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Familie startet auf der Brüderstraße

Schnitzer Karl-Heinz Krauß verlässt die Weberstraße. Er fängt zusammen mit Tochter und Schwiegersohn im Via Regia-Laden neu an.

Von Daniela Pfeiffer

Irgendwie war Karl-Heinz Krauß schon immer in der Via Regia-Buchhandlung präsent. Mit seinen Schnitzereien, die hier schon lange im Schaufenster standen. Nun zieht er ganz hierher – mit der Werkstatt. Ende des Monats macht er sein Domizil auf der Weberstraße zu, in dem er drei Jahre gearbeitet hat.

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Denn die Chance, auf die er lange gewartet hatte, ist jetzt da. Ein Laden auf der Brüderstraße ist frei geworden: die Buchhandlung von Frank Vater. Krauß, der mit dem bisherigen Inhaber befreundet ist, hat sie von ihm übernommen. Zusammen mit seiner Tochter Jana, die das Antiquariat weiterführen will und Schwiegersohn Ahmad Mohamed, den aber alle nur Saif nennen. Der 51-Jährige ist Fotograf und wird im Laden ein Fotostudio mit Labor einrichten. Am 1. April sind sie nach 20 Jahren in Tübingen in die Lausitz gezogen. Wohnen seitdem in Kiesdorf, der Sohn besucht die Schule in Bernstadt. Aber Arbeitsmittelpunkt soll Görlitz sein. Die Stadt, die Jana Krauß und ihr Lebensgefährte schon lange schätzen. Bei Besuchen des Vaters waren sie immer wieder fasziniert. „Wir haben Görlitz schon ein paar Jahre beobachtet“, sagt die 40-Jährige. Auch sie waren mit Frank Vater bereits gut befreundet.

Jana Krauß war bisher Biologin in Tübingen – und Mitarbeiterin der Biologie-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard. Warum gibt sie so einen Job auf? „Ich wechsle in der Tat komplett das Fach, aber nach so vielen  Jahren war es mal Zeit für etwas Neues. Und Bücher liebe und sammle ich schon seit meiner Kindheit.“

Neben denen, die sie selbst zu Hause in vielen Kisten hat, übernimmt sie nun also noch etwa 7 000  aus dem Via Regia-Laden. Bange vor dem Neustart ist ihr nicht. „Es ist zum Glück eine etablierte Buchhandlung, in allerbester Lage.“ Deshalb soll die auch gar nicht erst geschlossen werden. „Wir machen die Umräumarbeiten bei geöffnetem Geschäft. Renoviert wird im Winter, wenn nicht so viele Touristen da sind.“ Jetzt hingegen kommen sie beinahe schon in Strömen. In der ersten Woche habe es schon viele schöne Begegnungen gegeben. Die Leute seien neugierig, wollen wissen, was sich hier ändert. Obgleich vor allem viele Görlitzer Frank Vaters Weggang bedauern, wollen sie auch die „Neuen“ kennenlernen. Für Vater Karl-Heinz gilt das nicht – er ist in Görlitz schon eine Institution, lebt hier seit 1990.

Mit einer seiner drei Töchter jetzt einen beruflichen Neustart zu wagen, erfüllt den gebürtigen Erzgebirgler mit Stolz. Zugleich ist er froh, wieder zurückzukommen – näher an die Görlitzer Touristenmeile. „Ich war ja ursprünglich in der Handwerkerey“, sagt der 66-Jährige. Die Weberstraße war nur eine Übergangslösung. Seine Werkstatt kommt gleich ganz vorn in den Laden, die Passanten sollen ihm bei der Arbeit durchs Schaufenster zusehen können. Wie Krauß’ Werkstatt soll nun auch der Laden heißen: Art Goreliz.

Hinter den Kassenbereich soll das Fotostudio, ganz hinten eine Leseecke eingerichtet werden. Das Buchsortiment will Jana Krauß noch erweitern, vor allem um Kinderbücher. Ein Schwerpunkt sollen weiterhin Bücher zur Görlitzer und Regionalgeschichte sein. Und mit Frank Vater haben die drei den besten Berater zur Seite. „Bis jetzt gab es keinen Tag, an dem er nicht in seinem alten Laden vorbeigeschaut hat“, sagt Karl-Heinz Krauß schmunzelnd.