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Meißen

Fahrzeuge aus Fasern

Hightex in Klipphausen gehört zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas. Das braucht Platz.

Auf dieser Fertigungsstrecke bei Hightex werden die Rahmen für Flugzeugfenster gestickt. Die Ingenieurin Jeanette Scherf leitet das Unternehmen.
Auf dieser Fertigungsstrecke bei Hightex werden die Rahmen für Flugzeugfenster gestickt. Die Ingenieurin Jeanette Scherf leitet das Unternehmen. © Claudia Hübschmann

Klipphausen. Schätzungsweise zwei Millionen Arbeitsplätze sind in Deutschland direkt von der Automobilindustrie abhängig. Das gilt auch für das Hochleistungstextil-Unternehmen Hightex Verstärkungsstrukturen GmbH im Klipphausener Gewerbegebiet. Dort werden neben gestickten Teilen von Airbus-Flugzeugen auch Dienstleistungen für BMW übernommen. 2018 und 2019 zählte das Magazin Focus das Unternehmen zu den am schnellsten wachsenden in ganz Europa. Anlässlich des 20. Firmenjubiläums wurde nun mit dem Bau einer neuen Halle begonnen.

In der neuen Halle, die sich auf rund 4 000 Quadratmetern bis an die Autobahn erstrecken soll, werden Seitenteile für die Elektrofahrzeuge von BMW gefertigt. Genau genommen übernimmt Hightex nur einen einzigen Herstellungsschritt: Wenn früher aus einer platten Fläche von Kohlenstofffasern ein dreidimensionales Autoteil geformt wurde, gab es an den Rändern breite Abschnitte. Hightex hat es nun geschafft, an dieser Stelle statt teuren Kohlestofffasern preisgünstige Glasfasern zu verwenden, sodass sich die Materialkosten erheblich reduzieren. Was nach einem Detail klingt, ist für den hochtechnisierten und -effizienten Autohersteller BMW von so zentraler Bedeutung, dass auch die Seitenteile ihrer neuen Modellreihe den Weg nach Klipphausen finden. Bisher wurde dieses Verfahren beim BMW i3 angewandt, einem elektrischen Kleinwagen. Der neue Auftrag gilt für den BMW i20, eine häufig als SUV bezeichnete Art Geländewagen, dessen Seitenteile vielfach größer sind als die des Vorgängers. Größere Teile bedeuten mehr Arbeit für die Klipphausener. Und die bedarf wiederum mehr Platz.

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Mehr als sechs Millionen Euro investiert das Unternehmen in seine neue Halle. „Rund ein Drittel wird nur für Technik ausgegeben“, sagt Geschäftsführerin Jeanette Scherf. Besonders entscheidend sei dabei eine effektive Klimatisierung gewesen. Seit 2017 führt Hightex auch den Sächsischen Gewerbeenergiepass für besondere Effizienz. Dieser Fokus sei dabei nicht nur eine Frage des Umweltschutzes: „Wir haben häufig Lieferverträge, die uns über 15 Jahre an einen Preis binden, da müssen wir auch auf die Kosten schauen“, sagt Scherf.

Der Bau wird von einem Nachbarn übernommen: Die Firma Goldbeck, deren Niederlassung sich in Klipphausen nur wenige Hundert Meter entfernt befindet, wird die Halle errichten. Zwar wurden die Verhandlungen über den Bau von allen Beteiligten als „sehr hart“ beschrieben, doch seien sie sehr respektvoll verlaufen, wie Scherf versichert. Der Partner ist kein Unbekannter: Goldbeck hat bereits 2015 den Bau einer Halle von Hightex übernommen.

Zum Festakt anlässlich des 20-jährigen Bestehens am Freitagvormittag waren einige Vertreter von Politik und Wirtschaft gekommen. So beispielsweise Dr. Thomas Wolff aus Landshut, Leiter des Leichtbau- und Technologiezentrums bei BMW. Der Vertreter von Goldbeck, Jörg Bechmann, brachte gleich einen Scheck über 1 000 Euro für die Initiative „Gesundes Pausenbrot“ in Meißen mit, die in Partnerschulen ein gesundes Frühstück organisiert. Hightex hatte zum Spenden aufgerufen – und legte gleich noch einmal 1 000 Euro obendrauf.

Ministerpräsident Michael Kretschmer ließ sich entschuldigen, er nahm zeitgleich an der Trauerfeier für den verstorbenen Ex-Landtagspräsidenten Erich Iltgen teil. Er wurde von Landrat Arndt Steinbach vertreten, der sich offenbar von den anwesenden auswärtigen Gästen genötigt sah, einen Werbeblock für den Landkreis Meißen einzuschieben. Und so erzählte er von dem berühmten Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz, dessen Gesundheitsratgeber über sieben Millionen Mal verkauft wurde und der unter anderem die Limonade Sinalco erfand. Zur Verwirrung der Anwesenden blieb Steinbach einen klaren Bezug von Bilz zu Hightex schuldig, dafür brachte er gleich sechs Landkreismedaillen mit. Nicht für die Geschäftsführung, sondern für besonders verdiente Mitarbeiter. Denn klar ist: Wenn die so engagiert weiterarbeiten und BMW nicht das Interesse an der Zusammenarbeit mit Klipphausen verliert, wird diese neue Halle nicht die letzte Erweiterung von Hightex gewesen sein.

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