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Familienforscher von Rang

Zittau. Vor 100 Jahren wurde der Genealoge Erich Pröwig geboren.Er war eine Institution.

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Von Tilo Böhmer

Am 19. Januar jährte sich zum 100. Male der Geburtstag des Zittauer Heimatforschers und Genealogen Erich Pröwig. 1908 wurde er in Neustadt/Sachsen geboren, wo sein Vater als Postbote tätig war. Schon 1915 erfolgte die Versetzung des Vaters nach Zittau, jener Stadt, die zur Heimat Erich Pröwigs werden sollte.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung trat er 1928 in den Verwaltungsdienst der Ev.-Luth. Kirche Zittau ein. Nur unterbrochen durch den Militärdienst in Norwegen während des Zweiten Weltkrieges blieb Erich Pröwig dieser Tätigkeit bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1974 treu. 1959 übernahm er zusätzlich die ehrenamtliche Tätigkeit des Archivpflegers für die Ephorie Zittau.

Schon als junger Mann interessierte er sich für die Geschichte seiner Heimat und trat folgerichtig dem Zittauer Geschichts- und Museumsverein bei. Als sich anstelle dieses Vereines 1949 die Arbeitsgemeinschaft Südlausitzer Heimatgeschichte im Kulturbund der DDR gründete, war Erich Pröwig von Anfang an dabei. So ist es nicht verwunderlich, dass er 1992 als einziges noch lebendes ehemaliges Mitglied begeistert die Wiederbelebung des alten Zittauer Geschichts- und Museumsvereines begleitete und als Ehrenmitglied bis zu seinem Tode aktiv am Vereinsleben teilnahm. Für zahlreiche Familienforscher aus dem In- und Ausland wurde Erich Pröwig wichtiger Anlaufpunkt für deren Nachforschungen in der Oberlausitz. Seine gründliche und fundierte Forschung, verbunden mit seinem enormen Hintergrundwissen, ließen den in Eckartsberg wohnenden zu einer Institution in der Südlausitz werden.

Ab 1968 veröffentlichte er Beiträge in den westdeutschen Zeitschriften „Mitteldeutsche Familienkunde“ und „Die Genealogie“, zum Beispiel über die Familien von Kohlo in Zittau oder die Oberlausitzer Vorfahren der Mutter des Humoristen Karl Valentin. Auch in den Zittauer Geschichtsblättern und im Bibliotheksjournal der Christian-Weise-Bibliothek erschienen Aufsätze von Erich Pröwig. Seine umfangreiche Geschichte der Familie Pröwig sowie der in der Oberlausitz weit verzweigten Familie Zeißig, aus der seine Frau stammte, hinterließ er als Manuskript.

Eine schwere Krankheit sowie nachlassende Sehkraft zwangen ihn schließlich, Anfang 1996 auf die geliebte Tätigkeit in den Kirchenarchiven zu verzichten. Die letzten Lebensmonate verbrachte er bei seiner Tochter in Rauen bei Berlin, wo er am 29. Dezember 1996 verstarb. In seinem genealogischen Nachlass lebt Erich Pröwig weiter und ist somit noch heute zahlreichen Familienforschern behilflich.