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Sebnitz

Corona: Das Bangen der Fahrschulen 

Den Fahrschulen im Landkreis fallen die Einnahmen komplett weg. Finanzielle Unterstützung kommt jetzt von Land und Bund.

Uwe Mey kann derzeit keine Fahrschüler ausbilden und hofft, dass die Zwangsschließung bald aufgehoben wird.
Uwe Mey kann derzeit keine Fahrschüler ausbilden und hofft, dass die Zwangsschließung bald aufgehoben wird. © Daniel Schäfer

Die Corona-Krise hat die Fahrschulen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und in ganz Sachsen hart getroffen. Sie sind mindestens bis einschließlich 19. April 2020 geschlossen. Grund ist der Versuch, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Auch die rund 700 Fahrschulen in ganz Sachsen unterliegen zunächst dem Tätigkeitsverbot. Die Fahrlehrer bangen um ihre Existenz.

Auch Steffen Kunze von der Fahrschule Kunze in Bad Schandau blickt skeptisch in die Zukunft: "Die Kollegen und ich wissen nicht, wie es weitergeht", sagt er. "Ich habe monatlich laufende Kosten von rund 7.000 Euro. Da aber kein Geld reinkommt, kann ich vielleicht einen Monat überbrücken, mehr aber nicht. Und ob wir finanzielle Unterstützung seitens der Regierung bekommen, steht auch noch nicht fest."

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Steffen Kunze hat zwar Verständnis für die Situation, fragt aber auch: "Warum dürfen wir nicht wenigstens die praktische Ausbildung am Motorrad machen?" Der Fahrlehrer sitze ja in einem eigenen Auto und der Fahrschüler vor ihm auf dem Ausbildungsmotorrad. Zudem würden die Schüler Handschuhe tragen. Eine Ansteckung mit  Covid-19 drohe wohl eher nicht. Durch eine Ausnahmeregelung würden wenigstens diese Einnahmen bleiben können. Doch das ist nicht möglich. 

Die Zwangsschließung betrifft auch die Pirnaer Fahrschule Mey. Fahrlehrer Uwe Mey sagt gegenüber Sächsische.de: "Auf meine Anfrage beim sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr hieß es, Fahrschulen seien eine Bildungseinrichtung und kein Dienstleister mehr. Somit mussten wir letzte Woche Mittwoch schließen." Er käme zwar die fünf Wochen über die Runden, finanzielle Unterstützung wünsche er sich aber auch.

Gibt es Ausnahmen?

Ausweichmöglichkeiten gäbe es nach Aussage vom Landesverband Sächsischer Fahrlehrer derzeit keine, wie Vorsitzender Andreas Grünewald sagt: "Das Tätigkeitsverbot umfasst alle Ausbildungsklassen vom Moped bis zum Bus und betrifft auch weiterführende Angebote wie BKF Weiterbildung, Nachschulungskurse (ASF) oder alle anderen Schulungen."

Er spricht sich zudem auch dagegen aus, wegen des verhängten Tätigkeitsverbotes durch E-Learning den Fahrschulunterricht in völlig anderer Form als bisher anzubieten: "Der Präsenzunterricht ist ein unverzichtbarer Teil der Ausbildung, um ein verantwortungsvolles und umweltbewusstes Fahren zu sichern", sagt er. Außerdem könne dadurch eine Wettbewerbsverzerrung eintreten, weil längst nicht alle Fahrschulen einen durchgehenden Internetempfang haben.

Für die Fahrschüler bedeutet die Zwangspause, dass sie den theoretischen Stoff für die Fahrprüfung zu Hause ausgiebig lernen können. Dafür bieten sowohl die Fahrschule Mey als auch Steffen Kunze telefonische Unterstützung an. Die Dekra, die für alle neuen Bundesländer zuständig ist, hat angekündigt, nach der Aufhebung der Sperre alles zu  tun, was möglich ist, um die ausgefallenen Prüfungen schnell nachzuholen. "Wir stehen in ständigem Kontakt mit den zuständigen Länderbehörden. Von dort werden wir die Information bekommen, wann die Prüfungen wieder aufgenommen werden können. Sobald dieses Datum feststeht, können und werden wir die Prüftermine neu planen", sagt Wolfgang Sigloch, Pressesprecher Automobil der Dekra, und: "Die bereits entrichteten Gebühren befinden sich als Guthaben auf dem Prüfungskonto des jeweiligen Bewerbers und werden dann beim neuen Prüftermin verwendet."

Welche finanzielle Unterstützung gibt es?

Finanzielle Hilfen werden jetzt durch die Bundesregierung und das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr angeboten. Wie Pressesprecher Christian Adler Sächsische.de mitteilt, würde das Ministerium die Anfragen und Informationen aus der Wirtschaft sehr ernst nehmen und alle verfügbaren Kräfte in die Entwicklung passender Unterstützungs- und Liquiditätshilfen setzen.

"Seit dem 23. März 2020 stellt der Freistaat Sachsen ein Liquiditätshilfedarlehen mit dem Namen „Sachsen hilft sofort“ für Einzelunternehmer, Kleinstunternehmen und Freiberufler, unabhängig von ihrer Branche, zur Verfügung", sagt er. Da dies ein Staatsdarlehen sei, würde keine Bewilligung der Hausbank benötigt.

Das Darlehen sei für die gesamte Laufzeit von zehn Jahren zinslos und bis zu 36 Monate tilgungsfrei. Die Formulare und alle weiteren Informationen seien auf der Webseite www.sab.sachsen.de zu finden. Bei individuellen Fragen können sich Unternehmen an das Beratungszentrum Konsolidierung der SAB wenden, unter der Telefonnummer: 0351 4910-1100 oder per E-Mail: [email protected]

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Außerdem hat die Bundesregierung am 23. März ein Soforthilfe-Programm für kleine Unternehmen, Solo-Selbstständige und Angehörige der Freien Berufe beschlossen. "Im Einzelnen sollen Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten für drei Monate bis 9.000 Euro Einmalzahlung erhalten, bei bis zu zehn Beschäftigten für drei Monate bis 15.000 Euro Einmalzahlung", erklärt der Pressesprecher. Diese Zuschüsse des Bundes müssen  nicht zurückgezahlt werden. Diese Programme stehen auch den rund 700 Fahrschulen in Sachsen zur Verfügung.

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