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Wird Essen in der Gaststätte billiger?

In zwei Wochen sinkt die Mehrwertsteuer. Was das für Kunden und Gastwirte in der Region bedeutet.

Martin Gröger, Inhaber Soulfood Suppenbar Radeberg, begrüßt die Senkung der Mehrwertsteuer. Damit könnten Gastwirte einen Teil der Mehrausgaben auffangen.
Martin Gröger, Inhaber Soulfood Suppenbar Radeberg, begrüßt die Senkung der Mehrwertsteuer. Damit könnten Gastwirte einen Teil der Mehrausgaben auffangen. © Marion Doering

Radeberg. Runter mit der Mehrwertsteuer, dann kaufen die Deutschen mehr ein, verreisen öfter und gehen auch öfter ins Restaurant oder den Biergarten. So der Plan der Bundesregierung. Deshalb sinkt der Satz unter anderem in der Gastrobranche: So zahlt der Kunde nur noch sieben statt 19 Prozent, wenn der Kellner das Steak an den Tisch bringt. Bei Außer-Haus-Verkauf sind es nur noch fünf Prozent. Getränke bleiben bei vergleichsweise üppigen 16 Prozent. Die Senkung gilt zwar nur von Juli bis Dezember 2020, aber immerhin.

Also demnächst im Lieblingsrestaurant einige Cent sparen? Die SZ hat sich im Rödertal umgehört. Thomas Müller, Inhaber von Müllers Gasthof in Großerkmannsdorf, will einen Teil der Steuerersparnis an seine Gäste weitergeben. Allerdings indirekt. „Ich werde die Preise im Restaurant auf dem gleichen Niveau belassen, aber ich werde Qualität weiter steigern, indem ich noch mehr Bioprodukte verarbeite“, sagt der Gastwirt. Das geht zwar nicht bei allen Zutaten, aber beispielsweise Schweine- und Rindfleisch soll künftig Bio sein. Vor allem aber habe das Gastgewerbe die Steuersenkung dringend nötig. Schon wegen der Kosten, die für die Umstellung der Kassen auf die neuen Steuersätze. „Da werden schnell 500 Euro fällig, einmal jetzt und dann wieder im Dezember, wenn alles wieder zurückgedreht wird. Das Geld muss erst einmal erwirtschaftet werden.“

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 Als viel problematischer sieht er die allgemeine Lage des Gastgewerbes an. „Wir hatten zwei Monate kaum Einnahmen, Mitarbeiter müssen aber bezahlt werden, Kosten laufen weiter. Unser Betrieb hatte neun Wochen geschlossen. Das ist in der 130-jährigen Geschichte des Gasthofes noch nie vorgekommen.“Aus Sicht von Thomas Müller reicht die Hilfe mit der „Streusandbüchse“ nicht aus. „Viele sind verunsichert, fragen sich, was eventuell noch kommt und halten ihr Geld eher zusammen, als es auszugeben. Das Gastgewerbe, das seit der Wende gewachsen ist, droht durch die Pandemie kaputt zu gehen.“ Er selber versucht, durch Eigeninitiative die Gäste wieder zahlreicher ins Haus zu holen. Am ersten Septemberwochenende haben wir die dänische Jazzband Plumperne in unserer Reihe ,Kunst trifft Land‘ zu Gast.

Martin Gröger, Inhaber der Soulfood Suppenbar an der Pulsnitzer Straße in Radeberg, will die Preise ebenfalls konstant halten. „Einmal würde es unmögliche Beträge ergeben, wenn wir die Steuerersparnis eins zu eins weitergeben. 2,93 Euro als Preis würde niemand verstehen.“ Außerdem ist bei ihm der Sprung nicht so groß, da er viele seine Speisen im Straßenverkauf weggehen. Da sinkt der Steuersatz von sieben auf fünf Prozent. „Das wären bei fünf Euro zehn Cent.“ Außerdem können Gastwirte jetzt jeden Cent gut gebrauchen. „Jetzt ist vielen teurer geworden, Verpackungen, Zutaten. Mit der Steuersenkung, die ja auch nur vorübergehend ist, können wir einen Teil der Mehrausgaben auffangen.“Hinzu kämen Auflagen, die schon vor der Corona-Krise beschlossen worden waren. „Wir müssen ja fälschungssichere digitale Kassen anschaffen. So gesehen fällt die Senkung noch zu gering aus.“ 

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Er selber hat derzeit den gesamten Sitzbereich in seiner Bar geschlossen. „Wir verkaufen nur zum Mitnehmen. Allerdings wollen wir ab Montag wieder einen Teil der Tische freigeben. Dann stehen 24 Plätze zur Verfügung, sonst haben wir 50 Plätze.“ Dabei hatte sein Betrieb noch Glück. Er konnte durchgehend verkaufen. „Als Straßenverkauf waren wir von Schließung nicht betroffen. Bevor die anderen Restaurants wieder öffneten, hatten wir auch fast normalen Umsatz. Jetzt sieht das wieder schon ganz anders aus.“ Er versucht, seine Gäste mit leckeren Angeboten in seine Suppenbar zu locken, diese Woche mit Spargel-Bouillon und Curry mit Spitzkohl und Kokos.

Jens Richter, Inhaber der Firma Hoga Sport, die in Radeberg unter anderem den Kaiserhof, den Radeberger Brauereiausschank und das Hotel Sportwelt betreibt, ist derzeit dabei, Kalkulationen mit den neuen Steuersätzen zu erarbeiten. „Aussagen über die Auswirkungen sind jetzt zu früh.“ Er weist darauf hin, dass allein für Desinfektionsmittel enorme Summen zusammenkommen, die erwirtschaftet werden müssen.Wie heikel das das Thema Steuersenkung und Restaurantpreise ist, war bei der kleinen Umfrage der SZ zu bemerken. Einige Gastwirte wollten dazu keine Auskunft geben. Oft hieß es, die Branche ist derzeit stark gebeutelt und diese Senkung sei ohnehin sehr gering. Man könne nicht wie andere Läden einen Corona-Aufschlag verlangen, dann würden die Gäste ganz wegbleiben.

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