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Familien wünschen sich mehr Beachtung

Eine Umfrage des DRK in Weißwasser ist Anstoß für neue Angebote – auch für Senioren. Einiges soll es ab 1. Juli geben.

Yvonne Mucha möchte als Quartiermanagerin mit dafür sorgen, dass sich Alt und Jung besser verstanden und einbezogen fühlen.
Yvonne Mucha möchte als Quartiermanagerin mit dafür sorgen, dass sich Alt und Jung besser verstanden und einbezogen fühlen. © Constanze Knappe

Familien fühlen sich in Weißwasser zu wenig beachtet. Das ist eine der Kernaussagen einer Bürgerumfrage, die der DRK-Kreisverband Weißwasser im vergangenen Jahr durchgeführt hat. Sie ist Teil des Projekts „Quartierentwicklung / Quartiermanagement“. An diesem Mittwoch wurden nun die Ergebnisse vorgestellt.

Als Quartier betrachtet wurde der Bereich ausgehend von der Geschäftsstelle des DRK in der Friedrich-Bodelschwingh-Straße über den Marktplatz zur Hermannsdorfer Straße, in südlicher Richtung begrenzt durch die Heinrich-Heine-Straße sowie in westlicher Richtung bis Kreiskrankenhaus und Berliner Straße wieder zurück zum Ausgangspunkt. In diesem Quartier leben etwa 3.000 Menschen. Mittels der Befragung sollten ihre Wünsche, Sorgen und Anregungen aufgenommen werden, um Ideen umsetzen und Probleme lösen zu können. Gestartet ist das Projekt im Juni 2019, im Herbst fand die Befragung statt.

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Quartiermanagerin Yvonne Mucha war selber zehn Jahre aus Weißwasser weg. Vor drei Jahren kam sie zurück. Zwar habe sie einen Teil der Antworten so erwartet, einige aber seien überraschend gewesen. Großes Interesse an der Befragung zeigte sich bei Elternabenden in Kitas. Yvonne Mucha stand außerdem drei Tage im Kaufland. Zudem lagen die Bögen bei Blutspendeterminen aus. Eine Befragung in Schulen hatte das Landesamt für Schulen und Bildung mit Verweis auf Datenschutz nicht erlaubt.

Befragt wurden nur diejenigen, die tatsächlich in dem Quartier leben. Bewertet werden sollte beispielsweise, inwiefern die Infrastruktur als generationsgerecht empfunden wird, es bedarfsgerechte Wohnangebote, eine wohnortnahe Beratung und Begleitung sowie ein wertschätzendes gesellschaftliches Umfeld gibt.

Mit der Wohnsituation zufrieden

Aus den Aussagen der 199 beteiligten Bürger erarbeitete die Quartiermanagerin letztlich eine Zustandsbeschreibung des Lebens in diesem Bereich der Stadt Weißwasser. Drei Prozent der Befragten sind Jugendliche (unter 18 Jahren), vier Prozent den Heranwachsenden (bis 21 Jahre) zuzuordnen, 55 Prozent sind Erwachsene und 38 Prozent Senioren (über 60 Jahre). Dem Familienstand nach ist die Hälfte der Erwachsenen ledig und 59 Prozent der Senioren verwitwet. Jeweils ein Viertel lebt in Haushalten zu zweit oder zu dritt, hingegen nur acht Prozent mit mehr als vier Personen. Generell sind 79 Prozent der Befragten mit ihrer derzeitigen Wohnsituation zufrieden. Fast genauso viele fühlen sich auch wohl in diesem Wohnquartier. Weil es ruhig und die Nahversorgung gegeben ist, so die hauptsächliche Begründung. Aber, und das war für Yvonne Mucha keineswegs überraschend, 37 Prozent der Senioren fühlen sich einsam. Das jedoch sei kein reines Problem von Weißwasser, sondern gesamtgesellschaftlicher Natur, hieß es.

Gemeinschaftsgefühl stärken

Der Quartiermanagerin ist „eine negative Grundstimmung aufgefallen“. Dem soll das von der ARD-Fernsehlotterie geförderte Projekt entgegensteuern. Als Maßnahmen nannte Yvonne Mucha ein großes Nachbarschaftsfest, regelmäßige Treffen für Senioren, eine Putzaktion, einen Oma-Opa-Dienst, Vorlesestunden und anderes mehr. „Es sollte unsere Aufgabe sein, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken“, nahm WBG-Chefin Petra Sczesny aus den Ergebnissen der Umfrage mit. Allerdings organisiert die Wohnungsbaugesellschaft mbH Weißwasser selbst so einiges für ihre Mieter, was über die Pflichten eines Vermieters hinausgeht wie die zwei jährlichen Kinderfeste oder die Aktion „Weißwasser räumt auf“.

Etliche der von den Befragten gewünschten Angebote gibt es bereits. Nur sind sie entweder nicht ausreichend bekannt oder werden nicht genutzt. Dass 68 Prozent der befragten Erwachsenen nur selten kulturelle Angebote nutzen, empfand Yvonne Mucha als erschreckend. Petra Sczesny hingegen ist das nicht neu. Es werde immer wieder gerne kritisiert, dass hier nichts los sei, sagte sie. Andererseits sei es nicht selten, dass zu Veranstaltungen nur wenige Besucher kommen. „Ich will nicht alles neu aus dem Boden stampfen“, erklärte Yvonne Mucha. Die Quartiermanagerin sieht ihre Aufgabe eher darin, „zu vermitteln, was es schon gibt, und vorhandene Akteure noch besser zu vernetzen“.

Dabei wolle sie sich vor allem auf Familien – besonders mit Kindern unter drei Jahren – konzentrieren, denn da sei der Bedarf nach zusätzlichen Angeboten groß. Das habe die Umfrage deutlich gemacht. Ein Elternprogramm mit Themen, wie man Babybrei selber kocht, warum ein Kind schreit oder dem Einmaleins des Elternseins für Paare, die das erste Kind erwarten, wird aufgelegt. Schwangerenfrühstück, Mütterstammtisch, Eltern-Kind-Sport und Workshops für Eltern (mit Kinderbetreuung) sind weitere Ideen. Ebenso ein „Café ohne Hindernisse“ als Treffpunkt für Senioren und Angebote zu Gesundheitsthemen für alle Altersgruppen. Einiges davon soll es ab 1. Juli mit der Eröffnung des Zentrums für Eltern- und Familienbildung des DRK in Weißwasser geben.

„Wir sind ein kleiner Verein, wir werden Weißwasser nicht umkrempeln“, bewertete Vorstandsmitglied Maik Warich die Ergebnisse der Umfrage. Zu deren öffentlicher Vorstellung am Mittwoch waren leider nur wenige Bürger gekommen. So fügte er hinzu, dass man sich im Klaren sei, nicht jeden zu erreichen. „Aber wir werden es versuchen“, sagte er.

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