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Familienbetrieb gewinnt neue Kunden

Qualität im Handwerk zahlt sich aus. Auch deshalb nimmt Bäckermeister Haufe aus Bischofswerda an der Brotprüfung nächste Woche teil.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Fürs Mischbrot von Bäckermeister Steffen Haufe könnten alle 100 Punkte und damit ein „Sehr gut“ drin sein, wenn Michael Isensee vom Institut für die Qualitätssicherung von Backwaren am kommenden Freitag in Bischofswerda Brot und Brötchen testet. Bei den Semmeln nimmt der Bischofswerdaer Handwerksmeister dagegen gern einen Punktabzug und „nur“ das Prädikat „Gut“ in Kauf. Denn seine Brötchen splittern nicht, wenn man sie aufschneidet. Die Kruste ist elastischer. So, wie es viele Kunden noch von früher her kennen – und mögen. „Nicht dem Prüfer, sondern meinen Kunden müssen meine Semmeln schmecken“, sagt Steffen Haufe.

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Test ist ihm wichtig

Er nimmt jedes Jahr an der von der Bautzener Bäckerinnung organisierten Brotprüfung teil. Dieser Qualitätstest, dem sich die Innungsbetriebe freiwillig unterziehen, ist ihm wichtig. „Man sieht, wo man steht, und bekommt von unabhängiger Stelle bestätigt, welche Qualität die Ware hat“, sagt der Bäckermeister. Viele Urkunden in seinem Geschäft attestieren ihm über Jahre eine hohe Qualität.

Manche Kollegen nutzen die Brotprüfungen, um neue Sorten testen zu lassen. Steffen Haufe setzt dagegen auf Tradition. Mischbrot und Semmeln – das, was bei ihm am meisten gekauft wird – wird er zur Prüfung einreichen. Zeit zum Experimentieren hat er kaum. Er und seine Frau Birgit arbeiten in der Backstube. Zum kleinen Team des Betriebes gehören noch zwei Verkäuferinnen, die stundenweise angestellt sind: die eine im Geschäft an der Neustädter Straße, die andere im Verkaufswagen, mit dem Steffen Haufe dreimal in der Woche auf die Märkte in Großröhrsdorf, Neustadt und Bischofswerda fährt.

Nach der deutschlandweiten Geiz-ist-geil-Welle des vergangenen Jahrzehntes bemerkt Steffen Haufe wieder ein gewachsenes Qualitätsbewusstsein bei den Kunden. Vor allem jüngere Familien kaufen wieder verstärkt beim Bäcker ein. Sie kommen nicht nur aus dem neuen Wohngebiet am Kegelweg, das sich gleich nebenan befindet, sondern aus dem ganzen Stadtgebiet und auch aus umliegenden Orten. Die Umsätze steigen. Sonnabends haben sie sich in den letzten drei, vier Jahren sogar verdoppelt. Dabei warten die Haufes nicht nur, bis die Kunden zu ihnen kommen. Für Stammkunden im Schiebocker Stadtgebiet gibt es sonnabends einen besonderen Service: die „Beuteltour“. Birgit Haufe fährt dann rund 30 Adressen ab und liefert die Bestellung fürs Wochenende frei Haus.

Seit 1990 in Schiebock

Der jetzt 54-jährige Bäckermeister stammt aus Neukirch. Er lernte in der Bautzener Bäckerei Elle, arbeitete später beim Neukircher Himmelsbäcker, ehe er sich 1990 in Bischofswerda selbstständig machte. Das Haus mit seinem Geschäft konnte die Familie 1992 kaufen. Der Betrieb hat sich etabliert, lebt zum großen Teil von seinen Stammkunden. Der Kontakt zu ihnen ist ihm und seiner Frau wichtig. „Mit den Jahren hat man die Lebens- und Familiengeschichten kennengelernt. Vor allem ältere Menschen, die allein leben, freuen sich, wenn ihnen mal jemand zuhört“, sagt Steffen Haufe. Um Kundenkontakte zu pflegen, stehen er und seine Frau oft selbst im Verkaufswagen. Vor allem bei Events auf Schiebocks Altmarkt, egal, ob Automesse, Stadtfest oder Weihnachtsmarkt.

Aus Überzeugung in der Innung

Steffen Haufe, Vorstandsmitglied der Bautzener Bäckerinnung, war es auch, der die Brotprüfung nach Bischofswerda holte. In Bautzen habe man keine geeigneten Räume mehr gefunden, berichtet er. Vor einem Jahr war die Innung bei der Krankenkasse IKK in Bischofswerda zu Gast. In diesem Jahr rückt sie ins Stadtzentrum und nutzt den Rathaussaal. Die Mitgliedschaft in der Innung ist freiwillig. Steffen Haufe würde darauf nie verzichten. Schon des Erfahrungsaustausches und der Weiterbildung wegen. Seit 1992 ist er Vorstandsmitglied der Bäckerinnung und erlebte in diesen 26 Jahren den Wandel mit, der die ganze Region erfasst: Die Bischofswerdaer Bäckerinnung ging in die Bautzener auf. Später kam die Westlausitz hinzu. Steffen Haufe, der selbst rund zehn Lehrlinge ausgebildet hat, ist in der Innung Lehrlingswart. Wie in vielen Branchen, werden Lehrlinge gesucht. „Ein Beruf mit Zukunft“, an dem Steffen Haufe auch „den ehrlichen Bezug zu Lebensmitteln“ schätzt. Was er verarbeitet, kommt aus der Region – das Mehl von der Rätzemühle Spittwitz, das Malz aus Großharthau. „Da ist nichts aus dem Chemiebaukasten“, sagt er schmunzelnd. Prüfer Isensee wird es am nächsten Freitag gewiss honorieren.