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Falsche Polizisten unterwegs

Betrug: Erstmals haben die deutsche und türkische Polizei gemeinsam gehandelt. Zugriff auch in Meißen.

Mit einem solchen Plakat hat die Polizei vor falschen Polizisten gewarnt. Bei Anrufen werden nicht selten nachsimulierte Telefonnummern der Polizei genutzt.
Mit einem solchen Plakat hat die Polizei vor falschen Polizisten gewarnt. Bei Anrufen werden nicht selten nachsimulierte Telefonnummern der Polizei genutzt. © dpa

Es rauschte im Frühjahr durch die Medien. Die Kriminalpolizei hat in Deutschland wie auch in der Türkei erstmals falsche Polizisten festgenommen. Gelungen ist das auch, weil sich ein Detektiv in ein Callcenter in der Türkei hat einschleusen lassen und dort Aufnahmen mit versteckter Kamera und Mikrofon machen konnte. Der Sender RTL berichtete dazu Anfang Februar. Mit den Ermittlungen beschäftigt ist auch die Dresdner Staatsanwaltschaft. Sie klagt einen 46-jährigen Türken sowie drei in Deutschland geborene Männer (52, 53, 64) mit südländischen Namen an. In Hamburg und Bielefeld, aber auch in Dresden riefen die Männer deutsche Bürger an und gaben sich als Polizeibeamte aus. Sie erzählten den Angerufenen, dass ihnen wegen eines bestehenden Haftbefehls die Auslieferung in die Türkei bevorstehe. Nur mit einer Geldzahlung auf ein Treuhandkonto könne das noch gestoppt werden. Ein Opfer ging auf die Forderung ein und überwies insgesamt 112.500 Euro. Ein weiteres Opfer büßte 12.500 Euro ein.

In der RTL-Sendung wurden auch statistische Zahlen genannt. Allein im Jahr 2018 gab es in Deutschland 41.000 bekannt gewordene, also angezeigte Fälle von Telefonbetrug. Der Gesamtschaden betrug rund 50 Millionen Euro.

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In jüngster Zeit häufen sich solle Fälle mit falschen Polizisten, Erpressungs- und Gewinnspielmaschen wieder. Wiederholt geben sich Betrüger als Polizisten aus und wollen - vor allem von Rentnern - Geld ergaunern. In Freital, in der Dresdner Südvorstadt gab es in letzter Zeit solche Versuche.

Im Betrugskommissariat der Polizeidirektion Dresden sind die Hauptkommissare Mathias Rosanka und Carsten Billy um den Ersten Kriminalhauptkommissar Steffen Schmieder als Kommissariatsleiter ständig mit solchen Maschen befasst. Schmieder: „Üblicherweise wird von einem Callcenter aus der Türkei angerufen. Die Anrufer sind zumeist Türken, die hier in Deutschland aufgewachsen und mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind und sich in die Türkei abgesetzt haben.“ Deshalb auch sprechen sie einwandfreies Deutsch. Am Telefon geben sie sich als Kriminalisten aus, die vor einem Einbruch warnen. Meist, so erzählen sie den Angerufenen, hätten die vermeintlichen Polizisten Diebe im Visier, bei denen sie eine Liste entdeckt hätten, auf welcher der Name der Angerufenen ganz oben stehe.

Einmaliger Fall in Radebeul

Im Gespräch erforschen die falschen Polizisten das Vermögen der zumeist Senioren und stellen diesen in Aussicht, ihr Geld in Sicherheit bringen zu wollen. Nicht selten wird vorgegaukelt, dass auch die Bank der späteren Opfer durch einen ihrer Mitarbeiter in die Sache verstrickt sei. Immer wieder passiere es, so die Ermittler, dass Senioren darauf eingehen. Eine Radebeulerin übergab Geld und Gold im Wert von rund 400.000 Euro. In Köln wurde eine Frau um 420.000 Euro betrogen. Dezernatsleiter Schmieder: „Der Fall von Radebeul war hier einmalig. Die hohen Summen werden zumeist im Westen Deutschlands ergaunert. Einfach, weil dort mehr Menschen mit großen Vermögen leben.“ 

Auch stammen die Abholer zumeist aus türkischstämmigen Familien, und die leben bislang in der Mehrzahl etwa im Ruhrgebiet, Hamburg und Berlin. Aus diesem Grund sei die Zahl der betroffenen Opfer in den westlichen Bundesländern wesentlich höher. „Was uns aber nicht verschont“, so Schmieder.

