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Familienaufstellung

Maler-Star Hans-Georg Kern alias Georg Baselitz ist ihr Onkel und dürfte stolz auf sie sein: Anne, Thomas und Steffen Kern stellen ihre Werke in Dresden aus.

Von Birgit Grimm

Dresden. Alle drei heißen sie Kern: Anne, Thomas und Steffen. Die Männer sind Brüder und künstlerische Autodidakten. Ihre Cousine Anne hat an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst Malerei studiert. Ein Onkel von ihnen hatte das Zeug zum Künstler: Hans-Jürgen. Leider ist er schon verstorben. Er zeichnete nur zum Zeitvertreib. Aus einem anderen Onkel, Hans-Georg, wurde ein Star. Den Namen Kern hat er jedoch längst abgelegt, und in jüngster Zeit äußert er sich immer mal wieder, nun ja, nicht eben familienfreundlich. Die Rede ist von Georg Baselitz, der als Hans-Georg Kern zur Welt kam und in Deutschbaselitz, das heute zu Kamenz gehört, seinen Eltern das Leben nicht gerade leicht machte.

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„Wir wollen einen Teil der Familie künstlerisch zusammenbringen und gegenüberstellen“, sagt Galerist Hellfried Christoph. „Und schauen, wie sie sich beeinflussten, wie sie eigenständige Wege gingen, wo sie stehen, wo Wege abgebrochen wurden, wie sie vom großen Baselitz profitierten und welchen Rucksack sie auf Grund dessen auch heute noch mit sich herumschleppen.“

Die gute Nachricht ist: Ein Rucksack ist nicht zu sehen, keine schwere Last, nirgends. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein berühmter Kern mit einem oder mehreren weniger berühmten Kerns fusioniert, tendiert gegen null. Anne, Steffen und Thomas Kern gehen ihren eigenen Weg, unbeeindruckt von der Berühmtheit des Onkels. Baselitz wiederum scheint das künstlerische Treiben in seiner Familie nicht zu interessieren. Er habe keine näheren Informationen und sei nicht an der Ausstellung beteiligt, antwortete er auf eine entsprechende SZ-Anfrage.

Und die jungen Künstler? Sie brauchen den berühmten Onkel gar nicht. Die „Kernfusion“, wie die Ausstellung heißt, kommt auch ohne Baselitz in Gang. Seine Beteiligung ist wohl mehr dem kaufmännischen Interesse des Galeristen geschuldet, der mit der Galerie Flox nun auch in Dresden sein Glück versucht. Gegründet wurde die Galerie in Kirschau bei Bautzen.

Es gibt ein paar handsignierte Radierungen, Holzschnitte und Offset-Drucke von Georg Baselitz, die man aus Kernschem Familienbesitz erwerben kann. Und es gibt eine Tafel mit Fotografien aus dem Familienalbum, die die Verwandtschaftsverhältnisse erläutert. Wissen muss man das alles nicht, um sich der Kunst von Anne, Thomas und Steffen Kern zuzuwenden. Und es ist auch nicht zu verstehen, warum die drei sich diesen Rucksack überhaupt aufsetzen lassen.

In dieser Ausstellung steckt jede Menge Energie, auch ohne Fusion. Anne Kern – sie lebt in der Sächsischen Schweiz, liebt diese Landschaft und geht zum Malen gern raus – zeigt Felsformationen, Wälder und Boote. Sie malt die Stille. Das ist ein starker Kontrast zu ihrer männlichen Verwandtschaft.

Die Herren lassen es krachen. Steffen Kern holt Musikanten ins Bild, die im Leben nichts ausließen. Getreu dem Motto: Lieber laut gelebt und kurz, als leise und gestümpert. Amy Winehouse, Bob Marley, Janis Joplin, Kurt Cobain sind es, die ihn inspirieren. Malen muss er, weil er malen muss. Kunst braucht keine Begründung.

Sein Bruder Thomas gab sich den Künstlernamen dekern. Er hat als Kind schon gern gezeichnet. Dass er Künstler sein wollte, wurde ihm mit Siebzehn klar, als er sich nach einem schweren Unfall ins Leben zurückgekämpft hatte. Manche seiner Bilder sind expressiv und wild. In anderen wieder, wie im Blatt „Weiße Krähe“, konzentriert er sich ganz auf die Linie. Er kann es auch schön ironisch. „Extremermist“ zum Beispiel: Da hockt ein kleiner Kopf auf einem dünnen Stab. Verschiedene Materialien hat dekern zu einer Knautschzone verarbeitet, die mal ein Gesicht war. Da hat einer ordentlich was abbekommen. Vielleicht hatte er auch nur zu viel aus der Bierflasche getrunken, auf der zwar Limo draufsteht, aber vermutlich weder Hefeweizen noch Gerstensaft drin war.

„Kernfusion“: Anne Kern, Thomas Kern, Steffen Kern, Georg Baselitz. Bis 9. Juni in der Galerie Flox, Dresden, Obergraben 10, Di.–Fr. 13–20 Uhr, Sa. 11–18 Uhr.