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Ein Kamenzer rettet Greifvögel

Bussard, Rotmilan, Seeadler. Falkner Peter Nitsch hat in den vergangenen 50 Jahren schon viele Tiere gepflegt - und jetzt wieder einen ergreifenden Moment erlebt.

Der Kamenzer Falkner Peter Nitsch entlässt einen Rotmilan nach mehrwöchiger Pflege in die Freiheit. Er hat schon viele Vögel gepflegt.
Der Kamenzer Falkner Peter Nitsch entlässt einen Rotmilan nach mehrwöchiger Pflege in die Freiheit. Er hat schon viele Vögel gepflegt. © Matthias Schumann

Kamenz. Der Rotmilan wirkt schon ein bisschen aufgeregt, wittert er die Freiheit? Noch hockt er geborgen zwischen den Händen von Peter Nitsch aus Kamenz. Dann wirft ihn der Falkner oben auf dem Gickelsberg in die Luft. Der Rotmilan dreht noch einen Kreis über seinem Retter, wie zum Abschied, breitet die Schwingen aus und legt sich in den Wind. Richtung Nordosten, dort ungefähr liegt Cunnersdorf, seine Heimat. Peter Nitsch lächelt. Er freut sich für den Greifvogel.

Es ist das Happyend einer Geschichte, die vor rund drei Wochen in Cunnersdorf begann. Dort fand eine Spaziergängerin den Vogel an den Teichen. Jämmerlich hockte der Milan im Teichgestrüpp. Die Frau habe sofort gesehen, dass das Tier Hilfe braucht und Kontakt zu ihm aufgenommen, berichtet Peter Nitsch. Denn der Kamenzer ist kein Unbekannter in der Region. Nicht nur, weil er den Leuten einst als Schornsteinfeger aufs Dach stieg. Sondern auch als Vogelfreund. Es hat sich herumgesprochen, dass in Kamenz ein Fachmann für verletzte Vögel lebt. 

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Wenn sich der Greifvogel tot stellt

Peter Nitsch konnte den Rotmilan mit bloßen Händen einfangen. Das sei zumindest für den Fachmann auch nicht ganz so schwierig. Denn so ein Greifvogel stelle sich tot, wenn er Gefahr wittere, verrät Nitsch: „Das Federkleid war völlig mit Schlamm verklebt.“ Und das Tier nahezu bewegungsunfähig und abgemagert. Es wäre verhungert. Vermutlich war der Vogel beim Baden in Schlamm geraten. Dann muss das Gefieder in der Sonnenglut der Vorwochen sehr schnell knochenhart getrocknet sein. Selbst in der Pflege dauerte es ein paar Tage, bis der Vogel sein Federkleid in der Badeschale wieder sauber geputzt hatte. Der Kamenzer päppelte ihn mit gutem Futter wieder auf. 

Seit 1970 ist Peter Nitsch Falkner und heute auch Vizevorsitzender des Ostsächsischen Falknerbundes. Er habe schon immer viel mit Kleintieren zu tun gehabt und dadurch eine gewisse Erfahrung gesammelt. „Damals habe ich erstmals einen Greifvogel in Pflege genommen.“ Der kleine Jungvogel war aus dem Horst gefallen. So sei die Liebe zur Falknerei entstanden. Die währt bis heute: „Ich habe mir das nötige Wissen angeeignet und die Falknerprüfungen abgelegt.“ Heute ist er selbst Prüfer. 

Oft fallen Vögel aus dem Horst

In jüngeren Jahren sei er auch mit seinen Greifvögeln auf der Jagd gewesen, meist mit seinen Habichten. Die letzten habe leider der Fuchs geholt. So konzentriert sich der 77-Jährige jetzt auf die Pflege. Wie viele Greifvögel er über die vielen Jahre gerettet hat, könne er gar nicht so genau sagen. Mal zwei im Jahr, mal bis zu sechs und mehr. In diesem Jahr waren es neben dem Rotmilan schon zwei junge Turmfalken. Die waren aus ihrem Horst von einem Kirchturm bei Bautzen gefallen: „Die habe ich schon wieder ausgewildert“, berichtet Nitsch. 

Auch bei der Firma Jägermeister in Kamenz war ein vorwitziger Falke aus dem Horst gekippt.  Der kreist inzwischen über der Stadt. Bussarde und sogar Seeadler habe er schon gepflegt. Ein Jungadler sei in einen Gewittersturm geraten, erinnert er sich: „Ich habe ihn beringen lassen. Er ist getrocknet, hat sich schnell erholt, und ich konnte ihn wieder fliegen lassen." Freilich habe er nicht alle Tiere in den Jahren retten können. Zum Beispiel, wenn die Tiere von Autos angefahren wurden und zu schwer verletzt waren.

Auswildern klappt nicht immer auf Anhieb

Derzeit habe er noch eine Rohrweihe in der Pflege. Die sollte jetzt eigentlich in den Süden fliegen. Den Vogel werde er aber erst im Frühjahr auswildern, nach der Mauser, wenn die Flugfedern wieder nachgewachsen sind. Die Tiere brüten ja auf Äckern. Die Rohrweihe war wohl zu nah an eine Landwirtschaftsmaschine geraten und hatte tüchtig Federn lassen müssen.

Meist meldeten sich die Finder telefonisch und er ziehe dann los. Auch bei den Naturschutzbehörden ist der Fachmann längst bekannt und zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht werde: „Mir ist es einfach eine Herzensangelegenheit, den Tieren zu helfen und sie wieder in die Freiheit zu entlassen.“ Sie sollen sich gar nicht an den Menschen gewöhnen. Die Trennung falle ihm nicht immer leicht, gibt der Vogelfreund zu. 

Aber es sei auch schön, wenn sich so ein stolzer Vogel, wie  jetzt der Rotmilan, in die Freiheit aufschwingt. „Das Gefühl ist nicht in Geld zu honorieren“, sagt Peter Nitsch. Wenn Vögel lange in der Pflege waren, klappt das Auswildern nicht gleich beim ersten Mal: „Sie kommen immer wieder zurück.“ Manchmal müssen die Vögel ja auch erst fliegen und Beute  schlagen lernen, um später überleben zu können. Aber eines Tages bleiben sie fort. Dann wird das Herz manchmal ein bisschen schwer. Aber es sei gut so für das Tier und er letztlich nicht traurig.

Seit 1970 ist Peter Nitsch Falkner und heute auch Vizevorsitzender des Ostsächsischen Falknerbundes.
Seit 1970 ist Peter Nitsch Falkner und heute auch Vizevorsitzender des Ostsächsischen Falknerbundes. © Matthias Schumann

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