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Wo gibt's jetzt Zugfahrkarten in Löbau?

Die Verkaufsstelle am Bahnhof gibt es seit Dezember nicht mehr. Tickets für den Trilex kann man nun wieder in der Stadt kaufen. Die der Deutschen Bahn dagegen nicht.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Ingo Seiler verkauft jetzt in der Löbauer Wendler-Drogerie auch Zvon-Fahrkarten. Weil er den Service übernimmt, bekommt er einen speziellen Fahrkartendrucker gestellt.
Ingo Seiler verkauft jetzt in der Löbauer Wendler-Drogerie auch Zvon-Fahrkarten. Weil er den Service übernimmt, bekommt er einen speziellen Fahrkartendrucker gestellt. © Rafael Sampedro

Man lernt nie aus - diese Erfahrung haben Ingo Seiler und sein Team von der Wendler-Drogerie in Löbau gemacht. Sie müssen sich jetzt mit den Tarifen für den Regionalverkehr beschäftigen, das ist Neuland für die Drogisten. Denn Seiler verkauft ab sofort in seinem Geschäft an der Bahnhofstraße auch Zug-Fahrkarten für die regionalen Strecken, zum Beispiel für den Trilex. 

Inzwischen ist der Fahrkartendrucker da und ein Vertreter der Länderbahn hat Seiler und seine Mitarbeiter eingewiesen. "Wir sind noch fleißig am Lernen, wie das Tarifsystem so funktioniert", erzählt Ingo Seiler. Nicht ganz unkompliziert sei das. Auch, weil es ja in der Oberlausitz zwei Verkehrsverbünde gibt mit unterschiedlichen Tarifen und Abrechnungssystemen. "Aber immerhin kann man verbundübergreifende Fahrkarten kaufen. Man muss nicht in Bischofswerda aus dem Zug steigen und sich eine neue Karte besorgen." 

Eine eigene Verkaufsstelle für Zugfahrkarten betreiben in Löbau weder die Deutsche Bahn (DB) noch die  Regionaleisenbahnunternehmen. Bislang gab es die Tickets im Reisebüro "Reisecenter" unweit vom Bahnhof im Auftrag von Länderbahn und DB. Doch das Unternehmen wollte die Fahrkarten nicht mehr verkaufen, teilt die Länderbahn auf Nachfrage der SZ als Grund mit. Ab Mitte Dezember wurde der Verkauf eingestellt. In einem Zettel an der Eingangstüre weist die Reiseagentur darauf hin. 

Diesen Zettel las jetzt auch eine Rentnerin aus Obercunnersdorf, die mit dem Zug weiterreisen wollte. Und war ziemlich ratlos, denn sie hatte sich auf die bekannte Verkaufsstelle verlassen. "Wo kriege ich denn jetzt überhaupt noch eine Fahrkarte her in Löbau?", fragt die Seniorin. Görlitz oder Bautzen, wie auf dem Zettel an der Reisebüro-Tür angegeben, sind für sie keine Option. Und auch Fahrscheinautomaten gibt es auf dem Bahnsteig in Löbau nicht mehr. 

Karten nur für Regionalzüge

Zumindest die Länderbahn hat sich nun um Ersatz in Löbau gekümmert. Das Unternehmen sei auf ihn zugekommen, berichtet Drogerie-Inhaber Ingo Seiler, ob er die Nachfolge übernehmen wolle. "Der Übergang hat leider nicht ganz nahtlos geklappt", bedauert der Drogerie-Inhaber. Aber seit Mitte der Woche läuft der Fahrkartenverkauf wieder. 

Die Deutsche Bahn habe allerdings bisher kein Interesse bekundet, eine Nachfolge für den Kartenverkauf in Löbau zu finden. Dennoch könne man bei ihm nun auch Zugfahrkarten bis München oder Flensburg kaufen, sagt Seiler. "Aber eben nur für Regionalzüge." Die schnellen, überregionalen Verbindungen obliegen der Deutschen Bahn. Auch Zeitkarten wie Monats- oder Wochentickets im Zvon-Tarif verkauft seine  Drogerie nun. Vieles könne man zwar heute auch im Internet erwerben. Aber gerade bei Zeitkarten oder Gruppentickets sei es doch etwas komplizierter. Und vor allem Ältere, so Seiler, wollen oder können sich damit nicht herumschlagen, sondern suchen lieber den persönlichen Kontakt zu einem Verkäufer. 

Seiler bekommt als Dienstleister eine kleine Provision von den verkauften Tickets. "Allein dafür einen Laden zu betreiben, lohnt sich nicht", schätzt der Unternehmer die Lage ein. Er setzt darauf, dass durch das zusätzliche Angebot auch mehr Kunden in sein Geschäft kommen. Und, er wollte nicht, dass wieder etwas wegfällt in Löbau, erklärt er seine Intention den Fahrkartenverkauf zu übernehmen. 

Dass es vor Ort eine Verkaufsstelle für Fahrkarten gibt, ist auch dem Verkehrsverbund Zvon wichtig. Er hat das deshalb sogar als Bedingung in seinen Vertrag mit der Länderbahn aufgenommen. Die Länderbahn sucht sich vor Ort Partner, die diesen Service übernehmen. Dabei gilt: Die Verkaufsstelle muss barrierefrei zugänglich und möglichst nahe am Bahnhof gelegen sein. 

Anlaufstellen in Zittau und Bautzen

Wer im Fernverkehr mit der Deutschen Bahn reisen will, bekommt derweil direkt vor Ort in Löbau keinen Fahrschein mehr. Auf der Homepage der Deutschen Bahn werden auf der Suche nach Reisecentern mit Fahrkartenverkauf als nächstgelegene Anlaufstellen Zittau, Bautzen, Schirgiswalde und Wilthen angezeigt. Außerdem wolle man schrittweise auch den Verkauf von Tickets für die regionalen Verkehrsverbünde in die DB-Fahrkartenautomaten integrieren. Das mag anderswo gelten, in Löbau gibt es aber längst keine Automaten mehr. 

Auch der regionale Verkehrsverbund Zvon hat sie abgeschafft. Die Tickets werden zuschlagsfrei an Bord der Züge verkauft, teilt der Zvon mit. Durch das persönliche Beratungsgespräch mit dem geschulten Zugpersonal könne das günstigste und passende Ticket gefunden werden. "Der kostspielige und zusätzliche Betrieb von Automaten an den Bahnsteigen wurde daher Anfang 2015 abgeschafft", heißt es vom Verkehrsverbund. 

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