vor, dass sich die Verkehrsunternehmen die Partner für die Nachlassaktion selbst aussuchen, damit uneingeschränktes Einvernehmen mit diesen herrscht. 

"Die Idee von Herrn Stolle, mit einem Gutschein Nahverkehr und lokale Wirtschaft zu beleben, finden wir interessant. Eine kommunikative Unterstützung im Sinne einer lokalen Bewerbung können wir uns vorstellen", erklärt Christian Schlemper, der Pressesprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe GmbH (VVO). 

Allerdings könne sich der VVO bei seiner derzeitigen wirtschaftlichen Lage nicht finanziell beteiligen. "Den Unternehmen fehlen aufgrund der Krise Einnahmen von über sieben Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnen wir derzeit mit fehlenden Einnahmen in Höhe von 38,5 Millionen Euro."

Auch Jens Dehnert, der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Meißen mbH (VGM), findet "ein Rabattieren des öffentlichen Personennahverkehrs immer positiv". Allerdings verweist er darauf, dass der Vorschlag von Alexander Stolle auf Einzelfahrscheine und Tagestickets abzielt. 

"Bei der VGM nutzen aber 75 Prozent der Kunden Zeitfahrkarten mit Chip-Karte. Diese wären dann ausgesperrt." Außerdem müsste jeder Händler zwischen Bad Schandau, Hoyerswerda, Riesa und Meißen mit ins Boot geholt werden, "und das halte ich für schwierig". 

Axel Klein, der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen e. V., erklärt: "Generell ist es gut, wenn sich jemand Gedanken macht, wie den Gaststätten und Hotels geholfen werden kann." Aber er glaubt nicht, dass das Beispiel Sanifair treffend gewählt ist.

 Das Unternehmen verdiene zwar seit einiger Zeit Geld an den WC-Tickets dadurch, dass diese 70 Cent kosten, der Kunde aber nur 50 Cent zurückerstattet bekommt. Aber das eigentliche Geschäftsmodell basiere darauf, dass viele Kunden ihre Bons nicht einlösten. 

Und: "In dieser Zeit halte ich von Rabatten gar nichts, bei denen am Ende die Gewerbetreibenden bezahlen müssten."

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul