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Familie bringt Vater vor Gericht

Ein 60-jähriger Görlitzer ist wegen sexueller Übergriffe auf zwei Stief- und eine leibliche Tochter angeklagt.

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Von Frank Thümmler

Die Vorwürfe, denen sich ein 60-jähriger Görlitzer seit Dienstag vor dem Görlitzer Landgericht ausgesetzt sieht, sind alt. Zum Teil so alt, dass sich das Gericht unter Vorsitz von Richter Thomas Fresemann mit dem Thema Verjährung und damit Verfahrenseinstellung auseinandersetzen muss. Der Angeklagte lebte mit zwei Stieftöchtern (geboren 1979 und 1982) und einer leiblichen Tochter (geboren 1989) in einem Haushalt. Die Anklage beschreibt seine Erziehungsmethoden als autoritär, Grenzen überschreitend. Der Angeklagte soll seine Töchter unter anderem auf den Kopf geschlagen und zur Strafe in den dunklen Keller gesperrt haben. Das habe die Mädchen eingeschüchtert, was der Familienvater für spätere sexuelle Übergriffe nutzte, sagte der Staatsanwalt.

Die ersten vorgeworfenen Taten liegen schon sehr lange zurück. 1995 soll der Angeklagte seine ältere Stieftochter angefasst und sie schließlich zum Oralverkehr gezwungen haben, nachdem ihm andere sexuelle Handlungen nicht gelungen waren. 1996 soll er seine jüngere Stieftochter gezwungen haben, mit der Hand sein entblößtes Geschlechtsteil anzufassen und zu manipulieren. Und 2000 habe er bei seiner älteren Stieftochter einen Schrank aufgebaut und als Belohnung Sex gefordert. Nach vergeblichen anderen Versuchen habe er die junge Frau zum Oralverkehr gezwungen. All diese von der Staatsanwaltschaft aufgelisteten Tatvorwürfe sind so lange her, die Opfer auch schon lange genug über 21 Jahre alt, dass sie verjährt sein könnten. Sollte das der Fall sein, blieben nur die zwei letzten Vorwürfe von sexueller Nötigung mit seiner leiblichen Tochter. Der Angeklagte, der alle Taten bestreitet und sich vor Gericht zu den Vorwürfen nicht äußern will, soll das Mädchen zwischen 2007 und 2011 an die Brust gefasst und sie gezwungen haben, in seine Hose zu greifen. Das Mädchen habe die Hand aber erfolgreich weggezogen.