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Fahrschüler in der Region brauchen Geduld

Die Ausbildung für Laster, Auto und Zweirad war wochenlang wegen dem Coronavirus ausgebremst. Jetzt reichen die Wartelisten bis ins nächste Jahr.

Ralph Hoffmann trainiert mit einem Fahrschüler auf dem Döbelner Steigerhausplatz. Lange Zeit war das durch die Corona-Pandemie nicht möglich. Jetzt müssen viele theoretische und praktische Ausbildungsstunden nachgeholt werden.
Ralph Hoffmann trainiert mit einem Fahrschüler auf dem Döbelner Steigerhausplatz. Lange Zeit war das durch die Corona-Pandemie nicht möglich. Jetzt müssen viele theoretische und praktische Ausbildungsstunden nachgeholt werden. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Wochenlang waren sie komplett aus dem Straßenverkehr verschwunden – Laster, Autos und Motorräder mit der Aufschrift „Fahrschule“. Anfang Mai ist die Ausbildung für den Bus-, Lkw- und Zweirad-Führerschein wieder angelaufen. Seit dieser Woche ist laut sächsischem Kabinett prinzipiell der Besuch von Fahrschulen, einschließlich der Durchführung von Übungsstunden und der praktischen Prüfung wieder möglich.

Am 18. März mussten die Fahrschulen schließen. „Am 19. März stand für drei Fahrschüler die praktische Prüfung an“, erzählt Steffen Janasek von der gleichnamigen Verkehrsschule in Döbeln. Die Prüfungen müssen nun nachgeholt werden, aber nicht, ohne dass die Fahrschüler noch einmal zwei bis drei Übungsstunden absolvieren. „Ich muss mich davon überzeugen, dass sie noch auf dem Leistungsstand wie vor acht Wochen sind“, so Janasek.

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Während er drei Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste, hat er die Zeit genutzt, um seine Fahrzeuge auf Vordermann zu bringen. Auch der große Schulungsraum wurde so umgeräumt, dass zwischen den einzelnen Schülern ein Mindestabstand von 1.50 Meter gewährleistet ist. Dort ist jetzt Platz für zwölf Personen.

Viele der theoretischen Ausbildungen müssen nachgeholt werden. Der Kompaktkurs in den Osterferien, drei Kurse für Berufskraftfahrer und alle Samstagsschulungen sind ausgefallen. Wer sich jetzt dafür entscheidet, den Führerschein zu erwerben, könne frühestens im August oder September in die Theorie einsteigen.

Die ersten Ausbildungsfahrten hat Steffen Janasek bereits mit Schülern absolviert. Beide haben dabei und bei der Prüfung eine Mund-Nase-Bedeckung getragen. Das sei laut Dekra vorgeschrieben.In diesem Punkt wiedersprechen sich allerdings die Aussagen. Denn nach Auskunft des Sozialministeriums gegenüber saechsische.de gibt es bisher keine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für Fahrschüler und -lehrer.

Ralph Hoffmann betreibt in Döbeln und Hartha eine Fahrschule und meint, Pflicht sei die Schutzmaske nicht, aber sie sei, im Gegensatz zu den Vorgaben durch die Straßenverkehrsordnung, gestattet. „Die Corona-Verordnung steht über der StVO“, so Hoffmann. Trage jemand einen Mundschutz, müsse aber der Nasenrücken, die Augen und die Stirn freibleiben.

Der Fahrlehrer hat bereits die ersten Schüler in der theoretischen Ausbildung begrüßt und meint, die mache jetzt mehr Spaß. Sechs Personen haben noch an den auseinandergerückten Tischen Platz. Die Fahrschüler seien zurzeit viel aufmerksamer und motivierter, sagt er.

Auch Ralph Hoffmann muss ausgefallene Stunden in Theorie und Praxis nachholen, zeigt aber Verständnis für die vorübergehende Schließung der Fahrschulen: „Was ist wichtiger, Leben zu schützen oder den Führerschein zu erwerben?“, fragt er.Einige Plätze seien im September in den abendlichen Theoriekursen noch frei. Ansonsten hätten Interessierte erst im Februar kommenden Jahres wieder die Chance, mit der Fahrschule zu beginnen. „Wir bilden zurzeit einen Fahrlehrer aus, damit wir künftig zu dritt arbeiten und mehr Kurse anbieten können“, sagt er.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Glücklicherweise habe er noch kurz vor der Schließung der Baumärkte Farbe gekauft, meint Hartmut Pilz von der Fahrschule Pilz in Döbeln und Nossen. In der Zeit, in der er nicht ausbilden konnte, habe er damit seine Räume renoviert. Zehn Leute können nun gleichzeitig Theorie büffeln – dort sogar mit zwei Metern Abstand.

Etwa 20 Fahrschüler mussten ihre Ausbildung im März abbrechen. Die wird jetzt nachgeholt. Ab der ersten Woche der Sommerferien will Hartmut Pilz neue Kurse anbieten und hofft, „dass sich bis dahin vieles gelöst hat“.

Relativ locker sieht Falk Behrenz aus Waldheim die Zwangspause in seiner Fahrschule. Er habe dadurch Zeit gefunden, Fahrzeuge zu reparieren und Büroarbeiten zu erledigen, die liegengeblieben waren. In den Sommerferien will er wieder Kurse anbieten und bis dahin den Schülern die Prüfung ermöglichen, die sie im März nicht mehr absolvieren konnten. 

Allerdings sei das für die Schüler eine Mehrbelastung. Denn sie müssten zuvor noch die eine oder andere Fahrstunde absolvieren. Die Dekra habe strenge Auflagen erteilt. Vor der Prüfung müssten die Fahrzeuge desinfiziert werden und es gebe eine Maskenpflicht.

Ausgebucht ist im Moment auch Jürgen Thierbach aus Waldheim. Etwa 30 Fahrschüler sind es bei ihm, die mitten in der Theorie oder Praxis steckten, als Corona kam. Die hätten jetzt Vorrang. Allerdings haben im Schulungsraum nur noch vier bis sechs Personen Platz. Normalerweise sind es doppelt so viele. Ab Mitte Juli nimmt er neue Schüler an.

Trotz der Lockerungen bleibt bei Jürgen Thierbach aber eine Frage seit Wochen unbeantwortet. Mitte April habe er bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) Soforthilfe beantragt. Bis heute habe er aber weder eine Antwort erhalten, ob der Antrag eingegangen ist, noch die finanzielle Unterstützung.

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