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Fahrlehrer mit Tempo-Liebe

Vor 30 Jahren gründete Michael Freudenberg seine Fahrschule. Aus der Ein-Mann-Firma wurde in Bischofswerda ein Mittelständler - inklusive Motorsport-Team.

Vor 30 Jahren hat Michael Freudenberg seine Fahrschule als Ein-Mann-Betrieb gegründet. Seitdem ist das Unternehmen in Bischofswerda stetig gewachsen. Heute gehört es zu den größten in der Region.
Vor 30 Jahren hat Michael Freudenberg seine Fahrschule als Ein-Mann-Betrieb gegründet. Seitdem ist das Unternehmen in Bischofswerda stetig gewachsen. Heute gehört es zu den größten in der Region. © Steffen Unger

Bischofswerda. Eigentlich wollte Michael Freudenberg dieser Tage groß feiern. Gründe gibt es genug, der wichtigste ist das 30-jährige Firmenjubiläum. Doch wie heißt es so schön: Leben ist das, was passiert, während man Pläne macht. Corona machte einen Strich durch die Rechnung des Chefs der gleichnamigen Bischofswerdaer Fahrschule. Umdisponieren war angesagt. Dass er das kann, hat der Unternehmer in den zurückliegenden Jahrzehnten schon mehrfach unter Beweis gestellt. Gefeiert wird nun im Dezember. Eine dreitägige Ausfahrt mit allen Mitarbeitern soll es werden. 

Rennsport-Karriere aufgegeben

Michael Freudenberg hat – wie man so schön sagt – Benzin im Blut. Drei Jahrzehnte ist es her, dass er seine hoffnungsvolle Karriere als Motorradrennfahrer an den Nagel gehängt hat. Obwohl er hätte ganz groß rauskommen können. Denn der Schmiedefelder sollte 1990 bei der Europameisterschaft mitfahren. Als einziger DDR-Sportler in der 250-er Klasse. Drei Meistertitel des eigenen Landes in Folge hatte er da bereits in der Tasche. 

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Doch würde das auch im internationalen Vergleich reichen? Lieber auf Nummer sicher gehen, sagte er sich und legte beim Training noch eine ordentliche Schippe drauf, perfektionierte seine Fitness. Und dann passierte dieser Unfall. Sein damals 17-jähriger Sohn Carsten, ebenfalls Rennfahrer, verunglückte bei der Juniorenmeisterschaft in Speyer schwer. „An seinem Krankenbett beschlossen wir, beide mit dem Motorsport aufzuhören und etwas anderes zu machen.“ 

In den Schoß gefallen ist dem Firmenchef mit dem raspelkurzen weißen Haar und dem stets schelmischen Blick hinter Brillengläsern nichts. Er kann sich noch gut an seine Existenzgründung am 1. August 1990 erinnern. Auf jeden Fall wollte er etwas mit Motoren machen. Vielleicht eine Fahrschule. Doch zuvor setzte sich Michael Freudenberg nochmal auf seine Maschine, um im Mai 1990 zwei Rennen zu fahren. Er wollte wissen, ob sein knallhartes Training für die EM was gebracht hatte. Beide DDR-Meisterschaftsrennen gewann er haushoch, erzählt er lebhaft. 

Improvisieren war an der Tagesordnung

Danach startete er mit seiner Fahrschule durch. Mit einem Trabant fing alles an, erinnert er sich. Improvisieren war an der Tagesordnung. Ein Schulungsraum musste her. Die Theorie unterrichtete er in der Schmiedefelder Schule. In dem Raum, in dem er selbst von der ersten bis zur vierten Klasse gelernt hatte. Zudem saß seine ehemalige Klassenlehrerin mit im ersten Kurs. „Nach meiner ersten Stunde fragte ich sie, wie ich mich so gemacht hab'“, erzählt er schmunzelnd. Die Pädagogin habe ihm guten Unterricht bescheinigt. 

Über mangelnde Arbeit konnte er nicht klagen. Der Nachholbedarf in dieser Branche war groß. Die angehenden Fahrschüler standen Schlange vor seinem Haus. „Ich hatte mein Büro im ersten Stock“, erinnert er sich. „Als meine Tochter zu mir nach oben wollte, rief ihr jemand zu: Hinten anstellen“. In den ersten zwei Tagen hatte er über 300 Anmeldungen auf dem Tisch.

Schnell wurden ihm zwei Dinge klar. Erstens: Schmiedefeld ist als Firmensitz ungeeignet. Er musste nach Bischofswerda, in die damalige Kreisstadt. Zweitens: Allein ist das nicht zu schaffen. Die Firma bekam rasch Zuwachs an  Fahrlehrern und Fahrzeugen.  Inzwischen stehen elf Autos, vier Lkw,  zwei Busse,  neun Motorräder und eine Handvoll Traktoren und Baumaschinen in seinem Fuhrpark.

Heute viel mehr als nur Fahrschule

1991 kaufte Michael Freudenberg ein Haus an der Kamenzer Straße in Bischofswerda, ließ es abreißen und neu aufbauen. Dort wollte er sein Unternehmen etablieren. Doch bereits ein halbes Jahr nach Einzug ins fertiggestellte Firmengebäude stellte der Existenzgründer fest, dass sein neues Domizil zu klein ist. Also baute er drei Jahre später noch einmal – an der Neustädter Straße, wo sich der im Laufe der Jahre immer weiter gewachsene Firmensitz noch immer befindet.

Mittlerweile gibt es neben der Fahrschule noch einen Motorrad- und Autoservice. Letzteren leitet Michael Freudenbergs Sohn Carsten, der nach seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gleich noch seinen Meister machte. Insgesamt 23 Mitarbeiter sind am Bischofswerdaer Standort und in den Außenstellen in Bautzen, welche Tochter Karina leitet, und Dippoldiswalde beschäftigt. Ausgebildet werden bei Freudenbergs übrigens nicht mehr nur Fahrschüler, sondern auch Berufskraftfahrer, Baumaschinenführer und sogar Fahrlehrer.   

Rennsport-Beigeisterung lebt weiter

Und auch der Motorradrennsport gehört wieder zu Michael Freudenbergs Leben. Die Begeisterung dafür ging nie verloren, und so gründete er gemeinsam mit Sohn Carsten ein eigenes Racing Team. Das fährt bei der Superbike-Weltmeisterschaft mit. Als einziges deutsches Team übrigens. „Im vorigen Jahr sind wir Fünfter geworden“, erzählt er voller Stolz. Seine langjährige Renn-Erfahrung macht sich da bezahlt. Gerade ist die Truppe zum WM-Rennauftakt in Spanien.

Eigentlich könnte der Firmenchef an seinen Ruhestand denken, obwohl man ihm die 65 Jahre nicht ansieht, so wie er vor einem steht: sympathisch, selbstbewusst, locker, geradlinig, sportlich. Der Mann ist ein Energiebündel. Dabei ist die Nachfolge längst geregelt. Sohn und Tochter werden das Zepter einmal komplett übernehmen. Doch ein Leben ohne seine Arbeit? Undenkbar. Von ruhigerer Gangart will Michael Freudenberg bislang noch nichts wissen.  

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