Im November 2019 konnte ein solcher Falsche-Polizisten-Betrug in Meißen kurz vor der Geldübergabe vereitelt werden. Hauptkommissar Rosanka aus dem Dresdner Betrugsdezernat hatte hier die wesentlichen Ermittlungen vorangetrieben. Den entscheidenden Hinweis gab es von der Sparkasse Meißen. In Meißen hatte eine Frau das Geld schon abgeholt und nach Hause geschafft. Beim Geldabholen haben sich dann Rosanka und seine Kollegen die falschen Polizisten geschnappt.

Steffen Schmieder: „Die Abholer sind meist männlich und zwischen Anfang und Mitte 20. Sie werden von der Türkei aus rekrutiert. Ihnen sollen etwa 20 Prozent der Summe versprochen worden sein.“ Weil die falschen Polizisten und ihre Handlanger vorsichtiger geworden sind, lassen sie sich neuerdings das Geld auf ein sogenanntes Treuhandkonto überweisen.

Prozess gegen Betrüger

Einer der Beteiligten an der Betrugsmasche sitzt gerade wieder vor Gericht. SZ-Reporter Alexander Schneider berichtete vor wenigen Tagen. Einer Rentnerin wurde eine umfangreiche Lügengeschichte aufgetischt, nachdem sie ausgefragt worden war, ob sie sich im Ausland aufgehalten habe.

Unter anderem werde in der Türkei wegen Kinderpornografie und Geldwäsche gegen die 75-Jährige ermittelt. „Mit der Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 38.000 Euro könnte ich verhindern, dass der Haftbefehl vollstreckt wird“, sagt das Opfer. Weiter berichtete der angebliche BKA-Beamte von einer Anklage vom Bundesamt der Polizei in der Schweiz.

Vor wenigen Tagen hat nun am Landgericht Dresden der Prozess gegen Ayhan I., einen 47-jährigen Türken, begonnen. Er sitzt seit Mai 2019 in Haft und soll zu einer Betrügerbande gehören, die als falsche Polizisten Senioren aus ganz Deutschland betrogen hat. Der eingetretene Schaden: rund 120.000 Euro.

Ayhan wird Beihilfe zum Betrug vorgeworfen, er habe Finanzagenten gesucht, auf deren Konto die Geschädigten die „Kaution“ überwiesen hatten. Zudem habe er die Summen entgegengenommen und einer Frau übergeben, die das Geld als Kurier in die Türkei geschmuggelt habe. Acht Fälle sind angeklagt.

Bei dem großen Schlag gegen eine Betrügerbande in Dresden, Hamburg, Bielefeld und in der Türkei sind mehrere Callcenter ausgehoben und Dutzende von Personen festgenommen worden. Auch die obersten Drahtzieher wurden identifiziert und festgenommen. „Ein großer Erfolg, der jetzt vor Gericht ist“, sagt Kommissariatsleiter Steffen Schmieder von der Polizeidirektion Dresden.

Tipps der Polizei

  • Keine Unbekannten in die Wohnung lassen. Von angeblichen Amtspersonen, zum Beispiel Polizisten, den Dienstausweis fordern, nicht erst in der Wohnung.
  • Beim geringsten Zweifel bei der Behörde anrufen, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben. Wichtig: Lassen Sie den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten.
  • Die Polizei wird niemals Bürger um Geldbeträge oder Wertgegenstände zur Sicherstellung bitten.
  • Keine Details am Telefon zu finanziellen Verhältnissen preisgeben.
  • Nicht unter Druck setzen lassen am Telefon, besser einfach auflegen.
  • Niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen übergeben oder überweisen.
  • Verdächtige Anrufe sofort der Polizei unter der Nummer 110 melden.

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